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Die 2. UNO-Weltwasserwoche findet 2014 statt.

Während einer ganzen Woche stand das Unterengadin im Zeichen des Wassers. Von Sonntag, 17. März bis Freitag, 22. März 2013 wurde das Wasser anlässlich der 1. UNO-Weltwasserwoche aus ethischer, kultureller oder weltpolitischer Sicht beleuchtet. Die Organisatoren wollten einen Bogen zwischen der Unterengadiner Wasserkultur und den globalen Wasserherausforderungen schlagen. Als einer der Höhepunkte trat am UNO-Weltwassertag der ehemalige UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, Jean Ziegler, auf. 

Die UNO-Weltwasserwoche 2013 in Bildern

Vortrag Jean Ziegler

Programm-Rückblick Weltwasserwoche 2013

Sonntag,
17. März

Baselgia refuormada Scuol
10.00 Uhr
mit Apéro

Gottesdienst (romanisch/deutsch) zum Thema Wasser und Ethik von Pfarrer Jon Janett. Organist Jörg Perron wird ausgewählte Stücke zum Thema Wasser spielen. 
Anschliessend Apéro auf Plaz beim Brunnen mit offizieller Eröffnung der 1. UNO-Weltwasserwoche 2013. 

Montag,
18. März

Plazzetta Scuol
10.30 Uhr
mit Apéro

Einweihung „myclimate Audio Adventure“. Es handelt sich dabei um eine selbständig erlebbare Audio-Tour (Klimahörpfad) durch Scuol, welcher die Themen Klima, Wasser und Ortsgeschichte verbindet. Der Hörpfad erzählt drei Geschichten für verschiedene Altersgruppen. Eine Geschichte ist für Erwachsene, eine für Jugendliche und eine für Kinder ab 5 Jahren. Die kurzweilige Tour durch Scuol wird so zum interaktiven Erlebnis für die ganze Familie. Die Geschichten werden von der in Scuol aufgewachsenen Schauspielerin Tonia-Maria Zindel erzählt. 

Bogn Engiadina Scuol
«Sala culturala»
20.00 Uhr

„L’aua e sia importanza - Das Wasser und seine Bedeutung“ 
Vom Wasser berührt. Eingebettet in Gedichten und improvisierender Musik am Cello wird uns das Wesen des Wassers näher gebracht. Mit Schauspielerin Anna Maria Vital und Gyula Petendi am Cello.
Veranstaltung organisiert vom Begegnungszentrum Oasa, Scuol. Kollekte.

Dienstag,
19. März

Bogn Engiadina
17.00 Uhr

Lesung mit Wasserbotschafter Ernst Bromeis. Geschichte(n) um „Das blaue Wunder“ für Kleine und Grosse. 

Mittwoch,
20. März

Hotel Belvair
«Lounge»
19.30 Uhr

Generalversammlung der Pro Büvetta Tarasp. Seit einem Jahr ist der Verein für die Rettung der Trinkhalle nun tätig. Die Ideen betreffend der zukünftigen Nutzung der Büvetta dürften auf besonderes Interesse stossen. Die Versammlung ist öffentlich. 

Donnerstag, 21. März

Bogn Engiadina Scuol
«Sala culturala»
20.00 Uhr

„Mincha onda l'aua s'armonda - Mit jeder Welle reinigt sich das Wasser“
Gedanken zum Wasser im sprachlich-kulturellen Alltag. 
Wasser ist lebensnotwendig, also hat das Wasser auch Sprache und Kultur beeinflusst. Wie dies der Fall ist zeigt uns der Kulturwissenschaftler Chasper Pult (Oertlipreisträger 2012), mit Redewendungen, Sprichwörtern oder Ortsnamen. Zum Beispiel wenn der Nichtsnutzige Wasser für die Hühner hackt oder ein Gerücht sich so schnell verbreitet wie das Wasser im Kännel fliesst. Warum wohl gibt es in Disentis sowohl den mürrischen See (Lag brit) wie auch den heiteren (Lag serein)? Und wer kennt nicht die Fora da l'aua in S-charl, aber warum heisst sie so?

Freitag, 
22. März

UNO-Weltwassertag

Hotel Belvédère
19.00 Uhr

Radunanza generala fundaziun Pro aua minerala cun president Marco Müller. 

Hotel Belvédère
«Sala conferenza»
20.00 Uhr

Referat und Gespräch unter vier Augen mit Jean Ziegler. Ziegler war von 2001 bis 2008 Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung bei den Vereinten Nationen UNO. Im Gespräch mit dem Bundeshauskorrespondent Gion-Duri Vincenz (Schweizer Radio und Fernsehen), wird das Thema Wasser und Ernährung im globalen Fokus kritisch beleuchtet. Eintritt ist frei. 

Kontakt

Gäste-Info Engadin Scuol
Staziun Scuol-Tarasp
7550 Scuol
+41 (0)81 861 88 00
http://www.scuol.ch

Jean Ziegler - Portrait

Jean Ziegler 17075

International renommierter Globalisierungskritiker und Menschenrechtsexperte

Der Schweizer Soziologe Jean Ziegler greift die Beutejäger des globalisierten Kapitals scharf an – und ruft zu einer weltweiten Gegenbewegung von unten auf.

Jean Ziegler, geboren 1934 im schweizerischen Thun, war von 2001 bis 2008 UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung. Er lehrte bis zu seiner Emeritierung 2002 Soziologie an der Universität Genf und war ständiger Gastprofessor an der Sorbonne/Paris.

In jungen Jahren pflegte Ziegler Freundschaften zu den wohl bekanntesten linken Intellektuellen seiner Zeit: Der Kontakt zu Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir war ebenso prägend wie sein zweijähriger Afrika-Aufenthalt als UN-Experte nach der Ermordung Patrice Lumumbas ("Ich habe mir geschworen, nie wieder, auch nicht zufällig, auf der Seite der Henker zu stehen."). 1964 lernte er Che Guevara kennen.

Bis 1999 war Jean Ziegler Nationalrat im Schweizer Parlament. Publikationen wie "Die Schweiz wäscht weißer" und "Die Schweiz, das Gold und die Toten" haben erbitterte Kontroversen ausgelöst und ihm internationales Ansehen, in der Schweiz jedoch den Ruf des Nestbeschmutzers eingetragen. 2001 bis 2008 war Ziegler UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung. Heute ist er Mitglied des Beratenden Ausschusses des UN- Menschenrechtsrats. 2007 eröffnete er den G8-Alternativgipfel in Rostock.

Jean Ziegler formuliert Wahrheiten, die oft allzu gern verdrängt werden. Die provokanten Thesen des unbequemen Mahners finden Gehör: Seine Publikationen "Das Imperium der Schande. Der Kampf gegen Armut und Unterdrückung" und "Der Hass aus den Westen" wurden zu Bestsellern. Zuletzt ist von Jean Ziegler das Buch "Wir lassen sie verhungern" erschienen.

Wasser als Zentrum unserer "DNA"

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Von Urs Wohler, Tourismusdirektor Engadin Scuol Samnaun Val Müstair

Seit 1369 dreht sich im Unterengadin alles rund um das Mineralwasser. Seine touristische Entwicklung verdankt die Region hauptsächlich dem Phänomen, dass in und um Ftan, Tarasp, Scuol und Sent über 20 hochmineralisierte Quellen zu Tage treten. Die verschiedenen hochmineralisierten Wässer fliessen pausenlos und gratis an mehreren Dorfbrunnen in Scuol und können auch im Engadin Bad Scuol und in Trinkhäusern degustiert werden.

Wahrscheinlich hatten sich die Einwohner von Scuol, Tarasp, und Umgebung schlicht an das Mineralwasser gewöhnt: Die zahlreichen Quellen sind es, die vor rund 150 Jahren zur Entstehung grosser Kurhäuser, der Trinkhalle, den ersten Bäderhäusern und Grand-Hotels geführt haben und bereits um 1900 fein betuchte Kurgäste aus aller Welt ins Unterengadin lockten. Man traf sich zum Kuren in der Trinkhalle am Inn, trank unter ärztlicher Aufsicht gemeinsam das richtige Mineralwasser und verbrachte feierliche Tage in den Bergen. Die Spazierwege von der Trinkhalle zurück ins Dorf waren damals noch von Toilettenhäuschen gesäumt, weil das eine oder andere Wasser seinen Geniesser auf dem Heimweg plötzlich mit seiner starken Wirkung konfrontierte. Heute zieren nur noch einzelne Toilettenhäuschen den Weg und die Trinkhäuser sind nicht mehr so rege besucht wie zuvor. Denn der Tourismus löste sich vorübergehend vom Schwerpunktthema „Mineralwasser“, mit dem aufkommenden Berg- und Wintersport gewann die Bergwelt und die intakte Natur und Kultur rund um die Engadiner Dörfer und den Nationalpark an Bedeutung. Dennoch führten die Quellen wie schon bei ihrer ersten Erwähnung 1369 und lange davor, weiterhin pausenlos hochmineralisiertes Wasser und spiesen weiterhin zahlreiche Trinkhäuschen und Brunnen in der Region. Wohl wegen dieser Selbstverständlichkeit vernachlässigte man das Thema und vergass, mit welch kostbarem Bodenschatz man hier lebte. Im Jahre 1993 sorgte der Bau des Bogn Engiadina Scuol dann für den nötigen Aufschwung. Dort, wo das alte Bäderhaus mit seinen Badekabinen und Holzwannen in den achtziger Jahren vor sich hin vegetierte, floriert heute der Wellness- und Gesundheitstourismus wieder und sorgt für eine ausgeglichene Ganzjahresauslastung. Dank der grossen Erneuerung des Bogn Engiadina Scuol im Jahr des Wassers sowie dem verstärkten öffentlichen Interesse besinnt sich die Lokalbevölkerung jetzt wieder mehr auf seinen einzigartigen Reichtum. Der UNO-Weltwassertag vom 22. März machte diesen Schwung deutlich: Zahlreiche Wasserprojekte vom Kaltwassergeysir und dem Mineralwasserweg über die Stiftungsgründung zur Rettung der altehrwürdigen Trinkhalle bis hin zum persönlichen Engagement des Wasserbotschafters Ernst Bromeis für seine Heimat beweisen, dass eine Region, die kostenloses Mineralwasser hat und die Toiletten mit reinem Bergquellwasser spült, aufbricht, um ihr Thema nachhaltig zu besetzen.

Als Wellnessdestination setzen wir alles dran, das Wasser erlebbar zu machen. Das Hauptangebot bildet dabei das Engadin Bad Scuol, und zwar seit 1993  und in der Regel an 365 Tagen im Jahr. Erlebbar wird das Thema für Gäste und Einheimische aber auch in Form von Besuchen der einzelnen Wasser-Attraktionen, geführten Exkursionen, Degustationen und Veranstaltungen. Oder im Winter durch Erlebnisse im Schnee; von perfekten Pisten und Loipen bis zu Schneeschuhwanderungen. Möglich machen dies einerseits die touristischen Unternehmungen, lokalen Veranstalter sowie die touristische Angebotsentwicklung der TESSVM. Andererseits braucht es vor allem das Engagement zahlreicher Personen  und Organisationen, die sich wie die PRO AUA MINERALA und die PRO BÜVETTA TARASP für den Erhalt und die Nutzung der Wasserschätze einsetzen.

Wir können hier nicht weg. Wir wollen hier nicht weg! Den Standort aufgeben und wie unabhängig vom Ort produzierende Firmen den kurzfristig Erfolg versprechenden Rahmenbedingungen nachrennen ist für uns keine Alternative. Wir haben die Chance, unsere Ferienregion Engadin Scuol Samnaun Val Müstair ein Wegstück lang aktiv mitzugestalten, um sie dann der nächsten Generation zu überlassen. Wir sind deshalb der Nachhaltigkeit verpflichtet. Was nicht „enkeltauglich“ ist, schadet oder scheitert. Darum tun wir nichts, was nicht der «DNA» unserer Region entspricht. Nur die eigenen Stärken, Werte und Errungenschaften sind die Basis für künftigen Erfolg. Kopiertes bleibt kopiert. Von einer Kopie gibt es immer ein Original, welches qualitativ besser oder billiger ist. Wir sind verantwortlich, für das, was wir tun und auch für das, was wir nicht tun.

Darum besinnen wir uns wieder oder verstärkt auf das Wasser, welches im Zentrum unserer «DNA» steht. Die 1. UNO-Weltwasserwoche 2013 ist ein weiterer Schritt, damit Gäste und Einheimische in unser Erbe und in unsere Tradition noch tiefer eintauchen können. 

Alle Bilder der Weltwasserwoche auf flickr

Weitere Infos

Das blaue Wunder
www.dasblauewunder.ch 

Verein Pro Büvetta Tarasp
http://pro-büvetta-tarasp.ch 

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