Archäologie

Ausgrabung des  Huettengrundrisses  im Fimbertal  c C.Walser

Die archäologische Untersuchung der Silvretta Region gibt Einblicke in die Geschichte eines bisher unerforschten Gebietes zwischen dem Unterengadin, Paznaun und dem Montafon. Durch verschiedene Methodik wurde ein allumfassender Einblick in die Region erlangt, auf dessen Grundlage die Forscher dann Gebiete bestimmen konnten, die sich für eine nähere Untersuchung eigneten. 

Der älteste Fundort ist im hinteren Val Urschai entdeckt worden. Dort wurde ein Lagerplatz mittelsteinzeitlicher Jäger (9. Jahrtausend v. Chr.) entdeckt. Unweit davon wurde ein eisenzeitlicher Viehpferch gefunden, den prähistorische Hirten nutzten. 

Weiterhin wurde bewiesen, dass der ermordete Ötztaler Eismann in der Zeit nicht alleine die Region erwanderte und bejagte. Zwar wird nicht klar, warum sich Menschen unweit der Jamtalhütte aufhielten, doch es ist bewiesen, dass sie es taten. Letztlich wurde in der Nähe der Heideberger Hütte im hinteren Fimbertal ein prähistorischer Vorläufer der Alphütten entdeckt, die wohl dauerhaft von Landwirten aus Ramosch oder Sent bewohnt wurde. 

Die bisherigen Funde zeigen eine einzigartige Geschichte auf. Noch ausstehende Ergebnisse aus verschiedenen Tests sollen diese Funde präzisieren und exakten Aufschluss über Zusammenhänge, unter anderem über Einflüsse vom Klima, geben. 

Weitere Informationen

Die Region zwischen dem Unterengadin, Paznaun und dem Montafon soll, obwohl bis zu dieser Stelle weitgehend unerforscht, Aufschluss über die frühe menschliche Nutzung der Hochweideflächen ab 2000 m über einen Zeitraum der letzten 12 000 Jahre geben. Die Forschungsidee geht weit zurück, als vor drei Jahrzehnten L. Stauffer-Isenring, während ihrer Bearbeitung der bronze- und steinzeitlichen Fundstellen, auf die Wichtigkeit der prähistorischen Alpwirtschaft hinwies. 

Um sich einen möglichst vollkommenen Überblick über das Forschungsgebiet zu verschaffen, ist mit einer Begehung des grossräumigen Gebietes begonnen worden. Während 20 Sommerwochen erlangte man eine gute Kenntnis der Landschaft und Topographie des Geländes auf beiden Landesseiten. Um einen allumfänglichen Überblick zu erwirken, wurden ebenfalls topografische Karten, Luftbilder, Flurnamenkarten und auch lokal ansässige Leute, so genannte Zeitzeugen, zu Rate gezogen, um so noch weitere potentielle Fundstellen lokalisieren zu können. Zur Dokumentation von Fundstellen wurde Digitalfotografie und auch Zeichnungen genutzt, ausserdem kam es zu einer Schweizweiten ersten Nutzung von ferngesteuerten Drohnen. 

Erste zeitliche Bestimmungen wurden mittels 14C-Datierungen vorgenommen – dabei wird Holzkohle aus Feuerstellen untersucht. Da dieses Verfahren jedoch nicht immer Aufschluss geben kann, weil unter Umständen auch Alt-/Totholz, Torf oder Knochen als Brennmaterial genutzt wurden, wurde die Anwesenheit von Keramik als wichtiges Zeichen genommen. 

Einen bedeutenden Fund stellt der älteste Nachweis menschlicher Präsenz in der Silvretta dar: ein Lagerplatz mittelsteinzeitlicher Jäger, der in die zweite Hälfte des 9. Jahrtausends vor Christus datiert und im hinteren Val Urschai entdeckt wurde. Durch die Datierung kann geschlussfolgert werden, dass von einem Sommercamp frühmesolithischer Jagdgruppen auszugehen ist, die hier vor knapp 10 500 Jahren das Gebiet durchstreifte. Doch das Gebiet von „Plan da Mattun“ wurde wiederholt besucht, Neuankömmlinge hinterliessen ab dem 6. Jahrhundert v.Chr. ihre Spuren in Form von Feuerstellen, Speiseabfällen und Waffen. 

Unweit der Jamtalhütte können kupferzeitliche Feuerstellen exakt in die Lebens- und Sterbezeit des ermordeten Ötztaler Eismannes datiert werden. Dies zeigt, dass eine menschliche Präsenz nicht zufällig zu finden war, nicht jedoch, was die Motive für das Aufsuchen der Region sind. Die Frage blieb leider ungeklärt, doch kann man bestätigen, dass es sich um längere Aufenthalte in der noch heute als Weidegebiet bekannten Region handelte. 

Eine weitere spannende, geographisch naheliegende, Fundstelle ist ein eisenzeitlicher Viehpferch im Val Tasna, Plan d’Agl. Dieser wurde wohl von den prähistorischen Hirten genutzt, um ihr Kleinvieh über Nacht, zum Melken, Abkoten oder bei Schneeflucht einsperren zu können. 

Im gleichen Jahr (2007) wurde in unmittelbarer Nähe zur Heidelberger Hütte im hinteren Fimbertal ein prähistorischer Vorläufer der Alphütte ausgegraben. Dieser Fund liefert erstmals einen direkten, baulichen Nachweis für die alpwirtschaftliche Nutzung des Gebietes während des 1. Jahrhunderts v.Chr. Fragmente prähistorischer Keramik beweisen, dass diese Hütte wohl von Landwirten aus Ramosch oder Sent im Sommer als fester Wohn- und Wirtschaftsplatz genutzt wurde. 

Die bisher gewonnenen archäologischen Forschungsergebnisse bieten nicht nur Aufschluss über die damalige Nutzung der Region, sondern die Methodik kann auch Vorbild für weitere Studien ähnlicher Art sein. Weitere Ergebnisse werden erwartet, da zum Beispiel die Synchronisation der archäologischen und vegetations- und klimageschichtlichen Daten noch aussteht. 

Quelle: Dr. Thomas Reitmaier (2012)

Persönlicher Kontakt

Urs Wohler
Direktor
Tel. +41-81-861 88 02
u.wohler@engadin.com 

interreg
Interreg

Auf einen Blick

Hier finden Sie neue Informationen auf einen Blick.

  • Wanderleiter-Schulung August 2013: Zusammen mit Dr. Thomas Reitmaier und Dr. Benno Furrer haben die Wander- und Bergführer der Region Engadin Scuol Samnaun Val Müstair eine Informationsveranstaltung besucht.
  • Neue Publikation: Silvretta Historica - Zeitreise durch die Silvretta (2013)
  • Mehr Informationen zum Ferienort Ftan, besonders im Bezug auf Archäologie und Geschichte, finden Sie in der Ortsbroschüre Ftan
  • Alle wichtigen Ergebnisse finden Sie hier in der Zusammenfassung (PDF) von Thomas Kaiser