Vorwort von Ernst Bromeis

In einer Zeit wo vieles unterzugehen scheint ist es gut, wenn man schwimmen kann.

In diesem Winter 2015 sind uns die Krisen auf der Welt sehr nahe gekommen. Der Schweizer Tourismus und die Exportwirtschaft stehen inmitten grosser Herausforderungen. Die Flüchtlingsströme aus dem Süden gelangen auch zu uns in die Schweiz.

Wir verhandeln mit der EU über eine Zuwanderung nach unseren Vorstellungen,...

...

ohne die gewinnbringenden Bilateralen-Abkommen gefährden zu wollen. Die Krise in der Ukraine beschäftigt uns in Westeuropa mehr als uns lieb ist.

In diesem Umfeld gestalten wir die 3. UNO-Weltwasserwoche im Unterengadin. Es ist kein Ort für Auserwählte, an denen die oben beschriebenen Krisen wie ein Stück Holz im Inn vorbeiziehen würden. Nein, das Stück Holz ist gross und sperrig – und klemmt. Es braucht die ganze Kraft einer Gemeinschaft um das gestaute Wasser wieder ins Fliessen zu bringen.

Zeiten, in denen das Wasser bis zum Hals steht, fordern uns heraus gemeinsam zu schwimmen und zu kooperieren. Ein Weg ist es, nach dem suchen, was uns verbindet, und nicht nach dem zu streben, was uns trennt. Die UNO-Weltwasserwochen bieten einer ganzen Region die Chance auf dieser „verbindenden Welle“ zu reiten und mitzugestalten.

Die UNO-Weltwasserwochen sind innovativ. Aus der Unterengadiner Geschichte und Tradition heraus das Verbindende suchen um mit neuen Ideen weiter zu gestalten, ist der Antrieb. Innovation heisst nicht primär Millionenprojekte aus dem Boden zu stampfen, sondern mit Selbstbewusstsein organisch zu wachsen.

Ich freue mich auf gemeinsame, verbindende Tage. Bainvgnüts a l’aua.

Ernst Bromeis-Camichel, Grenzschwimmer und Wasserbotschafter,
Organisator UNO-Weltwasserwoche

3. UNO-Weltwasserwoche vom 21. bis 27. März 2015

7 Tage im Zeichen des Wassers: Rund um den UNO-Weltwassertag am 22. März geht die Veranstaltungsreihe der Aussage «Nichts verbindet (und trennt?) uns mehr als das Wasser!» auf den Grund. 

Unter anderem:

  • Gottesdienst unter Mitwirkung der Musikschule („Verbindet uns mehr als das Wasser?“ 
  • Kinoabende im Grossbecken des Bogn Engiadina Scuol: „ Kon-Tiki – mit dem Floss Kulturen verbinden“ und „Watermark – Ein Film von schrecklicher Schönheit“ 
  • Kinderveranstaltung in der Biblioteca Scuol („BLAUES GOLD“ – Ein Märchen aus den Bündner Bergen mit Annetta Baumann und Uorschla Rauch)
  • „Lampedusa – eine zivilisatorische Odysee“ mit Anja Klug UNHCR
  • Orgelkonzerte und Lesung auf Schloss Tarasp („Alles im Fluss“ mit Irma Wehrli und Jörg Perron)
  • Fachreferate von Ernst Bromeis ("Ardez liegt am Rhein) & Köbi Gantenbein („Trennen Mauern was ursprünglich verbunden war?“) 
  • Gastreferent: Alt Bundesrat Moritz Leuenberger

Programm 3. UNO-Weltwasserwoche 2015

Samstag,
21. März

Chasa da scoula Scuol
Sala cumünala
20.00 Uhr

„Und wo bleibt das Wasser?“ mit Moritz Leuenberger und Risch Biert

Was bedeutet Wasser für den ehemaligen Umwelt-, Verkehrs-, Energie- und Kommunikationsminister? Ein Transportweg? Ein Energiespender? Ein Umweltelement, das geschützt werden muss? Oder bedeutet es sogar viel mehr? Ist Wasser Ursprung unseres Leben, unserer Sprache Kultur und Religion? Zu diesen und anderen Fragen versucht Moritz Leuenberger am Samstag, 21. März, Antworten zu finden.

Die Rede von Moritz Leuenberger wird eingerahmt mit Musik. Der Pianist Risch Biert (sein Vater stammte aus Scuol) wird Ausschnitte aus der Suite "A la riva da l'En" vom Bündner Komponisten Armon Cantieni interpretieren sowie das Prélude von Claude Debussy "Des pas sur la nège" vortragen. Im Weiteren erklingt eine eigene Improvisation über ein Gedicht des Engadiner Lyrikers Andri Peer.

Nach der Rede von Moritz Leuenberger wird der ehemalige Spitzenpolitiker mit Wasserbotschafter Ernst Bromeis ins Gespräch kommen. Noch offene Fragen können auch vom Publikum gestellt werden. 

Sonntag, 22. März

Baselgia refuormada
Scuol
10.00 Uhr

„Verbindet uns mehr als das Wasser?“ mit Jon Janett und MusikschülerInnen

Der Gottesdienst ist fester Bestandteil der UNO-Weltwasserwoche. Die Auseinandersetzung mit der Ethik und auch Moral soll auch christlicher Sicht dargelegt werden. Pfarrer Jon Janett wird Verbindliches sagen.  Zitat: „Das Bedürfnis nach Wasser und die Abhängigkeit von Wasser verbindet die Menschheit, die Geschöpfe ganz allgemein. So kann es uns auch im Engadin, wo wir noch gutes Wasser im Überfluss haben, nicht gleichgültig sein, was an anderen Orten betreffend Wasser geschieht.“

Als Organisatoren freut es uns, dass auch junge einheimische Musikerinnen und Musiker den Gottesdienst mitgestalten werden. Die Musikschule Unterengadin beteiligt sich mit einem Blechbläserensemble und einem Querflötenduo an der UNO-Weltwasserwoche. Diese Schülerinnen und Schüler umrahmen die Messe mit 3 oder 4 „Wasser“-Stücken musikalisch und werden dabei vom Organist Ernst Bromeis-Hatecke begleitet.

Sonntag,
22. März
UNO-Weltwassertag

Plaz
Scuol
11.00 Uhr

„Viva l’aua!“

Im Anschluss am Gottesdienst findet beim Bügl Plaz unter der reformierten Kirche die offizielle Feier der 3. UNO-Weltwasserwoche statt. Der offizielle Akt am bügl/Brunnen mit der frei fliessenden aua forta ist gleichzeitig der offizielle UNO-Weltwassertag. Regierungsrat Jon Domenic Parolini, ehemaliger capo da Scuol, Tourismusdirektor Urs Wohler und Organisator Ernst Bromeis werden gemeinsam mit der Bevölkerung am Wasser anstossen. Alle sind herzlich eingeladen mitzufeiern. 

Montag, 
23. März

Biblioteca populara
Scuol
Chasa du Parc
17.00 Uhr

„BLAUES GOLD“ – Ein Märchen aus den Bündner Bergen mit Annetta Baumann und Uorschla Rauch

Annetta Baumann erzählt in „BLAUES GOLD“ von der Bedeutung des Wassers als essentielle Lebensgrundlage. Ein Herrscher beschliesst: „Nun soll einer meiner Söhne König werden!“ Jeder der drei möchte auf dem Thron sitzen! Der Vater verspricht: „Wer den grössten Schatz des Reiches findet, der darf die Krone tragen.“ Zwei Prinzen sammeln auf ihrer Reise unermessliche Schätze. Der Jüngste begegnet erst einer arglistigen Hexe und erfährt später das Geheimnis der Quellnymphe. Für welchen der Prinzen entscheidet sich der König? Die Märchenstunde richtet sich an Kinder im Alter zwischen 5 und 10 Jahren. Die Eltern- und Grosseltern sind herzlich willkommen. 

Montag, 
23. März

Bogn Engiadina
Scuol
20.00 Uhr
Eintritt CHF 10,-

„ Kon-Tiki – mit dem Floss Kulturen verbinden“ 

Letztes Jahr war es noch ein visuelles Experiment im und am Wasser. Jetzt schon nicht mehr wegzudenken. Auch die 3. UNO-Weltwasserwoche wird mit zwei Filmabenden bereichert. Die Filmvorführungen finden im speziellen Ambiente statt, nämlich im grossen Becken des Bogn Engiadina Scuol. 

Die Reise der Kon-Tiki wurde zur Legende: Der junge norvegische Forscher Thor Heyerdahl überquert 1947 auf einem selbst gebauten Floß aus Balsa-Hölzern, genannt Kon-Tiki, die Weiten des pazifischen Ozeans – mit ungewissem Ausgang. Die riskante Forschungsreise ist für den Norweger die einzig reale Chance, seine revolutionäre Theorie zu beweisen: Polynesien wurde vor 1500 Jahren zuerst – und zwar genau mit einem solchen Floß - von Südamerika aus besiedelt.

Fast 8000 Kilometer lang segelt der Nichtschwimmer auf dem primitiven Floß zusammen mit einer fünfköpfigen Crew über das offene Meer. Ohne jegliche moderne Ausrüstung ist die Kon-Tiki den Naturgewalten tagtäglich ausgesetzt. Die Geheimnisse der Tiefsee, gewaltige Orkane und brutale Haiangriffe in Kombination mit großen Emotionen und Konflikten innerhalb des kleinen Teams lassen die Tour zu einem der spektakulärsten Abenteuer des 20. Jahrhunderts werden.

Die Filmbesucherinnen und Filmbesucher dürfen die Vorführung in Badehose und Badekleid aus dem Wasser oder Barfuss und in legerer Bekleidung am Beckenrand im Kinostuhl geniessen.

Dienstag,
24. März

Café Benderer
20.00 Uhr

„Tropfen bilden einen Bach. Bäche bilden einen Fluss. Flüsse bilden einen Strom“ mit Werner Reichle

Vor dem Anlass mit Köbi Gantenbein findet die ordentliche Generalversammlung der Pro Büvetta Tarasp statt. Der Verein für die Rettung der Trinkhalle wurde vor drei Jahren gegründet. Dazu der Präsident Werner Reichle: „Pro Büvetta Tarasp“ hat mit meiner Begeisterung für das Baujuwel, der Büvetta, begonnen. Allmählich hat sie sich verbunden mit dem Element Wasser und mit der Idee der neuen Nutzung als Weltwasserzentrum „Pol des Wassers“. Eine Generalversammlung kann zwar trocken sein, doch steter Tropfen höhlt den Stein und gibt die Hoffnung, dass bald die Geldströme fliessen!

Ich freue mich auf Ihren Besuch.“ Die Versammlung ist öffentlich.

Café Benderer
20.45 Uhr

„Trennen Mauern was ursprünglich verbunden war?“ mit Köbi Gantenbein

Nachdem 2014 Gion A. Caminada uns beehrt hat, freuen wir uns auf eine weitere prägende Persönlichkeit im Bereich der Architektur: Köbi Gantenbein. Der Herausgeber der Architektur- und Designzeitschrift Hochparterre beschreibt sich folgendermassen: „Die Wasserbiografie. Jahrelang war mir das Buch «Wilde Wasser - starke Mauern» das liebste; bald begeisterte mich das Können der Ingenieure und Baumeister, doch ich studierte auch den Zusammenhang zwischen Wasser, Brücken und Umweltzerstörung. Und schliesslich lief ich allen grossen Flüssen Graubündens von der Quelle bis zur Kantonsgrenze nach.“Seit 1988 „baut“ er heute mit 14 Kolleginnen, fünf Kollegen und einer Lehrtochter an Hochparterre. 2013 erhielt er den Zürcher Journalistenpreis. Seit 2014 ist Köbi Gantenbein Präsident der Bündner Kulturförderungskommission. Und - er war mal Bademeister...

Mittwoch,
25. März

Hotel Aurora
Ardez
20.00 Uhr

„Ardez liegt am Rhein“ mit Ernst Bromeis

Der Grenzschwimmer ist in Ardez aufgewachsen. Am bügl in Tuor hat er sein Velo gewaschen und die selbstgemachten Wasser-Spritzen für den heidnischen Wasserbrauch „San Jon“ mit Brunnenwasser gefüllt. Um schwimmend die Welt zu erkunden musste er den bügl in Ardez verlassen. Mit seinen extremen Schwimm-Projekten unter dem Titel „Das blaue Wunder“ hat Bromeis eine einmalige und unnachahmliche Geschichte geschrieben. Was in den unzähligen Seen Graubündens 2008 begann endete 2014 nach 1200 Rheinkilometern in der Nordsee, im Meer. In seinem Vortrag erzählt er offen von seinen Expeditionen, sinniert über Training, Exposition, Scheitern sowie Glück und spricht über die Vision, als Wasserbotschafter seinen eigenen Weg zu gehen. Bromeis’ Fazit: „Auch der bügl in Tuor ist mit dem Rhein verbunden.“

Donnerstag,
26. März

Chastè da Tarasp
Festsaal
17.00 Uhr
Kollekte

„Alles im Fluss“ mit Irma Wehrli und Jörg Perron

Es wird eine Premiere anlässlich der UNO-Weltwasserwochen in Engiadina Bassa. Ein kulturelles Eintauchen und ein „pas de deux“ hoch oben im Chastè da Tarasp. Der einheimische Konzert-Organist Jörg Perron wagt es, die historische Orgel im Schloss aus dem Winterschlaf zu wecken.  
Die Wassermusik von Georg Friedrich Händel auf dem wilden Inn, das wäre wohl etwas schwierig: die Musiker würden wohl oft aus dem Takt geschüttelt. Aber über dem Inn, im Schloss Tarasp, auf der grossen romantischen Orgel mit ihren vielfältigen klanglichen Möglichkeiten im fürstlichen Saal,  da kommt die festliche Musik „königlich“ zur Geltung.

Die Musik von Händel wiegt sich im Zwischenspiel mit den Worten von Thomas Wolfe im „pas de deux“. Der Schriftsteller Thomas Wolfe (1900-1938), ein Kultautor für Generationen junger Amerikaner, ist tief eingetaucht in den Fluss der Zeit und hat dabei sein blaues Wunder erlebt. Die hochgelobte und mit Preisen ausgezeichnete Übersetzerin Irma Wehrli liest aus dem Roman „Von Zeit und Fluss“ und nimmt Sie mit in den Sog einer überschäumenden Prosa. Der Schnee schmilzt, das Wasser fliesst. Prümavaira es qua.

Donnerstag,
26. März

Bogn Engiadina Scuol
Grosses Wasserbecken
20.00 Uhr
Eintritt CHF 10,-

„Watermark – Ein Film von schrecklicher Schönheit“ 

Der zweite Filmabend ist nach dem Abenteuer- und Historienfilm Kon-Tiki einem anderen Genre gewidmet. 

Ohne Wasser gibt es kein Leben, keine Zivilisation, keine wirtschaftliche Entwicklung. Wasser wird gestaut, um Energie zu gewinnen, es wird umgeleitet, um Wüste in Farmland zu verwandeln und Städte bewohnbar zu machen – meist mit verheerenden Konsequenzen. Der Dokumentarfilm EDWARD BURTYNSKY WATERMARK der mehrfach ausgezeichneten Regisseurin Jennifer Baichwal und dem international bekannten Fotografen Edward Burtynsky lädt auf eine beeindruckende Reise zu verschiedenen Orten auf der Welt ein, die der menschliche Eingriff in den Wasserkreislauf tiefgreifend verändert hat.

EDWARD BURTYNSKY WATERMARK erzählt in 20 Geschichten, gefilmt in 10 Ländern rund um den Globus, von der Lebensnotwendigkeit und der Schönheit des Elements Wasser. In teils aus der Luft aufgenommenen Bildern schlägt EDWARD BURTYNSKY WATERMARK einen eindrucksvollen Bogen vom grössten Staudamm der Welt im chinesischen Xiluodu über das ausgetrocknete Flussdelta des einst mächtigen Colorado und den U. S. Open of Surfing in Huntington Beach bis hin zum bewegenden Kumbh Mela Fest in Allahabad (Indien), wo sich 30 Millionen gläubige Hindus bei einem gleichzeitigen rituellen Bad im Ganges reinwaschen.

«Ein Film von schrecklicher Schönheit.»
3sat Kulturzeit

«Hinreissend schöner Film mit Bildern, die man so noch niemals gesehen hat.» Radio1

Freitag,
27. März

Amt für Migration
Graubünden

„Flüchtlingsproblematik Wasserwege“ mit Christian Rathgeb u. Anja Klug

Vor der Abend-Veranstaltung in Scuol kommt es in Chur zu einem Treffen zwischen Bündner Regierungsrat Christian Rathgeb und Anja Klug vom UNHCR. Christian Rathgeb ist Vorsteher des Departements fürs Justiz, Sicherheit und Gesundheit und Verantwortlich für das Amt für Migration. Am Erfahrungs-Austausch zwischen der „Basis“ und dem UNHCR (Hoher Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen) werden auch Marcel Suter (Amtsleiter Amt für Migration und Zivilrecht) und Georg Carl (Abteilungsleiter Asyl und Vollzug, Amt für Migration und Zivilrecht) teilnehmen. 

Das Gespräch ist nicht öffentlich. 

Freitag, 27. März

Bogn Engiadina
Scuol
Sala culturala
20.00 Uhr

„Lampedusa – eine zivilisatorische Odysee“ mit Anja Klug UNHCR

Die Geschichte des Unterengadins mit seinen Menschen ist eine Migrations-Geschichte. Engadinerinnen und Engadiner wanderten aus, suchten Ihr Glück im Süden bis Sizilien oder gingen in den Osten bis nach Moskau. Menschen kamen aus allen Europäischen Himmelsrichtungen um im Engadin ihre Existenz aufzubauen. Sie alle waren Wirtschaftsflüchtlinge. 

Was die Menschen damals mit den heutigen Flüchtlingen verbindet, ist die Not wegziehen zu müssen, obwohl die Angst vor dem Unbekannten und die Trauer vor dem Verlust, auch der eigenen Identität, für uns wohl unvorstellbar ist. 

Im Süden Europas nutzen tausende von Flüchtlingen in ihrer Verzweiflung die Wasserverbindungen im Mittelmeer um ihr Glück auf dem Europäischen Festland zu finden. 

Die UNO-Weltwasserwochen haben die Ambition auch aktuelles Welt-Geschehen aufzugreifen und in einem lokalen Kontext zu stellen. Die Veranstaltung „Lampedusa – eine zivilisatorische Odysee“ soll diesem Anspruch gerecht werden. 

Im Anschluss wird traditionellerweise Tourismusdirektor Urs Wohler die 3. UNO-Weltwasserwoche 2015 mit einigen persönlichen Gedanken abschliessen. 

Rückblick: Vom Tropfen auf den heissen Stein

Zum zweiten Mal stand das Unterengadin eine ganze Woche im Zeichen des Wassers. Von Sonntag, 16. März bis Samstag, 22. März 2014 wurde das Wasser anlässlich der 2. UNO-Weltwasserwoche auch aus der Sicht der Eigen-Verantwortung beleuchtet. 

Schlussbilanz 2. UNO-Weltwasserwoche 2014 (PDF)

Gibt es in einer globalisierten Welt eine individuelle Verantwortung?

Im Jahre 2013 wagten die Organisatoren mit der Programmgestaltung einen Bogen zwischen der einheimischen Wasserkultur und den globalen Wasseraspekten zu schlagen.
Dieser Grundgedanke der UNO-Weltwasserwoche wurde auch dieses Jahr fortgesetzt. Die zentrale Frage war in diesem Frühling: Gibt es in einer globalisierten Welt eine individuelle Verantwortung?
Unsere Welt ist globalisiert. Dies ist eine Tatsache und kaum jemand in der Wirtschaft, in der Politik, in der Kultur, im Sport oder in der Umwelt wird dies verneinen. Was uns Menschen verbindet ist nicht nur unsere Abhängigkeit vom Wasser sondern auch die Abhängigkeit von übergeordneten Entscheidungen, welche unser aller Leben betreffen und die Ströme auf dieser Welt lenken.
Wo bleibt aber die Verantwortung des Individuums? Kann ich als einzelner Mensch mitgestalten oder bin ich nur ein Tropfen auf einem heissen Stein? Oder muss ich sogar selber Verantwortung übernehmen und darf die Entscheidungsprozesse nicht einfach „nach oben“ delegieren?
Ernst Bromeis-Camichel,
Organisator UNO-Weltwasserwoche und Wasserbotschafter

Vortrag Jean Ziegler

Helvetas

Helvetas ist eine der erfahrensten und grössten Entwicklungsorganisationen der Schweiz. Als politisch und konfessionell unabhängiger Verein wird Helvetas von rund 100’000 Mitgliedern und Gönnern sowie 12 ehrenamtlich tätigen Regionalgruppen getragen. Der Schwerpunkt der Tätigkeit von Helvetas liegt in der Projektarbeit im Ausland. In Afrika, Asien, Südamerika und Osteuropa setzt sich Helvetas dafür ein, dass sich die Lebensbedingungen benachteiligter Menschen in ländlichen Regionen verbessern. Die Projekte konzentrieren sich auf die Bereiche Wasser und Infrastruktur (Wasser- und Sanitärversorgung, Brücken und Wege), Landwirtschaft und Markt (Ernährung, Biolandbau und Fairer Handel),Umwelt und Klima (Boden, Wald und Wasser), Bildung (Alphabetisierung und Berufsbildung) sowie Demokratie und Frieden (Menschenrechte und Kultur).

Wir wollen dem Süden eine Stimme geben. Erfolgreiche Entwicklungsarbeit erfordert nicht nur Aktivitäten im Süden, sondern auch Veränderungen im Norden. Als Verein mit breiter Mitgliederbasis engagiert sich Helvetas daher auch im Inland. Mit Informations- und Sensibilisierungsarbeit sowie über die Tätigkeit des FairShops will Helvetas die Schweizer Bevölkerung auf die Lebenssituation und Anliegen der Menschen in Entwicklungsländern aufmerksam machen und sie anregen, das Engagement zugunsten benachteiligter Gemeinschaften im Süden mitzutragen und auf die Entwicklungspolitik der Schweiz einzuwirken.

Mit einem Film wie Congo River – Beyond Darkness wollen wir auch für uns Schweizer und Schweizerinnen fremde Lebensräume ins Zentrum rücken und die reiche afrikanische Kultur aus Entwicklungsregionen zeigen. Im Fall von Congo River ist der Vergleich mit dem Lebensraum rund um den Inn sehr interssant – wie unterschiedlich die beiden Welten entlang dieser unterschiedlichen Flüsse doch sind! Helvetas ist sehr gerne bei dieser UNO-Weltwasserwoche im Engadin dabei. Wasser ist eines unserer zentralen Anliegen.

Die Weltwasserwoche 2015 in Bildern

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flickr-Album Weltwasserwoche 2015

Broschüre zum online blättern

Gastreferent: Moritz Leuenberger

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Alt Bundesrat Moritz Leuenberger

Moritz Leuenberger ist einer der bekanntesten Politiker der Schweiz. Von 1995-2010 gehörte er dem Bundesrat an und war zweimal Bundespräsident. Als Vorsteher des Eidg. Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation UVEK begegnete er dem Wachstum der Mobilität mit einer nachhaltigen Verkehrspolitik und dem zunehmenden Energieverbrauch mit dem Energiegesetz und einer CO2 Abgabe.  

Während seiner Zeit als Nationalrat war er u.a. Präsident der PUK, welche zur Aufdeckung des Fichenskandals führte. In dieser Zeit gehörte er auch als Justizdirektor der Zürcher Regierung an. Er war der erste Schweizer Cicero-Preisträger für die beste politische Rede im deutschsprachigen Raum.

Rede vom 21. März 2015 in Scuol (PDF)

Persönlicher Kontakt

Ernst Bromeis, ernst.bromeis@dasblauewunder.ch
Urs Wohler, u.wohler@engadin.com 

Wasser als Zentrum unserer "DNA"

Urs Wohler 0212  1

Von Urs Wohler, Tourismusdirektor Engadin Scuol Samnaun Val Müstair

Seit 1369 dreht sich im Unterengadin alles rund um das Mineralwasser. Seine touristische Entwicklung verdankt die Region hauptsächlich dem Phänomen, dass in und um Ftan, Tarasp, Scuol und Sent über 20 hochmineralisierte Quellen zu Tage treten. Die verschiedenen hochmineralisierten Wässer fliessen pausenlos und gratis an mehreren Dorfbrunnen in Scuol und können auch im Engadin Bad Scuol und in Trinkhäusern degustiert werden.

Wahrscheinlich hatten sich die Einwohner von Scuol, Tarasp, und Umgebung schlicht an das Mineralwasser gewöhnt: Die zahlreichen Quellen sind es, die vor rund 150 Jahren zur Entstehung grosser Kurhäuser, der Trinkhalle, den ersten Bäderhäusern und Grand-Hotels geführt haben und bereits um 1900 fein betuchte Kurgäste aus aller Welt ins Unterengadin lockten. Man traf sich zum Kuren in der Trinkhalle am Inn, trank unter ärztlicher Aufsicht gemeinsam das richtige Mineralwasser und verbrachte feierliche Tage in den Bergen. Die Spazierwege von der Trinkhalle zurück ins Dorf waren damals noch von Toilettenhäuschen gesäumt, weil das eine oder andere Wasser seinen Geniesser auf dem Heimweg plötzlich mit seiner starken Wirkung konfrontierte. Heute zieren nur noch einzelne Toilettenhäuschen den Weg und die Trinkhäuser sind nicht mehr so rege besucht wie zuvor. Denn der Tourismus löste sich vorübergehend vom Schwerpunktthema „Mineralwasser“, mit dem aufkommenden Berg- und Wintersport gewann die Bergwelt und die intakte Natur und Kultur rund um die Engadiner Dörfer und den Nationalpark an Bedeutung. Dennoch führten die Quellen wie schon bei ihrer ersten Erwähnung 1369 und lange davor, weiterhin pausenlos hochmineralisiertes Wasser und spiesen weiterhin zahlreiche Trinkhäuschen und Brunnen in der Region. Wohl wegen dieser Selbstverständlichkeit vernachlässigte man das Thema und vergass, mit welch kostbarem Bodenschatz man hier lebte. Im Jahre 1993 sorgte der Bau des Bogn Engiadina Scuol dann für den nötigen Aufschwung. Dort, wo das alte Bäderhaus mit seinen Badekabinen und Holzwannen in den achtziger Jahren vor sich hin vegetierte, floriert heute der Wellness- und Gesundheitstourismus wieder und sorgt für eine ausgeglichene Ganzjahresauslastung. Dank der grossen Erneuerung des Bogn Engiadina Scuol im Jahr des Wassers sowie dem verstärkten öffentlichen Interesse besinnt sich die Lokalbevölkerung jetzt wieder mehr auf seinen einzigartigen Reichtum. Der UNO-Weltwassertag vom 22. März machte diesen Schwung deutlich: Zahlreiche Wasserprojekte vom Kaltwassergeysir und dem Mineralwasserweg über die Stiftungsgründung zur Rettung der altehrwürdigen Trinkhalle bis hin zum persönlichen Engagement des Wasserbotschafters Ernst Bromeis für seine Heimat beweisen, dass eine Region, die kostenloses Mineralwasser hat und die Toiletten mit reinem Bergquellwasser spült, aufbricht, um ihr Thema nachhaltig zu besetzen.

Als Wellnessdestination setzen wir alles dran, das Wasser erlebbar zu machen. Das Hauptangebot bildet dabei das Engadin Bad Scuol, und zwar seit 1993  und in der Regel an 365 Tagen im Jahr. Erlebbar wird das Thema für Gäste und Einheimische aber auch in Form von Besuchen der einzelnen Wasser-Attraktionen, geführten Exkursionen, Degustationen und Veranstaltungen. Oder im Winter durch Erlebnisse im Schnee; von perfekten Pisten und Loipen bis zu Schneeschuhwanderungen. Möglich machen dies einerseits die touristischen Unternehmungen, lokalen Veranstalter sowie die touristische Angebotsentwicklung der TESSVM. Andererseits braucht es vor allem das Engagement zahlreicher Personen  und Organisationen, die sich wie die PRO AUA MINERALA und die PRO BÜVETTA TARASP für den Erhalt und die Nutzung der Wasserschätze einsetzen.

Wir können hier nicht weg. Wir wollen hier nicht weg! Den Standort aufgeben und wie unabhängig vom Ort produzierende Firmen den kurzfristig Erfolg versprechenden Rahmenbedingungen nachrennen ist für uns keine Alternative. Wir haben die Chance, unsere Ferienregion Engadin Scuol Samnaun Val Müstair ein Wegstück lang aktiv mitzugestalten, um sie dann der nächsten Generation zu überlassen. Wir sind deshalb der Nachhaltigkeit verpflichtet. Was nicht „enkeltauglich“ ist, schadet oder scheitert. Darum tun wir nichts, was nicht der «DNA» unserer Region entspricht. Nur die eigenen Stärken, Werte und Errungenschaften sind die Basis für künftigen Erfolg. Kopiertes bleibt kopiert. Von einer Kopie gibt es immer ein Original, welches qualitativ besser oder billiger ist. Wir sind verantwortlich, für das, was wir tun und auch für das, was wir nicht tun.

Darum besinnen wir uns wieder oder verstärkt auf das Wasser, welches im Zentrum unserer «DNA» steht. Die 1. UNO-Weltwasserwoche 2013 ist ein weiterer Schritt, damit Gäste und Einheimische in unser Erbe und in unsere Tradition noch tiefer eintauchen können. 

Weitere Infos

Das blaue Wunder
www.dasblauewunder.ch 

Verein Pro Büvetta Tarasp
http://pro-büvetta-tarasp.ch 

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