100 Tage Blog - blog da 100 dis

von - da Urs Wohler

Zum Abschluss: Podiumsgespräch 25 Jahre Tourismusdirektoren Scuol

Rückblick auf den 21. Januar 2017

>>> Programmflyer

Berichterstattung:

Inhaltsübersicht über den ganzen Blog

Auf den Niesen!

Schlüsselwörter: Bergbahn, Gastronomie, Berghaus, Kultur, Sport, Kunst
Tag 0, 1. Januar 2017

Das war mein Blog der letzten 100 Tage. Damit geht meine Arbeitszeit für die Ferienregion Scuol Samnaun Val Müstair nach 4‘184 Tagen offiziell zu Ende. Das waren 11 ½ Jahre oder rund 700 Wochen. Ich werde der Region verbunden bleiben. Jetzt in der Übergangszeit, bis im Mai 2017 die neue Direktorin ihre Arbeit aufnehmen wird und Niculin Meyer als interimistischer Direktor die Unternehmung führt. Aber auch sonst, als Privatperson, Familienvater, Bergliebhaber, Freund der Region, interessierter Touristiker und nun Aussenstehender. Ich wünsche der Region alles Gute. Über die Chancen und Potenziale habe ich ausführlich geschrieben. Neue Konstellationen eröffnen neue Chancen. –

Mein neuer Arbeitsort ist der Niesen, ein bekannter Aussichtsberg im Berner Oberland und Wahrzeichen der Thunersee-Region. In zwei Sektionen führt die längste Standseilbahn der Welt von Mülenen, 693 m ü. M., auf 2‘336 m hinauf. Nebst der Bahn ist das Restaurant mit dem Berghaus auf dem Gipfel das Aushängeschild. Der Niesen ist ein Kulturberg mit einem abwechslungsreichen Kulturprogramm. Auch ein Sportlerberg für Trainings aller Art; der alljährliche Niesen Treppen-Lauf über die 11‘674 Stufen zum Gipfel ist Kult. Er ist ein Berg für Gleitschirmflieger, ein Berg für Feste, Feiern, Anlässe. Aber auch ein Berg, der zahlreiche Künstler inspiriert hat. Das Alpine Museum in Bern widmete dem Berg zum 100 Jahr-Jubiläum der Niesenbahn im Jahr 2010 eine Ausstellung.

Die Niesenbahn ist aber auch eines der touristischen Aushängeschilder im Berner Oberland und hat eine sehr erfolgreiche Phase der Entwicklung hinter sich. Im Rekordsommer 2016 besuchten über 200‘000 Besucher den Gipfel. Die Bereiche Bahn und Gastronomie machen je rund 2,8 Millionen Franken Umsatz. Die Niesenbahn ist ein wichtiger regionaler Arbeitgeber mit vielseitigen Arbeitsplätzen für ein engagiertes Team. Für die Zukunft gibt es interessante Entwicklungsprojekte und –perspektiven.

Der Niesen ist mit der Bahn perfekt erreichbar: Von Scuol via Zürich und Bern direkt an die Talstation dauert die Fahrt rund 4 Stunden und 38 Minuten; die Fahrt auf den Gipfel dann nochmals eine halbe Stunde. Aber nur im Sommer, die kommenden Saison dauert vom 14. April bis am 12. November 2017!

A revair und auf Wiedersehen. Hier oder dort.
Urs Wohler

Sie kommt. Schon bald!

Schlüsselwörter: Willkommen, cordialmaing bainvgnü, viel Erfolg!
Tag 1, 31. Dezember 2016

Silvester, mein letzter offizieller Arbeitstag, erster Tag der Tour de Ski im Val Müstair, ein Prachtstag! Und ein würdiger Tag, um den Blog Nr. 1 meiner Nachfolgerin zu widmen. Martina Stadler, Gymnasium, Touristikkauffrau, Bachelor of Science, kommunikativ deutsch, englisch, französisch, italienisch, spanisch und bald romanisch unterwegs, aktuell Geschäftsführerin der URI Tourismus AG, im 2016 nominiert für einen Nachwuchs-Milestone. Sie startet am 1. Mai 2017. Bis dann stellt Niculin Meyer als Direktor a. i. den Übergang sicher; ich stehe meinem Team bis im Mai an noch rund zwei Tagen pro Monat zur Verfügung.

Die Medien haben ausführlich über die neue Direktorin berichtet:

  • Hotelrevue htr, Freitag, 18.11.2016, siehe Internet
  • Suedostschweiz.ch, Freitag, 18.11.2016, siehe Internet
  • Radio SRF1, Regionaljournal, Freitag, 18.11.2016, siehe Internet
  • Bündner Tagblatt, Samstag, 19. November 2016, siehe PDF
  • Die Südostschweiz, Samstag, 19. November 2016, siehe PDF
  • La Quotidiana, 21. November 2016, siehe PDF
  • Engadiner Post, Dienstag, 22. November 2016, siehe PDF
  • Engadiner Post, Donnerstag, 24. November 2016, siehe PDF

Ich wünsche Martina viel Vorfreude und dann einen fulminanten Start! Zum neuen Jahr, aber auch für die neue Aufgabe!

Das war's. Schon fast.

Schlüsselwörter: Zum Abschied, Rückblick, Bilanz, Ausblick, Wünsche
Tag 2, 30. Dezember 2016

Von Rolf Zollinger habe ich vor vielen Jahren ein Buch geschenkt erhalten: „Auch Kurdirektor ist ein Beruf“. Darin schreibt Paul Valentin, die im Blog 4 erwähnte Legende aus Gstaad zum Thema Abschied: „Wir kommen und verlieren, wir gehen und gewinnen – seit jeher ist das so. Also wird immer ein neuer Anfang sein, das ist gewiss. Und jedes Ende ist zugleich der Anfang zum Bessermachen."

Was die Medien zu meinem Abschluss berichtet haben, hier ein Auszug:

  • Bündner Tagblatt, Norbert Waser, 5. Dezember 2016, Front, siehe PDF
  • Bündner Tagblatt, Norbert Waser, 5. Dezember 2016, Seite 5, siehe PDF
  • Allegra Nr. 1, Silvia Cantieni, 9. Dezember 2016 bis 6. Januar 2017, siehe PDF
  • Die Südostschweiz, Fadrina Hofmann, 19. Dezember 2017, siehe PDF
  • Engadiner Post, Nicolo Bass, 27. Dezember 2017, siehe PDF
  • La Quotidiana, Annatina Filli, 29. Dezember 2017, siehe PDF
  • Radio Südostschweiz, Nadja Simmen, siehe Internet 
  • Radio SRF 1, Marc Melcher, 22. November 2016, siehe Internet

Danke allen Journalisten für die langjährige, wertschätzende, konstruktive und glaubwürdige Zusammenarbeit. Medienarbeit „gegen innen“ ist für die Weiterentwicklung einer Destination und für das Selbstverständnis der einheimischen Bevölkerung sehr wichtig. Entsprechend wertvoll ist es, über eine ausgewogen, differenziert, interessant und relevant berichtende und kommentierende schreibende Zunft zu Verfügung.

Ein Tourismusdirektor macht noch keinen Erfolg (3/3)

Schlüsselwörter: Team, öffentlicher Druck, Gesamtleistung, Resultate
Tag 3, 29. Dezember 2016

Frei nach der Erkenntnis aus Äsop’s Fabel „eine Schwalbe macht noch keinen Sommer“ ist es im Tourismus so, dass ein Tourismusdirektor alleine noch keinen Erfolg macht. Dazu braucht es schon mehr. Primär ein Team an Mitarbeitenden, welches gemeinsam überdurchschnittlich viel leistet. Denn wer im Dienst der Öffentlichkeit und einer ganzen Region arbeitet, mit immer neuen und vielen und zeitlich nicht steuerbaren Erwartungen und Wünschen umgeht, den immer volatileren Märkten ausgesetzt ist, nur beeinflussen kann, was man selber macht, kann nicht nur das machen, was man selber machen muss, um die gesteckten Ziele zu erreichen, sondern muss auch noch all das verarbeiten, was ungefragt und in der Menge nicht beeinflussbar dazu kommt. - Und das ist viel.

Ich hatte das Privileg, während den letzten 11 ½ Jahren mit 95 ausgezeichneten und engagierten Mitarbeitenden zusammenarbeiten zu dürfen. Ihnen gehört heute mein Dank:

Duri à Porta
, Bernhard Aeschbacher, Annelise Albertin, Claudia Alini, Olivia Badraun, Nicole Behnke-Feyen, Cilgia Benderer, Eliane Bissig, Regula Bollier, Angela Brunies, Enrica Cadonau-Freund, Nadja Camenzind, Silvia Cantieni, Tiziana Caratsch, Vreni Conradin, Ladina Clavadetscher, Claudio Daguati, Marina Derungs, Marina Da Silva, Elisabeth De Stefani, Sandra Dias, Kathrin Ehrensperger, Hans-Peter Engelhart, Marcus Esser, Tanja Fanzun, Claudia Fleischhacker, Beat Gamper, Christian Gloor, Stephan Gmür, Adilson Gomes, Florian Graf, Alexandra Grond, Beatrice Grond, Deborah Gröble, Simona Gujan, Sandra Blichfeld-Guscherowski, Corinne Janutin-Crameri, Martina Hänzi, Irene Hochstrasser, Patrizia Hofstetter, Lisa Honegger, Lucia Janett, René Jenal, Giana Josty, Andrea Jung, Milena Horber, Andreas Kalberer, Philipp Kemmler, Michael Kirchner, Kurt Kirschner, Amira Kleinlercher, Natalie Knechtle, Dani Koller, Andri König, Peter Langenegger, Michael Leibacher, Georg Luzzi, Mina Mader, Bernhard Marsden, Niculin Meyer, Annina Mutzner-Schlegel, Alexandra Neuhäusler, Corinna Pagani, Madeleine Papst, Sonja Pazeller, Jürgen Pfister, Braida Pinggera, Valeria Plouda, Marcia Ramos, Arina Riatsch, Tina-Maria Ritz, Michaela Rossi, Lucia Ruinatscha, Martina Rüegg, Sandy Scheidegger, Josef Schmid, Yvonne Schuler, Sandra Schweizer, Nino Soldano, Nina Stöcklin, Martin Stricker, Tinetta Strimer, Anne-Laure Stuppan, Dominik Täuber, Stephanie Ulayayi, Martina Vital-Frei, Pascal Vögtlin, Alina Völkening, Birte Volkers, Simone Weber, Marianne Werro, Jürg Wirth, Flurina Zala, Roman Ziller, Jeanine Züst.
Rot markiert = Aktuell in meinem Team

Grazcha fich für die tolle Zusammenarbeit! Bleibt auf dem schmalen Pfad des Erfolgs und freut euch über jede Schwalbe und jeden noch so kleinen Erfolg.

Mehr zum Thema:

25 Jahre Tourismusdirektoren Scuol (2/3)

Schlüsselwörter: Kontinuität, Wegstück, Unterschiede, früher und heute
Tag 4, 28. Dezember 2016

In der letzten 25 Jahren gab es in Scuol drei Tourismusdirektoren. Im Vergleich zum legendären Kurdirektor Paul Valentin, welcher in Gstaad von 1956 bis 1982 während 26 Jahren wirkte und zu Kurdirektor Hanspeter Danuser, welcher von 1978 bis 2008 zu St. Moritz selber wurde, ist das viel. Im Vergleich mit durchschnittlichen 6 Jahren, welche an der Hochschule Luzern in einer aktuellen Bachelorarbeit ausgerechnet wurden, ist es wenig. In der Studie steht, dass „fast die Hälfte aller Tourismusdirektoren ihren Job innerhalb von 5 Jahren verlassen“. Und als Gründe und Fazit werden aufgeführt:

  • Das Aufgabenportfolio des Tourismusdirektors ist breit und wenig priorisiert und führt zu einer persönlichen Arbeitsüberlastung.
  • Die persönliche Arbeitsüberlastung führt zu Unzufriedenheit und vielen Jobwechseln bei Tourismusdirektoren.
  • Die Effektivität der Tourismusorganisation und der Erfolg der Destination leiden darunter.

Die Scuoler Tourismusdirektoren des letzten Vierteljahrhunderts waren Roland Huber (1992 – 1999), Martin Nydegger, (1999 – 2005) und meine Wenigkeit, Urs Wohler (2005 – 2016).

Wir haben uns entschieden, zum Abschluss dieser Zeit ein Podiumsgespräch zu organisieren. Da werden wir Rückschau halten aber vor allem auch den Blick öffnen für die Zukunft; aus unseren unterschiedlichen Perspektiven. Als Moderator haben wir Reto Mayer eingeladen. Den einzigen Journalisten (weltweit!), der mit uns allen zusammengearbeitet hat! So wird dies ein sehr aussergewöhnliches Zusammentreffen.

Zum Abschluss werden wir Martina Stadler als neue Direktorin der DMO TESSVM begrüssen und schliesslich gemeinsam anstossen auf das, was war und auf das, was kommt. Der Anlass ist öffentlich, um Anmeldung wird gebeten.

Freitag, 20. Januar 2017, 19.30 Uhr, Kulturraum Bogn Engiadina, Scuol
Anmeldung unter info@engadin.com oder Tel. 081 861 88 00
> Zur Online-Anmeldung

Mehr zum Thema:

  • Auch Kurdirektor ist ein Beruf, von Paul Valentin, 1981, siehe Internet
  • St. Moritz einfach - Erinnerungen ans Champagner-Klima, von Hanspeter Danuser, 2014, siehe Internet
  • Studie HSLU, Bachelorarbeitsprojekt, Folien 30 – 33, siehe PDF

Tourismusdirektor/-in: Das kann Jede/-r! (1/3)

Schlüsselwörter: Gastgeber, vor Ort wird abgerechnet, persönliches Engagement
Tag 5, 27. Dezember 2016

Wir machen eigentlich nichts anderes, als das zu kommunizieren, was es hier gibt. Und dies über alle Kanäle, die uns zur Verfügung stehen: Internet, Broschüren, Print-Werbung, E-Marketing, Promotion, Vertrieb, Events, Medien, Touroperator, Gäste-Information. In der Gäste-Information primär über den persönlichen Kontakt, aber auch mit unserem Informations- und Veranstaltungsmagazin ALLEGRA. Schliesslich auch indirekt: Über unsere acht eigenen sowie über die sieben weiteren Gäste-Informations-Stellen, die wir gemeinsam mit Partnern betreiben.

Aber was sind wir mit unseren rund 35 Mitarbeitenden im Vergleich mit allen Einheimischen, Zweitwohnungsbesitzenden und Mitarbeitenden in den Betrieben unserer Destination? Nur ein kleiner Akteur, nur ein paar engagierte Botschafter und Botschafterinnen, deren Aufgabe – und Passion – es ist, die Destination mit allen ihren Produkten und Leistungen bestmöglichst, möglichst kompetent und möglichst „laut“ zu verkaufen.

Wir sind „Tourismusdirektor/-in“, alle hier irgendwie Ortsansässigen aber auch. Mit ihrer ganzen Kraft! Als Gastgeber in Hotels und Ferienwohnungen, als Geschäftsinhaber und Gewerbetreibende, als sozial Arbeitenden, als Kulturschaffende und Landwirte, Kinder, Jugendliche, Erwachsene. Sie alle sind auch „Tourismusdirektor“, schliesslich leben wir zu 70% vom Tourismusgeschäft. – Sind es wirklich nur 70%? Oder nicht gar 90 oder 95? Was wäre, wenn…?

Was ich meine: Auf den (globalen) Märkten sind wir Händler, da stehen wir im ständigen Wettbewerb mit allen anderen, welche die Kunden und Gäste zu sich holen wollen. Hier vor Ort sind wir exklusiv. Da pfuscht uns niemand ins Geschäft. Hier gibt es nur uns, uns alle. Hier vor Ort entscheidet sich, ob wir gut vom Tourismus leben können oder nicht. Indem wir das leben, wovon wir leben. Indem wir das leisten, was wir in den Ferien auch gerne erleben: Ein freundliches Wort, eine Hilfeleistung, unsere Geschichten erzählen, auf der Strasse Einheimischen wie Gästen den Vortritt lassen (ist ja logisch, in der 30er-Zone), und so weiter. Braucht es dazu Charme-Offensiven und Herzlichkeitskampagnen, wie dies Grüsch-Danusa und Engadin St. Moritz anbieten? Ich weiss es nicht. Ich vertraue auf den gesunden Menschenverstand, auf das Bewusstsein, zu wissen, wovon wir leben. Vor 10 Jahren hatten wir hier das ALLEGRA in Svizra-Pilotprojekt. Vielleicht muss man dort wieder anknüpfen?

Wir bieten unsere Saisonauftakt-Veranstaltungen an, in allen drei Ferienregionen. Damit „alle“ gut gerüstet sind, selber „Tourismusdirektor-/in“ sein zu können. Weil man das Angebot kennt. Weil man über die Neuigkeiten Bescheid weiss. Weil man informieren kann. Weil man weiss, worauf es ankommt. Denn abgerechnet wird hier vor Ort. Und das ist entscheidend für die Mundpropaganda, welche das günstigste Marketing-Instrument ist, denn es kostet nichts, ausser persönlichem Bewusstsein und Engagement.

Mehr zum Thema:

Weihnachtsmärchen, 3. Teil: Paradies in globaler Welt (3/3)

Schlüsselwörter: Stärken stärken, zusammenlegen, abschauen und Schlüsse ziehen
Tag 6, 26. Dezember 2016

Was lief hier anders? Zunächst konzentrierten sich die Macher/-innen kompromisslos darauf, die Stärken zu stärken; auf alle anderen Investitionen wurde der knappen Mittel wegen verzichtet: So wurde das Bogn Engiadina zum Thermalspielbad für Kinder, ein Neubau wurde als Wellness-Oase konzipiert und in Zernez rundet das 50 m-Trainingsbecken das Angebot ab. So kann Sportlern wie auch Familien und Wellnessgästen auf kleinstem Raum ein Angebot geboten werden, wie es sonst niemand in 300 km Umgebung anbietet. Die Skigebiete Samnaun und Scuol wurden so exklusiv weiterentwickelt, dass sie während bis zu 160 Tagen nachhaltigen Skisport erlauben. Wertschöpfungstechnisch sind sie weiterhin zentral wichtig. In den weiteren kulturell attraktiven Feriendörfern gibt es entweder ein Kinderskigelände mit garantiertem Schneeangebot, eine Natureis-Anlage oder – für schneefreie Zeiten – einen wetterunabhängigen Outdoorspielplatz; die Ferienorte konnten sich für ihre Positionierung bewerben. Natürlich steht der Schweizerische Nationalpark für wandern und entdecken, während Mountainbike die weitere Kernkompetenz ist. Nebst vielen Subthemen wie Golf und Orientierungslauf sowie dem national profiliertesten Erlebnisangebot.

Top-Attraktionen gibt es nebst dem Nationalparkzentrum Zernez auch in Tschlin mit dem Parc Biera Engiadinaisa, in Sur En mit dem Center da glatsch natüral, in Guarda mit Schellen-Urslis Chasa Guarda sowie – natürlich – in Tschierv mit dem Center internaziunal da Passlung und in Müstair mit dem Center UNESCO St. Johan mit dem benachbarten Center intercultural da Biosfera. Samnaun ergänzt Tschierv mit der Langlaufinfrastruktur, weil nach dem Um- und Ausbau der Milchpipeline Ende Alpsaison der im Schneedepot auf der Alp Bella konservierte Schnee im Samnauntal zum Bau der Langlaufloipen verwendet und Samnaun so zu einem der nationalen Vorsaison-Langlauf-Trainingskompetenzzentren (VLT) wird, mit garantierter Trainingsgrundlage ab Anfang Oktober. Scuol Gurlaina wurde zum regionalen Kunsteiszentrum, wo modernste Hockey, Curling-, Eisstock-, Eiskunstlauf- und Eisschnelllauf-Trainingsmöglichkeiten bestehen, ergänzt durch eine Freizeitanlage, welche Eisbegeisterte über die Landesgrenzen hinweg für die Region begeistert. In Gurlaina starten und enden seit Jahren auch die Langlaufloipen, nachdem Gurlaina endlich auch zum Langlaufzentrum wurde, welches sich gut mit den Eiswelten kombinieren lässt. Die zentralen Winter- und Sommerkompetenzen sind denn auch Grundlage für die Events und Gruppengeschäfte in nachfrageschwächeren Zeiten. 

Für die Ferienwohnungen gilt heute ein ganz neues Verständnis: Wie in der Hotellerie hilft ein schlaues und mehrheitsfähiges Flächenabgabesystem die Finanzierung der touristischen und öffentlichen Infrastruktur mitfinanzieren. Zweitwohnungsbesitzende, Einheimische oder Auswärtige, bestimmen in den entsprechenden Gremien des „KISSING“ (siehe oben) mit, wie die Gelder eingesetzt werden. Ein ausgeklügeltes System stellt den Positionierung stärkenden und Wert steigernden Mitteleinsatz (PWM) sicher. Verzettelung ist kaum mehr möglich. Zahlreiche Studienreisen und der Know-how-Austausch mit anderen Regionen ermöglicht, ein neues wirtschaftliches und saisonunabhängiges und kommerziell erfolgreiches Standbein aufzubauen.

Die grösste Revolution ist aber vermutlich in der Hotellerie passiert. Lange waren zusätzliche Hotelbetten nur eine Vision; die alteingesessenen Hoteliers sträubten sich dagegen und wollten stattdessen ihre Zimmer gefüllt wissen. Die Einsicht reifte, dass dieses Modell keine Zukunft mehr hatte. So gibt es heute eine Hotel-Entwicklungs-, Management- und Betriebsgesellschaft (HMB), welche für die Hoteliers sämtliche Prozesse organisiert, welche mehr als einmal vorkommen. So können sich die Hoteliers voll auf jene Aufgaben konzentrieren, welche sie von den Mitbewerbern unterscheidet; primär auf das Gastgebersein. Durch die HMB wurden auch (endlich) betriebliche Zusammenschlüsse und grössere Einheiten möglich, welche den Hoteliers alte/neue Marktchancen ermöglichte und eine tragbare Tourismusfinanzierung brachten. Der Innovationsgeist zog schliesslich Investoren an, welche in Tschierv, Scuol und Samnaun neue Hotelbauten ermöglichten. Die Region musste allerdings tief in die Tasche greifen, um die willigen Investoren für sich zu gewinnen. Heute gibt es die kleinen und feinen Hotels, die Pionier-Viersterne-Resorts in Scuol und Samnaun sowie die modernen Lowbudget-Hotel-Konzepte, welche sich auf minimale Leistung bei höchster Qualität beschränken. Gesteuert aus einer kompetenten Hand, aber individuell geführt.

Die Region hat sich weiter einen Namen machen können durch die modernen Trink- und Badekuren, welche im mittlerweile grossen dezentralen Wasserkompetenzzentrum „Quellenparadies Büvetta“ angeboten werden. Endlich konnte an die Blütezeit des letzten Jahrtausends angeknüpft werden. Heute unverständlich, warum dies so lange gedauert hat. Weitere Erfolgsgeschichten schrieb die Gesundheitsregion, welche zentrale Bedürfnisse zwischen Prävention und Reha zu erfüllen vermag, in inspirierender Umgebung. Dabei hat die moderne Ernährung einen sehr hohen Stellenwert erlangt und die Integration von Menschen, welche mobilitätseingeschränkt sind, ist längst eine Selbstverständlichkeit.

So ist die dreidimensionale Nachhaltigkeit zum Wohle der Einheimischen, der Gäste, der Wirtschaft und der Natur heute eine gelebte Selbstverständlichkeit. Dies im Wissen, dass Aufgaben und Herausforderungen auf der immer komplizierter und komplexer werdenden Welt mit immer neuen Krisen und ungelösten Abhängigkeiten und Verknüpfungen nur im Kleinen beeinflusst und gelöst werden können. Aber immer im regionalen und überregionalen Austausch und mit Verständnis und Offenheit für globale Zusammenhänge. Das war früher schon so und gilt heute immer mehr. Die Nationalparkregion hat glücklicherweise rechtzeitig erkannt und aus den grossen Entwicklungen und Zusammenhängen für sich abgeleitet, was dies heisst: Konsequent gemeinsam statt einsam verloren.

Weihnachtsmärchen, 2. Teil: Paradies in globaler Welt (2/3)

Schlüsselwörter: Erfolgsmodell, Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Tourismus
Tag 7, 25. Dezember 2016

Auch in der Ferienregion Scuol Samnaun Val Müstair war man sich nach den rund ersten zehn Betriebsjahren rasch einig, dass nur der gemeinsame Weg in eine gute Zukunft führen würde. Vor noch nicht allzu langer Zeit feierte man gemeinsam das 150 Jahre-Jubiläum des Schweizerischen Nationalparks. Wie beim 100 Jahre-Jubiläum, damals im Jahr 2014, wollten die Parkverantwortlichen wieder ein Freilichtspektakel bieten. Die Kinderdarsteller von damals waren jetzt die erfahrenen Alten. In „CRAPPA VIVA – die sagenhafte Weiterentwicklung des Schweizerischen Nationalparks“ wurde mit viel Action, Humor und Romantik dargestellt, wie aus dem Nationalpark die grösste Biosphäre der Schweiz wurde.

Die Gemeindepräsidenten und regionalen Verantwortlichen der 2020-iger Jahre legten mit den Gemeindefusionen von damals den Grundstein für die grosse Gemeindefusion; die Gemeinden Engiadina Bassa, Val Müstair und Samnaun sind heute Vorbilder für die Entwicklung des ländlichen Raums in der Schweiz. Sie verfügen über ein ganz raffiniertes Konzept in der... 

...Bildung
: Jede Talschaft hat ihre eigene Hauptschule, wo in modern geführten Schulzentren die Unter- und Oberstufen zusammengeführt wurden. Die Spielgruppen und Kindergärten wurden dezentral ausgebaut und das Gymnasium wird als Dezentraler Kompetenz- und Bildungshotspot (DKB) in Ftan geführt. Dabei können in der Planung, Verwaltung, Ausbildung, Sport- und Kulturförderung sowie in Berufswahl/-schule und Erwachsenenbildung maximal Synergien genutzt werden. Trotz kleinerer Schülerzahlen sind die Schulen hochprofessionell und individuell auf die Bedürfnisse der Region zugeschnitten.

Handel- und Gewerbe
profitieren von schlagkräftig organisierten Gewerbezonen; die Unternehmen können auf die Beratung und Unterstützung in Forschung und Entwicklung sowie Betriebswirtschaft und Unternehmensführung zurückgreifen. Weitgehende "shared services" entlasten sie von administrativen, organisatorischen, verwaltungstechnischen und Marketing-Aufgaben. Viele neue Firmen konnten zwar nicht angesiedelt werden. Dank einem mittlerweile etablierten Verständnis und Bedürfnis für einheimische und regionale Produkte und Leistungen sowie einem ausgeklügelten Co-Working-System, welches den Austausch von Know-how mit Firmen in den Zentren erlaubt, gibt es aber genug Angebot und Nachfrage für die innovativen Einheimischen und Teilzeit-Einheimischen. Erwähnenswert ist das Anreizsystem für Jungunternehmer, von welchem diese profitieren können, wenn sie Auflagen des Austauschs mit anderen Firmen erfüllen und sich konsequent darauf konzentrieren, primär aus heimischen Werten und Fähigkeiten Potenziale und Chancen zu nutzen.

Die einheimische Bevölkerung
verfügt dank mia Engiadina seit Jahrzehnten über die landesweit modernste Kommunikations- und Dialog-Infrastruktur. Diese wurde ergänzt durch ein Mobilitätssystem, welches nebst Rhätischer Bahn und Postauto (heute mit durchgängigem Stundentakt von 05.00 bis 24.00 Uhr auf allen Hauptstrecken ohne Umsteigen) auf einem Elektrobus- und –mobilsystem basiert, welches dezentral Fahrzeuge jeglicher Art anbietet, mit welchen die bestehenden Lücken im ÖV-System geschlossen werden können. Auf den Hauptstrassen verkehren die Elektrofahrzeuge dank einem GPS-unterstützen Magnetfeld-Navigationssystem zwischen den Fahrzeugpools führerlos.

Im Tourismus
hat sich auch einiges getan. Die alte Generation Touristiker, welche noch Mikrostrukturen aufgebaut und unterhalten hat und trotz erdrückender Notwendigkeit aufgrund der Struktur- und Märkte-Entwicklung mit viel Weh und Ach zu neuen Formen der Zusammenarbeit fand, ist heute als „Rat der Weisen“ Ansprechgremium, um die Jungen immer wieder zu ermutigen, den eingeschlagenen Weg trotz immer wieder aufkommender Unsicherheit und Zweifel konsequent zu gehen. Die strategischen Verantwortlichen müssen so auch heute noch viel Informations-, Sensibilisierungs- und Überzeugungsarbeit leisten. Aber dank einer radikalen Strukturentwicklung ist dies heute leichter: Hotel-, Bergbahn- und Tourismusförderung sind heute unter einem Dach in der Kompetenzstelle für Innovative Wirtschafts-, Kultur- und Naturraumförderung, Soziales und Standortmarketing (KISSING) zusammengeführt. Auslöser waren die immer wieder aufflammenden Querelen rund um die erste Biosphäre im Schweizerischen Alpenraum im Val Müstair. Das Pionierwerk Schweizerischer Nationalpark als Kernzonewurde in den letzten Jahrzehnten rasch einmal durch die erfolgreichen Entwicklungszonen Scuol, Samnaun, Zernez und Müstair ergänzt, in den Umgebungszone der Talschaften wird mittlerweile ein prosperierendes Miteinander gepflegt. Dabei profitierte die Nationalparkregion von den Fehlern, die vor über fünfzig Jahren gemacht wurden, als rund um den Piz Adula (Rheinwaldhorn) herum ein zweiter Nationalpark hätte entstehen sollen. Die Biosfera Parc Naziunal Svizzer-Val Müstair war die Geburtshelferin für die Biosfera Scuol Samnaun Val Müstair, wie erwähnt DAS Vorzeigebeispiel für ländliche Entwicklung im alpinen (Brache-)Raum.

Weihnachtsgeschichte, 1. Teil, Paradies in globaler Welt (1/3)

Schlüsselwörter: Paradies, Fortschritte, Umbruch, Unsicherheit, Globalisierung
Tag 8, 24. Dezember 2016

Es begab sich aber in jenen Tagen, als Graubünden im touristischen Umbruch war. Überall rauften sich die Touristiker zusammen und wollten stärker zusammenarbeiten. So auch in der südöstlichsten Ecke der Schweiz. Dort wurden alte Grenzen und Strukturen aufgegeben, die über Jahrzehnte gewachsen waren. Aus den kleinen und feinen Ferienorten wurden selbstbewusste Ferienregionen, aus drei Ferienregionen wurde eine richtige Feriendestination; eine der grössten Graubündens. Was auf dem Papier schnell skizziert und geplant war, brauchte in der Realität viel Zeit. Die geografischen Distanzen mussten überwunden werden, und die sehr unterschiedlichen Menschen mussten zusammenfinden und sich auf Gemeinsames einigen. Für alle eine grosse Herausforderung! Für die schlauen Geschäftsleute aus dem hochalpinen Samnauntal mit ihrer Zollfrei-Exklusivität und dem Welt-Top-Skigebiet ebenso wie für die an den Pforten des ersten und einzigen Schweizerischen Nationparks mit den unterschiedlichsten Trümpfen und Spezialitäten verwöhnten Unterengadiner, die sie dank den Pionieren aus früheren Jahrhunderten den Bedürfnissen der modernen Zeit anpassen konnten. Auch die Jauer aus dem Val Müstair waren gefordert, die sich immer wieder in Erinnerung rufen, dass das 1241 Jahre alte Kloster St. Johann mit seiner unglaublich dichten und reichen Geschichte ein Unikat ist, welches das unzerstörbare Fundament für die weitere Entwicklung ist. Die UNESCO nahm das Kulturgut 1983 gar in die Liste der Welterbe auf.

Die drei unterschiedlichen Menschenschläge fanden touristisch zusammen, diskutierten aber trotzdem weiter, was ja eigentlich grundlegend wichtig ist. Vor allem die Münstertaler, die sich trotz allem kleinen und grösseren Profit nicht von ihrer Rolle der Benachteiligten verabschieden konnten und es nicht schafften, sich im Tal auf gemeinsame und starke Ziele zu einigen.

Es waren aber auch die Tage der zunehmenden Unsicherheit und Ungleichheit auf der Welt. Es gab immer mehr Menschen auf der Welt, alle wollten ihre Bedürfnisse befriedigen, die Oberen kämpften für Macht und Einfluss, die Armen versuchten sich zu holen, um was sie geprellt wurden. Abgrenzung funktionierte nicht mehr, die Globalisierung von allem war Tatsache geworden; oft auch mit ergebnisoffener Durchsetzung der Interessen mit schauriger und unvorbildlicher Gewalt. Die Natur war in dieser Zeit Verliererin. Zwar war es auch die Zeit der modernen Pioniere; es gab unzählige technische Innovationen und Fortschritte und Erfolge und ermutigende Schritte. Aber gleichzeitig auch immer wieder Rückschläge, weil die Zusammenhänge so unglaublich kompliziert wurden, dass manch eine Errungenschaft an anderer Stelle wieder zu einem Nachteil führte. Bei den Menschen und in der Natur. Ohnmacht machte sich breit, auch weil man auf der Welt immer alles und jedes sofort wusste. Die Menschen konnten kaum mehr unterscheiden, was wichtig und was weniger wichtig oder falsch war. Es entstanden neue Wahrheiten und Realitäten. Es gab komplizierte Kriege in einer modernen Welt, welche schon längst hätte wissen müssen und lösen können, wie Kriege und Nöte und Unterdrückung zu verhindern wären. Flüchtlinge überströmten die Welt. Armut und Leid und Reichtum waren ganz nahe beeinander. Die Einen machten alles kaputt, die Anderen sammelten für den Wiederaufbau. Grotesk.

In diesem Wirrwarr an Kompliziertheit und Komplexität lebten die Leute im verwöhntesten und schönsten Land der Welt weiterhin gut. Sie arbeiteten viel und kämpften dafür, dass es ihnen gut ging. Doch auch sie standen plötzlich im Einfluss der weltweiten Unsicherheit. Sie konnten sich nicht mehr abschotten und mussten neue Modelle der Zusammenarbeit und Wege in die Zukunft finden. Dabei merkten die Meisten, dass es keine einfachen Lösungen mehr gibt. So machten sie sich gemeinsam auf den weiteren Weg.

Schwarze Tage: 29.11.15, Tagebuch verloren (5a) - - - - Schwarze Tage: 03.04.16, Robinson geschlossen (5b)

Schlüsselwörter: Unterschiedliche Tragweite, persönlicher Verlust, regionaler Schaden
Tag 9, 23. Dezember 2016

Es geht mir nicht auf, mit meiner Mini-Serie der Schwarzen Tage. An Weihnachten will ich ja nicht mehr auf Tage zurück schauen, an denen ich verärgert und echt sauer und genervt, traurig, nachdenklich, respektvoll bis angsterfüllt oder was auch immer war. Auf Tage, die mir im Moment Energie geraubt haben. Aber diese kommt ja irgendwann auch wieder zurück. Zum Glück. Darum kann ich ja jetzt auch Rückschau halten. Relativ entspannt. Relativ, weil das Gefühl des beschriebenen Momentes ja wieder an die Oberfläche kommt. Ein bisschen. Es genügt, wenn ich ein paar schwarze Tage herausgepickt habe.

Nun habe ich ein Dilemma. Ich „verlor“ mein Tagebuch. Und der Robinson Club Schweizerhof in Vulpera schloss für immer. Was ist schlimmer, schwärzer, erwähnenswerter im letzten Teil der Serie? – Ich nehme beides.

Am 29.12.15 verlor ich mein Tagebuch
. Ich hatte es auf dem Computer gespeichert. Auf dem Desktop. Eine Excel-Datei. Wie unromantisch. Ungesichert. Noch nie ist etwas passiert. Ich hätte es ja wissen sollen, dass etwas schief gehen kann. Vor allem mit einem Windows 10-Update. Davon bin ich Opfer geworden. Nach den ewig lästigen Werbe-Remindern des schlauen IT-Konzerns habe ich am Sonntag, den 29.12.15 während der Heimarbeit nachgegeben und das Update gemacht. Und dabei natürlich keine Warnung erhalten von wegen Dateien-Verlust! Das Update klappte einwandfrei. Dann suchte ich meine Desktop-Dateien, fand sie, zog sie wieder auf den Desktop, so weit so gut. Am Montag nach dem Neustart im Büro am Netz waren sie dann weg. Damit mein überarbeitetes Budget, ein Protokoll und weitere Doks, Mitarbeitergespräch-Unterlagen, ... Ärgerlich. Ich suchte endlos. Endlos. Wirklich endlos. Und schaltete Spezialisten ein und liess "Reparatur-Software" arbeiten. Keine Chance. 10 Jahre Notizen, Ereignisse, Geschäftliches, Privates, Persönliches, Erinnerungswürdiges, Wichtiges, Unwichtiges. Nicht ersetzbar. Alles weg.

Am 3.4.16 schloss der Robinscon Club im Hotel Schweizerhof Vulpera seine Türen
. 70‘000 Hotel-Logiernächte weg. Für immer. Damit Millionen von Umsatz. Im Hotel. Bei den Bergbahnen. Bei der Skischule. In der Gemeinde. In der Region. Dutzende von Arbeitsplätzen verloren. Auch Schulkinder. Wie sagte doch Robinson-CEO Ingo Burmester im Interview im März 2015 im „Urlaubs-TV“: Robinson will hohe Qualität und weltweit von 24 auf 40 Clubanlagen ausbauen. Da haben wir Pech gehabt, sind Opfer der zu tiefen Renditen geworden. Hotel-Portefeuilles optimieren kann man nicht mehr überall in der Schweiz. Das gilt auch für die Holländer, die nun auf dem Schweizerhof sitzen. Am 27.1.16 noch schrieb mir der Rechtsvertreter der niederländischen Besitzer auf meine entsprechende Frage: „Wir haben unsererseits eine Absichtserklärung mit einer internal namhaften Hotelkette im gehobenen Segment abgeschlossen. Sobald uns da das “Management Agreement” zur Unterschrift vorlegt, …“. Und weiter: „Das Betriebsstättenkonzept werden wir voraussichtlich bis April zur Genehmigung beim Grundbuchinspektorat in Chur einreichen, wobei die Renovierung/Konzipierung in Abstimmung mit dem zukünftigen Betreiber stattfindet.“ Tönt wie ein Weihnachtsmärchen, das auch nicht in Erfüllung geht. Und die Amerikaner vom Kurhaus? Planen die wirklich die Eröffnung auf den Sommer 17? Mit welchem Konzept? - Wetten, die 100‘000 Logiernächte der beiden Hotels kommen so nicht wieder zurück?

Genug! Stören wir nicht beim Voraussetzungen schaffen für eine prosperierende Zukunft. Beim Pläne schmieden der glanzvollen Eröffnung. Wer da auch immer daran arbeitet. - Mein Team ist bereit, die Marketing- und Vertriebsbemühungen auf Nairs und Vulpera auszuweiten. An der Tourismusorganisation soll es nicht fehlen. Nur zaubern können wir leider nicht. Darum wird morgen Heilig Abend weder das verlorene Tagebuch unter dem Weihnachtsbaum liegen noch der Prospekt mit der Umbau- und Eröffnungsankündigung der beiden Flaggschiffe unserer Hotellerie.

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Schwarze Tage: 15.1.15, Euro-Absturz und mehr (4)

Schlüsselwörter: Konkurrenzfähigkeit, Krise, Verteuerung
Tag 10, 22. Dezember 2016

Einer der Momente, an den man sich immer erinnern kann: 15.1.15, Aufgabe der Euro-Untergrenze durch die Schweizerische Nationalbank: Wir hatten vormittags Kadersitzung, Handy nicht online, ich kam am Mittag nach Hause und meine Frau fragte: „Hesch ghört?“ „Was?“ „Vom Euro-Absturz!“ – Nein, hatte ich nichts gehört. Aber ich wusste jetzt: „Nun habe ich noch zwei Stunden Ruhe und dann geht es los“. - Und so war es. Telefone, Mails, Journalisten, Hotelers, Verunsicherung total, „man muss jetzt etwas machen!“

Nachdem der Euro im August 2011 schon einmal auf 1 : 1 abstürzte, hatte endlich so etwas wie eine sanfte Erholung eingesetzt. Wir dachten, von den Rahmenbedingungen her eine einigermassen gute Zeit vor uns zu haben. Das Gegenteil war der Fall: Das 2015 wurde zum schwärzesten meiner Jahre hier in der Destination.

Eine Hiobsbotschaft jagte die Andere
. Die Leistungspartner suchten nach Lösungen; primär nach kurzfristigen. Auf einen Schlag war unser Angebot nochmals 20% teurer geworden, ohne Mehrleistung. Seit Oktober 2007 (damals war der Euro auf 1.68!) hatte der Euro 35% an Wert verloren. Es wurden Euro-Fixpreise eingeführt, Aktionen auf den Markt geworfen, Rabatte garantiert, nach staatlicher Unterstützung gerufen und nach mehr Marketing. Schweiz Tourismus lancierte ein Impulsprogramm, die Bündner Regierung einen Runden Tisch und wir am 6.2.15 eine Krisensitzung. Hektik griff um sich. Der Gästerückgang setzte sich fort, da die Gäste letztlich halt ökonomisch entscheiden, das schleckt keine Geiss weg. Die Schweizer sprangen ins Ausland und gaben, resp. geben ihre Schweizer Löhne dort aus, die Ausländer bleiben zu Hause. In 5 Jahren verlor Graubünden 30% des deutschen Marktes. Der Einkaufstourismus ist Fakt. Im Handel und im Feriengeschäft.

In die Euro-Krise hinein folgte unsere interne Finanzkrise. Mindereinnahmen, falsch kalkulierte Mehrwertsteuer-Ausgaben und zu hoch budgetierte Verkaufserlöse führten ins Fiasko. Sparmassnahmen im Marketing und beim Personal waren die Folge. Wir mussten sehr schmerzliche Abgänge verzeichnen. Kein schwarzer Tag, sondern eine schwarze Zeit. Die Landung war hart. Die Erholung setzte zaghaft ein. Die Unterstützung durch die Gemeinden war notwendig. Diese Krise hinterliess bei mir Spuren, die ich nicht vergessen werde. Ich habe viel gelernt.

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  • Blog 46, 16.11.16

Schwarze Tage: 25.11.12, DER schwarze TAG (3)

Schlüsselwörter: Aerger, Politflop, Kleinkrämerei, Tourismuspanne
Tag 11, 21. Dezember 2016

Darüber habe ich am 4. Jahrestag bereits eine „Ausgejammert“-Kolumne geschrieben.  Trotzdem nochmals: Die Befürworter mögen Fehler gemacht haben; wir müssen schon auch selbstkritisch sein. Schliesslich haben aber nicht diese sachlichen und kommunikativen Fehler zum negativen Ergebnis geführt, sondern die gewaltige Negativ-Kampagne der Gegner. SVP und FDP haben Vollgas gegeben. Sie machten den Leuten Angst, und das kommt immer gut an. Sie kämpften für weniger Bürokratie, das Gegenteil traf ein. Sie kämpften gegen eine neue Steuer, dabei ist es gar keine neue. Sie beleidigten und verunglimpften pauschal eine ganze Branche, gegen die Tourismusdirektoren wurde frontal geschossen, dabei arbeiten diese im Interesse des Gemeinwohls und waren den Fakten verpflichtet. Genau genommen hat bereits damals das postfaktische Zeitalter begonnen. Und nicht erst mit der Fragezeichen-Trumpwahl.

Das Problem ist bekannt: Die gesetzliche Grundlage im Kanton ist immer noch die Gleiche wie anno dazumal. Da wurde gar nichts bewegt. Also haben wir die gleiche Bürokratie wie vorher, die gleichen Ungerechtigkeiten wie vorher, die gleichen Mikrodiskussionen wie damals. Nur mit dem Unterschied, dass wir vier Jahre verloren haben, um uns mit Anderem zu beschäftigen. Beispiel Scuol: Kantonale Abstimmung gescheitert, Prozess nach einer Pause selber aufgezogen, Steuerverwaltung tritt auf die Bremse, zurück auf Feld eins, im 2017 startet der Harmonisierungsprozess der alten Kurtaxen- und Tourismusförderungsabgaben-Gesetze, Einführung der harmonisierten Lösung frühestens per 1.1.18. Das neue System, welches für Steuergleichheit und minimalen administrativen Aufwand sorgen würde, kommt dann später.

Nicht einverstanden? Dann stehe ich gerne für ein Gespräch zur Verfügung. – Fazit 1: Auch am kürzesten Tag ist der Ärger über diesen Misserfolg nicht kürzer als an allen anderen 364 Tagen des Jahres. Fazit 2: Ich behaupte, nicht nachtragend zu sein. In diesem Fall stimmt das vermutlich nicht. Zugegeben.

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  • Tag 37, 25. November 2016

Schwarze Tage: 27.8.11, Der NBM und seine Schutzengel (2)

Schlüsselwörter: Wetterprognose, Temperatursturz, regionale Solidarität, Glück
Tag 12, 20. Dezember 2016

Am Freitag, 26. August 2011, war ich um 15.00 Uhr bei einem Foto-Shooting mit Anne Gabriel-Jürgens an einem meiner Lieblingsorte im Engadin, auf Charnadüras oberhalb Lavin. Dort entstand für eine Reportage des WWF das Foto oben rechts in meinem Blog. Kaum 24 Stunden später mussten wir den 10. Jubiläumsmarathon abbrechen. Wir schrammten haarscharf an grösserem Unglück vorbei. Der Reihe nach:

SRFMeteo prognostizierte am Freitag, 26.8.11 für den 10. Nationalpark Bike-Marathon am Samstag, 27.8.11 für das Tessin und Engadin: In der Nacht aufkommende, teils kräftige Regengüsse und Gewitter. Tiefstwerte (...) im Engadin 6 bis 9 Grad. Am Samstagvormittag häufig Regen und noch lokale Gewitter. Im (...) Engadin Schnee allmählich bis 2400 m. (...). Im Engadin und Münstertal erst gegen Abend freundlicher. (...), im Engadin 9 bis 13 Grad.

Um 07.15 Uhr starteten wir die Wettkämpfer bei regulären Bedingungen; das Thermometer zeigte 14 Grad. Um 09.15 Uhr sagte uns Meteo Schweiz: Die Schneefallgrenze ist bei 3'500 m, sie kommt auf 3'000 m hinunter. Auf 3'000 werden die Teilnehmer höchstens ein paar Flocken sehen. In einer bis in zwei Stunden ist es ausgestanden. Dann bessert es zögerlich.

Ich traute meinen Augen nicht, als ich gegen Mittag auf dem Munt Baselgia bei Zernez stehend Schneewolken daher kommen sah. Die Temperatur stürzte innerhalb von vier Stunden um 10 Grad ab. Es gewitterte und auf dem Pass Chaschauna erwartete die Teilnehmenden eine Kaltfront. Der Abbruch des Rennens erfolgte aufgrund des Wetterumsturzes zweistufig: Um 12.00 Uhr sperrten wir den Pass Chaschauna, der totale Abbruch erfolgte um 12.30 Uhr.

Um 17.00 Uhr war der Himmel wieder wolkenlos, der Sonntag gab es kühles Prachtswetter. Meteo Schweiz sagte uns am Sonntag beim Debriefing, dass das Ausmass dieses Kaltluftvorstosses mit den vorhandenen Unterlagen kaum vorhersehbar war.

Wir hatten Riesenglück. Und wir brauchten alle Schutzengel, die der Nationalpark Bike-Marathon je einmal zu Gute hat. Wir mussten über 1‘000 Biker/-innen evakuieren, der Spital Scuol löste Katastrophenalarm aus, die Einheimischen entlang der Strecke leisteten spontan und selbstlos erste Hilfe und brachten die Frierenden an die Wärme, Rhätische Bahn und PostAuto fuhren Sondereinsätze, Dutzende von Fahrer/-innen mussten notfallmässig versorgt werden. Kurz: Die Region leistete Grossartiges.

Und wir zogen unsere Schlüsse: Eventualplanung, Notfallplanung, Funknetz, Sanitätskonzept, Verpflegung, Fahrer-Information, etc. wurden angepasst. Beim Wetterdienst wird nicht mehr auf einen Standardauskunftsdienst vertraut, sondern mit einem Profi zusammengearbeitet, der nur für uns da ist und die geografische Situation rund um den Nationalpark kennt: Julien Anet hat während fünf Jahren perfekte Dienste geleistet; die letzten zwei Jahre sorgte er gar für perfektes Rennwetter :-)

Mit dem Ereignis des 27. August 2011 sind wir um eine Erfahrung reicher, um die ich heute sehr dankbar bin. Mit der Planung, wie wir sie heute haben, kann eine solche Beinahe-Katastrohe nicht mehr passieren. Trotz Erleichterung bleibt der 27.8.11 ein schwarzer Tag, weil so etwas einfach nicht passieren darf.

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Schwarze Tage: 28.2.09, Na al Engiadina-Scuol inclus (1)

Schlüsselwörter: Neues Angebot, Alles inklusive, Finanzierungsproblem
Tag 13, 19. Dezember 2016

"Spezielle Tage" gibt es auch im negativen Sinn. Die Serie starte ich heute mit mit meinem ersten Misserfolg, damals noch unter dem Dach der Engadin Scuol Tourismus AG (ESTAG).

Die Bündner Vorreiter für ein Alles inklusive-Angebot waren Arosa (seit 2003) und Samnaun (seit 2005). In der Ferienregion Engadin Scuol wollten wir auch ein solches Angebot. Aber nicht nur für einen einzelnen Ferienort, sondern für die ganze Ferienregion: Das erste regionale Alles inklusive-Angebot. Die Finanzierung war wie in den Pionier-Orten durch eine erhöhte Kurtaxe vorgesehen. Entsprechend sollten nur die übernachtenden Gäste profitieren können.

In dutzenden von Einzelgesprächen, Sitzungen und Vorstellungen versuchten wir, die Gemeinde- und Tourismusvorstände sowie die Tourismusvereinsmitglieder und das Stimmvolk zu überzeugen. Keine Chance. 4 Gemeinden sagten Ja (Scuol, Ramosch, Lavin und Ftan), 6 Gemeinden sagten nein (Susch, Guarda, Ardez, Sent, Tarasp, Tschlin). Susch sagte am 16.2.09 Ja zur Clinica Holistica und gleichzeitig mit 25 zu 19 Nein gegen das Alles inklusive-Angebot. Freude und Leid gleichzeitig. Die Clinica Holistica ist heute eine Erfolgsgeschichte.

Am 28. Februar 2009 mussten wir das Angebot begraben. Es gab noch zaghafte Versuche, das Vorhaben mit den Willigen doch noch zu lancieren. Daraus resultierten nebst dem bereits bestehenden Wellness Inklusive-Angebot in Scuol schliesslich die Hotel-Kooperationen Engadin Scuol Mobil, Engadin Val Müstair Mobil und Skipass Inklusive. Mittlerweile bieten neun Hotels das Mobil inklusive-Angebot sogar im Winter an.

Was wäre, wenn wir das Angebot damals eingeführt hätten? Wären wir erfolgreich unterwegs? Wäre das Angebot nach der Einführung gescheitert? Was wäre, wenn…? – Keine Ahnung. Ich denke, dass ein Inklusive-Angebot nur noch im Zusammenhang mit der neuen Tourismusfinanzierung eine Chance hat. Diese haben wir kantonal im 2012 versenkt; die kommunale Lösung kommt frühestens in zwei, drei Jahren. Es empfiehlt sich, den Ball dann nochmals aufzunehmen. Wenn’s glückt, wunderbar. Wenn nicht, lernt man auch etwas. 

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Spezielle Tage: Viva! auf „normale“ Tage! (20)

Schlüsselwörter: Machen, wirken, bewirken, feiern, weiterarbeiten
Tag 14, 18. Dezember 2016

Es gäbe noch viele spezielle Tage, die erwähnenswert wären: Der 5. Mai 2014 etwa, als wir gegen viel Skepsis und Widerstände mit 15 Hotels und 51 Ferienwohnungen das neue Vertriebssystem TOMAS in Betrieb nahmen – heute kein Thema mehr und 100 Hotels und 600 Ferienwohnungen sind online. Oder der 6.11.14, als Scuol mit dem FLUX ausgezeichnet wurde, oder als wir am 5. März 2015 an der ITB in Berlin den myclimate-Award als Destination erhielten, oder der 22. März 2016, als wir nach Weltwassertag und Weltwasserwochen mit den Aua forta – Wassertagen Engadin Scuol starteten, oder die Eröffnung des Swiss Snow Happenings in Samnaun am 7. April 2013, oder der Tag mit dem Interview mit Samu Haber am 25. Frühlingsschneefest am 14. April 2013, oder die Eröffnung der ersten Tour de Ski in der Schweiz am 31.12.13 in Tschierv, etc. etc.

Es gab viele spezielle Tage im Sinne von „sehr positive Tage“. Spezielle Tage sind erwähnenswerte Tage, weil sie einmalig sind und für gute Momente stehen, die so nicht wieder kommen werden. Sie ragen aus den normalen Tagen heraus wie Bergspitzen aus dem Nebel. Das heisst: Es gibt keine speziellen Tage ohne normale Tage. Normale Tage, an denen unspektakulär gearbeitet wird. Alleine oder im Team an einem Thema, im Dialog mit Gästen, mit Partnern an Sitzungen. Hier in unseren Büros, in der Destination, in Chur, Zürich, Bern, international. Von den normalen Tagen spricht man nicht, weil sie unspektakulär sind.

Es sind also die normalen Tage, welche die speziellen Tage ausmachen. Die normalen Tage der unspektakulären, kontinuierlichen, konsequenten und beharrlichen Arbeit. Hinter der Bühne, abseits des Rampenlichtes, unbeachtet. Je besser die normalen Tage, desto öfter und spektakulärer die speziellen Tage. Darum winde ich allen normalen Tagen ein Kränzchen. Denn ohne sie gibt es keine substanziellen Erfolge, welche besondere Aufmerksamkeit geniessen.

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  • Blogs 33 bis 15

Spezielle Tage: 9.6.16, Eröffnung JWOC (19)

Schlüsselwörter: Gemeinschaftserlebnis, neues Angebot, Folge-Events, Weltklasse
Tag 15, 17. Dezember 2016

Ein grosser Tag für den OL-Sport, für die Jugend, für die Verbindung von Generationen, für unsere Destination. Am 9. Juli 2016 wurden die Junioren OL Weltmeisterschaften (JWOC) in Scuol feierlich eröffnet. Warum dieser Tag speziell war? Weil die Eröffnung der JWOC einen Moment markiert, der eine lange Vorgeschichte abschliesst, den wichtigen Event eröffnet und damit eine Entwicklung lanciert, welche weit in die Zukunft reichen wird. Der Reihe nach.

Am 22. November 2012 rief ein uns damals noch unbekannter Stefan Aschwanden bei uns im Büro an und bat um einen Rückruf. Aschwanden prägt den OL-Sport in der Schweiz seit Jahrzehnten, die JWOC gibt es seit 1996. Er wollte mit uns über die JWOC 2016 reden; wir hatten damals keine Ahnung, um was es ging. Aschwanden war dieses Jahr Präsiden der Junioren OL WM Engadin Scuol und der Swiss OL Week im Oberengadin. Die Vorbereitungen für diesen Event dauerten 3 ½ Jahre!

Simone Niggli-Luder, beste Orientierungsläuferin aller Zeiten mit 23 Weltmeister-Titeln und Matthias Niggli, Chef der Schweizer Elite und verantwortlich für den Spitzensport bei Swiss Orienteering, präsidierten das OK und waren für die Durchführung bei uns verantwortlich. Perfekte und professionelle Partner.

Für die JWOC wurden neue Karten von zahlreichen Geländen im Unterengadin gezeichnet, welche fortan Trainings und Events ermöglichen. Bei der Eröffnung gab sich kein Geringerer als Bundespräsident Johann Schneider-Ammann die Ehre. Der Event brachte gegen 400 Teilnehmer/-Innen aus über 30 Nationen zu uns, dazu viele Begleitpersonen und passionierte OL-Läufer/-inne. Es resultierten über 4000 Logiernächte. Wir bauten unsere Kompetenz in der Durchführung von Grossanlässen aus. Und: Beim einen oder anderen OL lernten wir Dörfer und Wälder von einer neuen Seite kennen. Ich jedenfalls habe in Sent neue Gässlein kennen gelernt und rund um die Foura Baldirun zwischen Susch und Lavin habe ich Felsblöcke und Gräben entdeckt, die ich nie vergessen werde!

Die JWOC war ein grosser Erfolg, die anschliessende Swiss-O-Week im Oberengadin auch, es gab viele positive Rückmeldungen von Teams und Zuschauern. Bereits hat der Kickoff für die OL Schweizer Meisterschaften stattgefunden, welche vom 15. – 19. August 2018 bei uns stattfinden werden. Dann werden fast sechs Jahre vorbei gegangen sein, seit das Thema OL zu uns in die Destination gefunden hat. - Wie beim Orientierungslauf gilt auch für das Eventmanagement: Man darf keinen Posten auslassen, wenn man das Ziel erreichen oder gar gewinnen will!

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Spezielle Tage: 18.2.16, Nachhaltigkeit: Einfach umsetzen (18)

Schlüsselwörter: Kundennutzen, Zielkonflikte, Netzwerkarbeit, Kriterien, Massengeschäft
Tag 16, 16. Dezember 2016

Das Wort „Nachhaltigkeit“ wird derart oft verwendet (und oft auch missbraucht), dass es das Potenzial hat, dereinst zum „Unwort des Jahres“ zu werden. Dabei ist Nachhaltigkeit ein extrem spannendes Thema. Man kann dem, was man damit meint, ja auch „Enkeltauglichkeit“ sagen, oder so. Item.

Im Rahmen eines sehr spannenden Innotour-Projektes durften wir uns mit der Frage beschäftigen, wie nachhaltige Angebote in Tourismusdestinationen erfolgreich entwickelt und vermarktet werden. Wir stellten uns der Aufgabe, zusammen mit den vier Destinationen Arosa, Entlebuch, Interlaken und Luzern. Wir hatten die Projektleitung. Fachlich begleitet wurden wir durch Fabian Weber und Barbara Rosenberg-Taufer von der Hochschule Luzern, sowie einem Beraterteam, welches sich mit uns von Zeit zu Zeit austauschte. Auch dabei war unser strategischer Partner, die Zürcher Hochschule (zhaw) mit der Kompetenzstelle für Nachhaltigkeit in Wergenstein. Am 18. Februar 2016 präsentierten wir der Öffentlichkeit und dem Schweizer Tourismus die Resultate.

Vorzuweisen haben wir nach Projektabschluss den 

  • Leitfaden „Nachhaltige Tourismusangebote – Leitfaden zur erfolgreichen Entwicklung und Vermarktung nachhaltiger Angebote in Tourismusdestinationen“, 
  • Hilfsinstrumente, welche im Leitfaden integriert sind, zum Beispiel die im Projekt entwickelten und verwendeten Analyseinstrumente, Factsheets zur Nachfrage und Kommunikation von Nachhaltigkeit und andere. Sowie einen
  • Kriterienkatalog, welcher den Einflussbereich der DMO auf die Leistungsträger potenziell erhöhen kann.

Was sagen die Projektpartner zum Thema:

  • Kundennutzen ist von zentraler Bedeutung. Er kann entweder durch Innovation, Exklusivität oder Qualität herbeigeführt werden. Je wertschöpfungsintensiver er ist, umso wertvoller.“ (Fabian Weber, Hochschule Luzern)
  • „Destinationen müssen mit Zielkonflikten umgehen und leben. Es ist eine Realität, dass es nicht nur eine strategische Ausrichtung gibt. Über Erfolg und Misserfolg entscheidet schliesslich der Markt.“ (Stefan Otz, Direktor Interlaken)
  • „Erfolg ist zu einem grossen Teil auch von der Netzwerkarbeit abhängig. Wesentlich ist dabei die Qualität der Zusammenarbeit der Leistungspartner.“ (Yvonne Wüthrich, Arosa)
  • „In einer Stadt gelten oft andere Voraussetzungen als in einer Bergregion. Im vielfältigen Netzwerk der Leistungspartner ergeben sich diverse Kooperationsmöglichkeiten, was auch in Bezug auf Nachhaltigkeit sehr attraktiv sein kann.“ (Marcel Perren, Luzern) 
  • Nachhaltigkeit ist ein permanenter, offener Such- Lern- und Gestaltungsprozess, der nie aufhören wird. Vielleicht sind so viele Kunden mit unserer Qualität zufrieden, weil wir es selber nie ganz sein werden.“ (Theo Schnider, Direktor UNESCO Biosphäre Entlebuch)
  • „Ein Bewertungssystem muss auf klaren Kriterien basieren und eine Kontrolle ermöglichen. Die Kontrolle kann einerseits in Eigenverantwortung durch den Ausfüller oder durch eine externe Kontrollinstanz wahrgenommen werden. Entscheidend ist, dass kontrolliert wird.“ (Heinz Rütter, Rütter soceco) 
  • „Letztendlich entscheidet das Angebot vor Ort. Hier ist der Schlüssel für Exklusivität, die uns nicht austauschbar macht.“ (Stefan Forster, ZHAW)
  • „Es genügt nicht, eine gute Strategie zu haben; es müssen konkrete Angebote folgen. Dabei muss auch das Massengeschäft optimiert werden in Bezug auf Qualität, Wertschöpfung etc.). Eine Entwicklung in der Nische allein genügt nicht. (Christian Baumgartner, response & ability).

Und ich meine: Erfolg ist primär von personellen und finanziellen Ressourcen sowie vom Engagement abhängig. Am Know-how fehlt es nicht, dieses muss nur gezielt genutzt werden. – Na dann, viel Erfolg!

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Spezielle Tage: 3.10.15, Schellen-Ursli! (17)

Schlüsselwörter: Guarda, Welt-Première, Alois Carigiet, Selina Chönz
Tag 17, 15. Dezember 2016

Seit 2007 engagierten wir uns zusammen mit der Region dafür, dass der Film am Originalschauplatz gedreht wird und nicht an einem anderen Ort. 2013  bis 2015 wurde das Filmprojekt realisiert und die Region nutzte die Dreharbeiten mit Angeboten für Einheimische und Gäste. Am 3. Oktober 2015 war es dann so weit: Weltpremière des Schellen-Ursli-Films in Chur! Grosses Kino!

Ein krönender Abschluss einer langen Vorbereitungszeit! Primär für die Filmproduzenten Ditti Bürgin-Brook von der La Siala Entertainment GmbH und Peter Reichenbach von der C-Films AG, Oskar-Preisträger Xavier Koller mit der ganzen Film-Crew, natürlich für Schellen-Ursli, Roman und Seraina, aber auch für uns. Als Ferienregion bekommt man nicht alle Tage einen Film geschenkt. Es hat aber auch nicht jede Ferienregion eine 70-jährige Kindergeschichte, deren Buch in fast jedem Deutschschweizer Haushalt steht!

Wir organisierten Filmpremièren in der ganzen Destination. Zuerst meinten wir, es reiche eine Aufführung in Guarda und eine in Scuol. Schliesslich waren es 10 Vorpremièren in der Ferienregion Scuol Samnaun Val Müstair, mit total 1‘653 Besucher/-innen. In 4 Aufführungen über die Festtage 2015/16 waren es in Scuol nochmals 591. 2‘000 Menschen sahen den Film bei uns. Ein Grosserfolg.

Nur dank Selina Chönz und Alois Carigiet konnten Schellen-Ursli-Weg, Glockenschlitten, Schellen-Ursli-Museum, Kinderpass, Schellen-Ursli-Pauschale, Schellen-Ursli-Haus und Chalandamarz-Umzug im Europapark, Besucherlenkung, Projekt Chasa Guarda, Werbung, etc. angestossen und mehrheitlich bereits realisiert werden!

Hätten wir keinen Schellen-Ursli, wir müssten ihn erfinden. Aber eben, wie ich im Blog 19 schrieb: Künstliches hat es schwer bei der einheimischen Bevölkerung. Darum wird es doch bald einmal möglich sein, das Projekt „Chasa Guarda“ mit ein wenig Schellen-Ursli und viel ortstypischer Kultur und sehr starkem Bezug zum hiesigen heutigen Leben realisieren zu können? - Sie sind doch auch schon Mitglied beim Förderverein „ils battagls“, oder?

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Spezielle Tage: 19.06.15, Engadin-Gala in Berlin (16)

Schlüsselwörter: Schweizer Botschaft, Tim Guldimann, Schellen-Ursli, Engadin
Tag 18, 14. Dezember 2016

Wenn das Alphornensemble Engiadina St. Moritz, Arno Camenisch, Schellen-Ursli, Lucia Cadotsch Orchestra, und Weitere einen gemeinsamen Termin haben, dann ist dies alles ausser gewöhnlich. In der Tat! Tim Guldimann, damals Botschafter in Berlin und heute Nationalrat, schrieb in der Einladung zur Berlin-Gala am 19. Juni 2015:

„Rast, Ruhe, Rückzug – das Engadin. Und Licht, das besondere Licht. Das Engadin ist alpine Heimat und ein weltoffenes Stück Schweiz. Aus- und Rückwanderung, Transitweg und Kraftort. Glamour, Glanz und Gloria im Hochtal. Deutsch, Rätoromanisch und Italienisch werden hier gesprochen. Willkommen!“

So waren wir dort in den heiligen Hallen der Botschaft, im Aussenposten der Schweiz, gleich neben dem Kanzleramt. Mit Schellen-Ursli-Umzug, Chalandamarz-Liedern, den Filmemachern Peter Reichenbach und Ditti Bürgin. Wahrlich einmalig. Mit lukullischen Genüssen vom Waldhaus in Sils.

Die 500 Gäste waren begeistert. Und wir davon überzeugt, dass der richtige Mix, der richtige Stil, die richtigen Menschen, der richtige Ort und der richtige Moment nicht dem Zufall überlassen werden können, damit Erfolg resultiert. Es muss eben alles stimmen.

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    Spezielle Tage: 19.03.15, „Wir wollen hier nicht weg!“ (15)

    Schlüsselwörter: Kultur, Hochschule Luzern, Wechselwirkungen, Inwertsetzung, Inszenierung
    Tag 19, 13. Dezember 2016

    Der 19. März ist zwar mein Geburtstag. Und im 2015 war es erst noch mein fünfzigster. Nur deswegen war dieser Tag aber nicht speziell. Erwähnenswert - im Blog 19 - ist eine Buchvernissage, welche an eben diesem Tag stattfand. In Luzern, an der Hochschule für Wirtschaft. Es wurde das Buch präsentiert, welches die sehr vielfältigen Beziehungen von immateriellem Kulturerbe und Tourismus thematisiert.

    Für das erste Kapitel unter dem Titel „Geschichte und Gegenwart der touristischen Inwertsetzungen immateriellen Kulturerbes“ wurde ich angefragt, einen Kommentar zu schreiben. Ich machte das sehr gerne, obschon ich keinerlei Erfahrung damit hatte. Ich las also die vier Texte des ersten Kapitels unter den Titeln

    • Une Suisse à voir et à vivre, Patrimoine culturel immatériel et tourisme en Suisse, jadis et aujourd’hui;
    • Off the beaten track – Schweizer Volksmusik als exotisches Hörerlebnis an Bord der Swissair;
    • Amateurs de traditions, nous sommes tous touristes un jour;
    • Die Bevölkerung begeistern. ‚KlangWelt Toggenburg‘ und ihr wirtschaftlicher Nutzen

    und machte mir meine Gedanken dazu.

    Es resultierte ein Kommentar unter einem Titel, den ich in den letzten Jahr sehr gerne und oft als zentrale Aussage verwendete, wenn ich erklären musste, warum wir uns hier für einen Ganzjahrestourismus engagieren, welcher attraktive Arbeitsplätze, Existenzmöglichkeiten für Familien und eine regelmässig ausgelastete Wirtschaft erhalten und fördern soll: Wir wollen hier nicht weg!

    Ich kam nach der Würdigung der vier Beiträge ein paar Seiten weiter zu diesem Schluss: „(…) Uns ist deshalb (wegen der dreidimensionalen Nachhaltigkeit als Credo, siehe Blog  95 und 44) die konsequente und kontinuierliche Entwicklung von „konventionell“ zu „umfassend nachhaltig“ wichtig. Damit ist die mittel- und langfristige Sicht der Dinge von Bedeutung, denn: Wir können hier nicht weg. Wir wollen hier nicht weg! Zwar leben wir von den kurzfristigen Resultaten, diese sind aber immer das Resultat einer langfristigen Strategie und Denkarbeit.“.

    Der Rest des Kommentars ist der DNA gewidmet und der Begründung, warum wir Touristiker mit Künstlichem keinen Erfolg (mehr) haben können. Aber das wissen Sie ja bereits, wenn Sie Blog 48 gelesen haben. Und ich möchte dies hier nicht wiederholen, sonst meint meine Schwester wieder, ich würde ja eh immer das Gleiche predigen, einen Apostel gleich…

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    Spezielle Tage: 1.8.14, 100 Jahre Nationalpark (14)

    Schlüsselwörter: Einzigartigkeit, zentrale Stärke, Sommerangebot, Imagefaktor
    Tag 20, 12. Dezember 2016

    Das Wort „Nationalpark“ kommt in meinen bisherigen Blogs 40 Mal vor. In Zusammenhang mit der Region oder mit dem einzigartigen Schutzgebiet. Das ist viel. Entsprechend kann ich es heute kurz machen und mich auf das Jubiläum beschränken:

    Am 1. August 2014 wurde der 100ste Geburtstag des Schweizerischen Nationalparks gefeiert. Erinnern Sie sich daran? Zum Beispiel an das Freilichtspektakel LAINA VIVA? Grossartig! - Wir durften uns zusammen mit der Tourismusorganisation Engadin St. Moritz in verschiedenen Projekten engagieren. Hier in Stichworten, was wir touristisch umgesetzt haben:

    • Jubiläumspauschale gemeinsam mit Engadin St. Moritz
    • NZZ Special am 20. Juni 2014 gemeinsam mit Engadin St. Moritz
    • 1. August-Feier mit Live-Übertragung auf allen SRF-Kanälen
    • Comptoir-Suisse in Lausanne mit einem grossen Gastregionen-Auftritt
    • Coop-Tournée mit TESSVM-Beteiligung
    • Specials in den Sonntags Zeitungen mit Schweiz Tourismus und Graubünden Ferien
    • Etc.

    Persönlicher Höhepunkt war der Kurzfilm, den wir mit der Filmemacherin Susanna Fanzun über meine Familie, unterwegs in der Nationalparkregion, drehen durften. Die Erinnerung an das Filmprojekt und an das einmalige Jubiläum werden wir nie vergessen. - Wer "heute" auf die Welt kommt hat gute Chancen, das 200 Jahre-Jubiläum zu erleben! Feiert dann schön!

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      Spezielle Tage: 11.12.13, Internationaler Tag der Berge (13)

      Schlüsselwörter: Klimawandel, Nachhaltigkeit, Pioniere, träge Umsetzung, Eigenverantwortung
      Tag 21, 11. Dezember 2016

      Seit 2003 gibt es den „Internationalen Tag der Berge“, um die Bevölkerung zur nachhaltigen Entwicklung ihrer Lebensräume zu motivieren. Im 2013 fand der Schweizerische Aktionstag gleichzeitig in Scuol, im Alpinen Museum in Bern sowie in Le Châble im Unterwallis statt, was für uns eine Ehre war. Unser Anlass hatte als Trägerschaft die Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für Berggebiete (SAB), die Allianz in den Alpen, die Bundesämter für Raumentwicklung (ARE), für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA), das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) und uns selber, die DMO TESSVM. Aus der ganzen Schweiz reisten Fachleute an und auch die Einheimischen waren eingeladen.

      Es ging um die Frage, ob nachhaltiger Bergtourismus Chance und/oder Herausforderung ist. Es wurde einen ganzen Tag lang informiert, sensibilisiert, diskutiert, „genetzwerkt“, fantasiert. Neue Ideen wurden gesponnen und auch das eine oder andere Vorhaben aufgegleist.

      Richard Kämpf, Leiter des Ressorts Tourismus beim SECO, meinte in seinem Schlusswort, welche schriftlich vorliegt, „dass eine nachhaltige Angebots- und Produktentwicklung nur dann erfolgsversprechend ist, wenn sie kohärent ist mit der Gesamtpositionierung einer Destination. "Mogelpackungen" werden vom Gast rasch durchschaut. Es braucht also ein subtanzorientiertes und ganzheitliches Nachhaltigkeitsdenken aller involvierten Akteure in den Destinationen.“

      Und ich ergänze: Die „Gesamtpositionierung einer Destination“ ist dann erfolgreich, wenn sie von der einheimischen Bevölkerung getragen und akzeptiert wird. „Erfolgreich“ heisst in diesem Fall, wettbewerbsfähig sein und bleiben gegenüber anderen Destinationen, sowohl ökonomisch, sozial wie auch ökologisch. Fit und attraktiv und begehrenswert sein für Einheimische, Gäste und Unternehmer. Eine sehr spannende Dauer-Aufgabe für die Gesellschaft einer Destination! Lösbar mit geschickten Austauschprozessen und durch den regelmässigen Dialog aller Beteiligten im „Vier-Kreise-Modell“. Die regionale Strategie Agenda 2030 bildet den Rahmen, weil sie den Zielen der Nachhaltigkeit verpflichtet ist. In diesem Rahmen haben die Unternehmer und Einheimischen die Chance, Verantwortung zu übernehmen und das Zusammenspiel perfekt zu machen. Der heutige Internationale Tag der Berge motiviert zu „ich mache“, „ich packe an“, ich übernehme Verantwortung“, „ich bin dabei“!

      Mehr zum Thema:

      • ALLEGRA-Beitrag Nr. 41 „aus erster Hand“, siehe PDF
      • Schlusswort Internationaler Tag der Berge 2013, Richard Kämpf, Leiter Ressort Tourismus bei SECO, siehe PDF
      • International Mountain Day der UNO, siehe hier
      • Blog 91, 2. Oktober 2016, Blog 44, 18. November 2016
      • Agenda 2030, siehe PDF

      Spezielle Tage: 10.12.16, HFTGR - Talentschmiede (12)

      Schlüsselwörter: Academia, Tourismusfachschule, Nachwuchsförderung, Theorie und Praxis
      Tag 22, 10. Dezember 2016

      In meiner chronologischen Aufzählung von ausgewählten und prägenden, darum „speziellen Daten“, mache ich heute einen Abstecher zum heutigen Tag, mit Blick auf die letzten Jahre. Heute Samstag bin ich wieder einmal an der Höheren Fachschule für Tourismus (HFT) der Academia Engiadina in Samedan. Dort rede ich vor Interessent/-innen für die Tourismusfachschule und Begleitpersonen unter dem Titel „Erfahrungsbericht eines Touristikers“. Den teilweise von weit her Gereisten berichte ich von unserer Arbeit in der Tourismusorganisation, von Perspektiven und Möglichkeiten, zähle ihnen Anforderungen an die Arbeit auf und gebe ihnen persönliche Empfehlungen weiter.

      Ein Blick in meinen Kalender zeigt mir, dass ich allein während der letzten acht Jahre rund 80 Mal an der HFT war: Für Vorträge, Infotage (wie heute), Kolloquien, Aufnahmeprüfungen und die jährliche Auszeichnung der besten Diplomarbeit im Rahmen der würdigen Diplomfeier.

      In unserer Firma durften wir zahlreichen Absolvent/-innen der HFT ein Jahrespraktikum anbieten, einen „Praxistest“, wie wir jeweils sagen. Die künftigen Tourismusfachleute sollen herausfinden können, ob ihnen die Arbeit in einer DMO entspricht und wir können ihnen Feedback zu ihrem Einsatz, ihrem Engagement und ihrer Teamarbeit geben.

      Die folgenden Tourismusfachleute waren unsere Praktikant/-innen und/oder arbeiten teilweise langjährig bei uns. Sie haben die HFT alle erfolgreich absolviert: Michael Kirchner (Praktikant), Niculin Meyer (heute Stv. Direktor und Leiter Kommunikation), Dani Koller (Leiter Gäste-Information und Vertrieb), Dominik Täuber (heute Leiter Web), Angela Merkli (Produktmanagerin Marketing, heute Mitarbeiterin Gäste-Information), Beat Gamper (Praktikant und Mitarbeiter Gäste-Information), Simone Weber (Produktmanagerin Marketing und Vertrieb), Madeleine Papst (heute Produktmanagerin Marketing), Andrea Jung (Praktikantin), Nadja Camenzind (Praktikantin), Adilson Gomes (Praktikantin), Julia Gammenthaler (Praktikantin).

      Von der Zusammenarbeit zwischen Academia Engiadina und DMO TESSVM haben wir gegenseitig profitiert. Der Austausch zwischen Theorie und Praxis, zwischen Ausbildung und Arbeit, zwischen Nachwuchs und erfahrenen Arbeitskräften ist extrem wertvoll und eine tragende Säule im touristischen System.

      Mehr zum Thema:

      • Academia Engiadina, Höhere Fachschule für Tourismus Graubünden, siehe Internet
      • Blog 81, 78, 29

      Spezielle Tage: 27.11.13, Scuol und Zermatt top! (11)

      Schlüsselwörter: ÖV, Zusammenarbeit, Bergbahnen, Rhätische Bahn, PostAuto, Gemeinde, Pioniere
      Tag 23, 9. Dezember 2016

      Unser ÖV-System in der Ferienregion ist eindrücklich (Blog 92, 80). Und Scuol ist ausgezeichnetes Beispiel für die Vernetzung der Akteure: Gemeinde (Ortsbus), PostAuto, Rhätische Bahn, Bergbahnen, Tourismusorganisation. - Das Engagement im breiten Themenfeld des öffentlichen Verkehrs wurde am 27. November 2013 erstmals belohnt. Und zwar vom Verkehrsclub der Schweiz, dem VCS.  Im Rating wurden 25 Wintersportorte nach den Kriterien einer umweltgerechten Mobilität untersucht. Den ersten Platz teilten sich Scuol und Zermatt.

      Angesichts des weltweiten Klimawandels kann es einem ja ohnmächtig werden. Verzweifelt wird nach Rezepten gesucht, um die Erwärmung zu stoppen. Technisch wäre die Sache relativ einfach, wenn die Gesellschaft nicht wachsen, der Drang nach Wohlstand nicht zunehmen, die weltweite Mobilität nicht explodieren und der globale Tourismus in den nächsten Jahrzehnten rasant wachsen würde!

      So sagt die Weltorganisation für Tourismus (UNWTO) für die beiden kommenden Jahrzehnte ein anhaltendes Wachstum voraus. (Zitat) „Eine der zentralen Vorhersagen beinhaltet ein durchschnittliches Plus bei den jährlichen internationalen Touristenübernachtungen von 43 Millionen in den Jahren 2010 bis 2030. Für diese Zeit wird vermutet, dass mit rund 1,8 Milliarden Menschen international doppelt so viele Menschen verreisen werden und dass sich die Zahl von Inlandsreisenden sogar vervierfachen wird.“

      So gesehen mag es bescheiden erscheinen, wenn wir uns vor Ort dafür einsetzen, höchst attraktive Alternativen für den privaten motorisierten Verkehr anzubieten und zu kommunizieren. Soll sich etwas ändern, müssen Pioniere aber immer vorausgehen. Und die neuen Pioniere sind jene der Vernetzung. Auch im Öffentlichen Verkehr. Auch im ganz kleinen Raum und Rahmen.

      Mehr zum Thema:

      • VCS-Rating, hier
      • Bericht im BLICK, hier
      • Klimastrategie Graubünden, hier
      • Blog 80 und 92

      Spezielle Tage: 11.04.11, 100 Tage DMO (10)

      Schlüsselwörter: Aufbau, erstes Jubiläum, Erkenntnisse
      Tag 24, 8. Dezember 2016

      Am 1.1.11 startete die DMO in das erste offizielle Geschäftsjahr. Über die Gründung der DMO (am 17.8.10) und über die Vertragsunterzeichnung (am 13.12.10) habe ich in vorhergehenden Blogs geschrieben. Die 100 Tage-Marke erreichte die DMO am 11. April 2011. Zu diesem Ereignis organisierte die DMO eine Medienkonferenz, an welcher über erste Resultate, umgesetzte Marketingmassnahmen, Herausforderungen sowie nächste Schritte informiert wurde.

      Was im August 2006 mit „ersten Sondierungsgesprächen“ in Samnaun begann (siehe Blog 25), wurde am 1.1.11 operativ. Heute, 10 Jahre später, lässt sich folgendes feststellen:

      • Prozesse in Organisationen und Institutionen mit vielen externen Involvierten und Abhängigkeiten brauchen viel Zeit.
      • Der Markt entwickelt sich viel schneller, als dass wir mit Strukturanpassungen und weiteren Massnahmen in der Lage wären, schnell genug darauf zu reagieren.
      • Geschehnisse auf den Märkten vorhersehen ist möglich, aber es kommt immer anders, als man denkt. Darum stellt man sich in der Planung sinnvollerweise auf „Unsicherheit“ ein. Diese ist am Wahrscheinlichsten und schützt einem vor Überraschungen.
      • Was schon Alt-Bundesrat Leuenberger sagte hat sich auch bei uns bestätigt: „Die Geschwindigkeit bestimmt das Ergebnis des Prozesses“. Das Tempo lässt sich nicht x-beliebig bestimmen, man darf keinen Schritt auslassen. Oder, nochmals Leuenberger: „Eine Rosenknospe muss selber erblühen, sie kann nicht aufgebrochen werden". Oder schliesslich, wie ein afrikanisches Sprichwort sagt: „Das Gras wächst nicht, wenn du daran ziehst“.
      • Wer die 100 Tage nicht schafft, schafft auch nicht 2‘168 Tage. So alt ist die DMO heute.


      Mehr zum Thema:

      Spezielle Tage: 13.12.10, Sitzung Nr. 1 des VR der DMO (9)

      Schlüsselwörter: Aufbau, Konstitution, Verwaltungsrat, Strategie
      Tag 25, 7. Dezember 2016

      Am 21. August 2006 fanden in Samnaun die ersten Sondierungsgespräche zum Aufbau der Destinationsmanagement-Organisation (DMO) statt. Gut vier Jahre später, am 13. Dezember 2010 hielt der Verwaltungsrat (siehe Blog 28) seine erste und damit seine konstituierende Sitzung statt. Geleitet wurde sie durch den langjährigen Strategieberater, Daniel Fischer aus Bern.

      An dieser Sitzung wurde folgendes erledigt:

      • Der Verwaltungsrat wurde gewählt und er konstituierte sich
      • Der DMO-Vertrag wurde für die ersten vier Jahre formell unterzeichnet
      • Das Budget 2011 wurde genehmigt
      • Der Finanzplan 2011 – 2014 wurde genehmigt
      • Die Balanced Scorecard (BSC) 2011 wurde genehmigt
      • Der Marketingplan 2011 wurde genehmigt
      • Die folgenden Dokumente wurden ebenfalls genehmigt: Organisationsreglement, Führungsprozess, Organigramm, Business Plan, Ziele 2011


      Damit war der Weg auch formell frei für die Arbeit der DMO. Seit dann traf sich der Verwaltungsrat zu 46 Sitzungen. Am 9.12.16 findet die 47-ste Sitzung statt, gleichzeitig meine letzte. Fast auf den Tag genau kann die DMO damit ihren sechsten Geburtstag feiern. Sie ist mehrheitlich etabliert, der Verwaltungsrat stabil und professionell im Amt, die Arbeit des TESSVM-Teams ist geprägt durch kontinuierliche und konsequente Arbeit, die Strategie ist bis Ende 2018 fixiert. Gute Voraussetzungen für die nächsten Jahre.

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      Spezielle Tage: 15.11.10, „Gspunna“ (8)

      Schlüsselwörter: Marke graubünden, gemeinsame Kraft, Marketing, TV-Spot
      Tag 26, 6. Dezember 2016

      Ohne Marke graubünden gäbe es keine Destinationsmarke Scuol Samnaun Val Müstair, ohne Destinationsmarke gäbe es keinen gemeinsamen Werbespot mit Gian und Giachen, den beliebten Bündner Steinböcken. Sie sind gemäss Marktforschung das beliebteste neu geschaffene Werbesujet in der Schweiz. Und sie sind für die weit überdurchschnittliche Bekanntheit von Graubünden gegenüber jeder anderen Ferienregion verantwortlich.

      Es war für uns klar, dass wir als DMO auf diesen fahrenden „Intercity-Zug“ aufspringen wollten. Und so starteten wir im Herbst 2010 bereits vor dem offiziellen DMO-Start mit dem Wintermarketing 2010/11 als Destination. Am 15. November wurde der Spot erstmals ausgestrahlt, mehrere hunderttausend Franken wurden in die Herstellung und die Ausstrahlung investiert. Koordiniert, aus einer Hand, mit der ganzen Kraft einer einzigen Tourismusorganisation für die ganze Nationalparkregion markierte dieser Tag den Start eines neuen Werbezeitalters.

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      Spezielle Tage: 6.10.10, Postauto-Taufe (7)

      Schlüsselwörter: Öffentlicher Verkehr, Postauto, Kooperation, Zeichen setzen
      Tag 27, 5. Dezember 2016

      „Gnit cun mai!“ steht auf dem weissen Postauto mit der unverkennbaren gelben Front. „Kommt mit mir!“ Als Zuruf und Motivation für die Gäste, aber auch für die Einheimischen. Denn die Fahrplandichte und damit das Angebot des Öffentlichen Verkehrs ist nicht nur davon abhängig, wie dieses durch die Gäste genutzt wird, sondern auch, wie die Einheimischen dazu stehen. Und die einheimischen Nutzer können nicht nur Schüler und ältere Menschen sein, sonst wird das Angebot rasch ausgedünnt. Ein ÖV-Angebot während den Pendlerzeiten am Morgen und am Abend genügt nicht als Argument für ein attraktives ÖV-Angebot in einer Ferienregion! Dazu gehört viel mehr (siehe Blog 92).

      Das „eigene Postauto“, resp. das Postauto im Markendesign der Ferienregion Engadin Scuol ist ein Bekenntnis der DMO zum Öffentlichen Verkehr und auch zum nationalen Pilotprojekt «Ferien ohne Auto», in welchem wir uns engagierten.

      Die Zusammenarbeit zwischen uns und den Leistungserbringern des öffentlichen Verkehrs sowie mit den Bergbahnen war immer eng und gut und soll es auch bleiben. Wir sind gemeinsam vom Wert der öffentlichen Erschliessung auch mit Blick in die Zukunft überzeugt. Darum haben wir das Postauto mit Kindernamen verziert und es am 6. Oktober 2010 zusammen mit Kindern getauft. Und darum geben wir seit Mai 2010 als Ersatz für den bis dahin im ALLEGRA (dem regionalen Info- und Veranstaltungsmagazin) integrierten Neunseitenfahrplan einen umfassenden separaten regionalen 70-seitigen Fahrplan heraus.

      Mehr zum Thema:

      • Taufe des Postautos, Bilder
      • Medienmitteilung Postauto-Taufe, 6.10.10, siehe PDF
      • Medienmitteilung regionaler Fahrplan, 28.5.10, siehe PDF
      • Zum ÖV-Engagement der DMO, siehe Blog 92 vom 1. Oktober 2016

      Spezielle Tage: 17.08.10, Gründung der DMO (6)

      Schlüsselwörter: Strukturbereinigung, DMO, Kader, Direktor, Handelsregister, definitiver Entscheid
      Tag 28, 4. Dezember 2016

      In meiner Aufzählung der „speziellen Tage“ während meiner Zeit hier in der Nationalparkregion bin ich bei einem Markstein angelangt: Der Gründung der DMO. DMO steht für Destinationsmanagement-Organisation (DMO). Und gemeint ist die DMO mit dem langen Firmenamen Tourismus Engadin Scuol Samnaun Val Müstair AG (TESSVM). Der Firmennamen spielt bei der Vermarktung keine Rolle. Er ist, wie geschrieben, nur der Firmennamen und steht so im Handelsregister. Die formelle Gründung markierte den Abschluss der jahrelangen Vorbereitung – die ersten Gespräche zur Destinationsentwicklung fanden im August 2006 statt; also vier Jahre vor diesem offiziellen Schritt.

      Der Aufbau der DMO erfolgte im Rahmen des kantonalen Tourismusprojektes des Departementes für Volkswirtschaft und Soziales (DVS), welches sehr weitsichtig und getrieben durch den härter werdenden Markt das grosse Aufgaben- und Strukturbereinigungsprojekt durchzog (2006 - 2013). - Der Markt lieferte somit die faktischen Argumente zum gemeinsamen Vorgehen, der Kanton den Rückenwind durch die unterstützende Begleitung und das (heute noch gültige!) Know-how beim Amt für Wirtschaft und Tourismus (AWT).

      Mit der Gründung war der erste Verwaltungsrat der DMO definitiv im Amt: Theo Zegg, Verwaltungsratspräsident, Christian Rainer, Verwaltungsrats-Vizepräsident, Kurt Baumgartner, Philipp Gunzinger, Mario Jenal, Hans Kleinstein, Andrea Könz, Arno Lamprecht, Simon Rohner. Der Verwaltungsrat besetzte die neun Kaderstellen. Als Geschäftsführer wurde ich als Direktor eingesetzt. Die DMO beschäftigte damals 39 Personen und nahm ihre operative Tätigkeit am 1. Januar 2011 auf.

      Die drei Aktionäre der DMO waren – und sind immer noch – die Engadin Scuol Tourismus AG (ESTAG) mit 49% Anteil am Aktienkapital, Samnaun Tourismus mit 41% und die Gemeinde Val Müstair mit 10%.

      Damit war der Weg frei für eine enge operative Zusammenarbeit im Tourismus der Nationalparkregion. Administrativ/organisatorisch wurde alles zusammengelegt: Personalwesen, Buchhaltung, Finanzen, Versicherungen, EDV-Anwendungen, etc. Und das Marketing wurde bereits auf den Winter 2010/11 gemeinsam ausgerichtet. So konnte künftig gemeinsam und abgestimmt gemacht werden, was bisher separat gemacht wurde. Die Synergien waren vom ersten Moment an offensichtlich.

      Leider wurden die Rahmenbedingungen im August 2011 mit dem Absturz des EURO dramatisch, was sich auch auf die Entwicklung der Logiernächte in der Destination auswirkte. Diese werden immer wieder als Resultat der DMO-Arbeit beurteilt, dabei sind sie das Resultat der Hotellerie. Und auf die Strategie der Hotellerie hat die DMO wenig Einfluss. Wenn, dann im Bereich des Marketings. Dieses vermag aber z. B. nicht zu kompensieren, was mit Hotel-Schliessungen an Logiernächten verloren wird oder was betrieblich durch Nicht-Zusammenschlüsse eingespart wird.

      Wie auch immer: Seit dem 17.8.10 hat die Nationalparkregion eine DMO. Damit eine Organisation mit einer Strategie und mit einem Budget. Was wäre, wenn die drei Ferienregionen Engadin Scuol, Engadin Samnaun und Engadin Val Müstair heute immer noch alles separat und alleine machen müssten?

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      Spezielle Tage: 23.6.09, LAP bestanden! (5)

      Schlüsselwörter: Nachwuchsförderung, KV, Lehrabschluss, Verantwortung, Gesellschaft
      Tag 29, 3. Dezember 2016

      Es ist ein sehr spezieller Moment, wenn die erste Lehrtochter ihre Lehrabschlussprüfung besteht und den ersehnten Bestätigungsbrief erhält. Dies war am 23. Juni 2009 der Fall. Das ganze Büro war aus dem Häuschen und stolz. Stolz auf Amira Kleinlercher, welche ihren ersten beruflichen Erfolg feiern konnte.

      Den Wechsel von der Sekundarschule Scuol in die Berufsausbildung und in die Berufsschule schaffen, sich im neuen Umfeld behaupten, Selbständigkeit lernen, arbeiten und lernen und Freizeit unter einen Hut bringen, den Schritt von der Schülerin zur Lernenden machen, an der Persönlichkeit arbeiten, den „Aktionsradius“ erweitern, Pläne schmieden für die Zukunft, weitere Lebenserfahrungen machen, Mit Aufs und Abs umzugehen lernen, das alles kommt in der Lehre alles zusammen. Sehr anspruchsvoll, finde ich!

      Amira hat es geschafft, die Stabübergabe an die nächste Lernende ist erfolgt und stand unter einem guten Stern: Tanja Fanzun konnte unter guten Vorzeichen übernehmen. – Amira hat heute einen tollen Job im Unterland. Der Tourismus hat sie verloren, was schade ist. Es gibt keine Garantie, dass die Lernenden im Tourismus bleiben. Trotzdem bleibt Nachwuchsförderung eine zentrale Aufgabe für uns als DMO. Im Interesse der Gesellschaft der Region, der jungen Menschen, der Branche.

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      • Blog 78, 15. Oktober 2016

      Spezielle Tage: 1.4.08, Medienkonferenz mit Adeligen (4)

      Schlüsselwörter: Schloss Tarasp, Medienkonferenz, Prinz und Prinzessin, Not Vital
      Tag 30, 2. Dezember 2016

      Vor ca. 25 Jahren durfte ich in meiner damaligen Funktion als Geschäftsleiter des Kur- und Verkehrsverein Vals-Valsertal (heute Visit Vals) eine Medienkonferenz organisieren. Ich habe sie nie vergessen: Wir luden in das Architekturbüro Zumthor in Haldenstein ein und Meister Peter Zumthor referierte über seine Pläne für die heute weltberühmte Therme Vals. Es war meine erste. Und bis heute eine der interessantesten.

      Auch eingeprägt hat sich in meiner Erinnerung jene vom 1. April 2008. Ohne Scherz. Für Ihre Durchlaucht Prinzessin Mafalda und Prinz Philipp von Hessen bei Rhein, Schlossbesitzer, Christian Fanzun, Gemeindepräsident Tarasp, Barbara Janom Steiner, Regierungsrätin Graubünden, Jon Fanzun, Schlossverwalter und Rolf Zollinger, Stiftungsratspräsident Pro Chastè durften wir den Anlass organisieren. Spannend, plötzlich mit Prinz und Prinzessin und weiteren „Adeligen“ auf einem Märchenschloss zu tun zu haben. Auf dem zweitbekanntesten Schloss der Schweiz, wie wir damals behaupteten (nach Schloss Chillon).

      Ohne Zweifel: Schloss Tarasp ist ein Kulturgut erster Klasse. Entsprechend nervös waren wir mit der Organisation beschäftigt und die Protagonisten mit den Inhalten der Konferenz. Es ging um nichts Geringeres als um den Verkauf des Schlosses. Zentraler Inhalt der Medienorientierung: „Die Familie von Hessen einigt sich mit der Gemeinde Tarasp auf eine Vereinbarung zum Verkauf des Unterengadiner Wahrzeichens an eine Stiftung. Verkaufspreis: 15 Millionen Franken.“ Bedingung: Das Geld kommt innerhalb von vier Jahren zusammen und das Schloss bleibt öffentlich zugänglich.

      Mit Adeligen hatte ich seither nie mehr zu tun. Mit wichtigen Leuten schon. Und mit solchen, die etwas zu sagen haben. Aber das ist ja bekannterweise weder an Titel noch an Funktionen gebunden. - Seit Frühling 2016 ist übrigens Not Vital Schlossherr und die Zugänglichkeit zum Schloss ist gewährleistet. Zwar nicht vier Jahre nach dem Verkaufsvertrag und nicht für 15 Millionen Franken, aber immerhin: Die Zukunft ist gesichert. Und wie!

      Mehr zum Thema:

      Spezielle Tage: 26.2.08, VR-Entscheid Marke graubünden (3)

      Schlüsselwörter: ESTAG, Marke, Eigenständigkeit, gemeinsam statt einsam, Synergien
      Tag 31, 1. Dezember 2016

      Der Verwaltungsrat der ESTAG entschied am 26.2.2008 für die Marke graubünden. Wahrlich ein spezieller Tag. Es waren Christian Rainer (Präsident), Simon Rohner (Vizepräsident), Leta à Porta, Kurt Baumgartner, Philipp Gunzinger, Rudolf Pazeller und Egon Scheiwiller, welche die Weichen stellen. Dem Entscheid ging eine interessante Diskussion voraus. Gestaltungs- und Namensvorschläge lagen vor. Der Verwaltungsrat konstatierte, „dass eine gewisse Eigenständigkeit abgegeben wird“, die es zu berücksichtigen gelte. Es wurde auch an die Schwierigkeiten erinnert, die es im Zusammenhang mit dem Aufbau und der Einführung der Marke ENGADIN/Scuol gab. Diese Geschichte kannte ich nicht, sie hatte aber offenbar ihre Spuren hinterlassen… Auch erwähnt wurde, dass der gemeinsame Auftritt auf jeden Fall Sinn mache. „Die gemeinsame Bildsprache ist aber auch sehr wichtig mit immer wieder den gemeinsamen Sujets“, lese ich im Protokoll. Wie wahr.

      Für die Partner Val Müstair und Samnaun gab es auch Aufmerksamkeit! Sie sollten auch mitreden können, wurde empfohlen. So entschied der Verwaltungsrat mit Blick in die Nachbartäler „im Grundsatz für die Anwendung der Marke graubünden. Mit den Partnern ist der Prozess abzusprechen“.

      So starteten wir im Mai 2008 mit der Umsetzung, „rollend“, ohne zusätzliches Budget. Eine Anwendung nach der anderen wurde angepasst. Das Val Müstair war schon mit dabei, in Samnaun dauerte es noch zwei Jahre bis zum Wechsel. Heute ist Scuol Samnaun Val Müstair ein etabliertes Mitglied der Marke graubünden. Jeder Ferienort, viele Events und Attraktionen haben von der kantonalen Entwicklung sehr profitiert und jede Menge Geld gespart, weil nicht selber in Regelwerke und Bekanntheit investiert werden musste.

      Mehr zum Thema:

      Spezielle Tage: 1.1.07, Start neue Angebotsentwicklung (2)

      Schlüsselwörter: Kontinuität, das Angebot ist entscheidend, rasche Erfolge
      Tag 32, 30. November 2016

      Der Prozess "Allegra in Svizra" hat dazu geführt, dass bei der ENGADIN/Scuol Tourismus AG eine neue 100%-Stelle "Angebotsantwicklung" geschaffen wurde. Der Verwaltungsrat der ESTAG hat den entsprechenden Entscheid im Jahr 2006 gefällt, um die Nachhaltigkeit von "Allegra in Svizra" zu gewährleisten. Regula Bollier, Naturwissenschafterin, wurde als Erste in dieses Amt gewählt. Sie trat ihre Stelle am 1. Januar 2007 an.

      Ausgangslage für die Arbeit von Regula Bollier war eine SWOT-Analyse (Stärken, Schwächen, Chancen, Gefahren) für alle Unterengadiner Feriendörfer. Daraus wurde der Handlungsbedarf abgeleitet. Aufgrund von weiteren Kriterien wurden Teilprojekte bestimmt und priorisiert. Und dann Massnahmen abgeleitet. Diese wurden in Zusammenarbeit mit Partnern und mit den Gemeinden umgesetzt. Bereits im Jahr 2007 wurden zahlreiche Teilprojekte umgesetzt:

      Die Sommerkarte wurde neu aufgelegt und das Gästeprogramm weiter entwickelt. Damals entstanden Ferientipps wie «Exkursion God da Tamangur», «botanische Exkursion in die Terrassenlandschaft von Ramosch», «Auenexkursion Ischla da Strada», «Exkursion Warzenbeisserweg». Diese Exkursionen hatten zum Ziel, den Gästen die Natur und Kultur der Ferienregion Engadin Scuol näher zu bringen. Winterkarte und Loipenkarte folgten, auch das Gästeprogramm Winter 2007/2008. Neue Winterangebote waren «Nachtwanderung mit Sternen beobachten», «Der Natur auf die Schliche kommen: Spuren suchen und lesen im Schnee», «Schneekristalle und Musik», «Wo das Unterengadin zu entdecken ist».

      Weiter erwähnenswert ist die Umsetzung der Signalisation der Winterwanderwege in Susch, Lavin, Ftan, Sent, Scuol und Tschlin. Später folgten dann auch Guarda, Ardez und Ramosch. Im Sommer wurden die neuen regionalen Bike-Routen 442 von Susch bis Martina und 443 Samnaun-Val d’Uina-Nauders-Martina umgesetzt. Auch das Projekt Nordic Walking kam in die Umsetzungsphase. Parallel dazu wurden die Sommerwanderwege laufend überprüft und bei Mängeln Gemeinden beauftragt, diese zu beheben. Besondere Probleme boten damals die Signalisation und Wege «Motta Naluns-Fourcla Champatsch», «Foura da l’Aua», «Nalains» sowie «Avrona».

      Das erste Jahr Angebotsentwicklung bewies, dass es richtig war, „Allegra in Svizra“ in eine angepasste Betriebsphase zu überführen und dass der Fokus auf das Angebot durch eine Tourismusorganisation richtig ist.

      Mehr zum Thema:

      • Geschäftsbericht ESTAG, Seite 10/11, siehe PDF

      Spezielle Tage: 16.11.06, Milestone „Allegra in Svizra“ (1)

      Schlüsselwörter: Allegra in Svizra, Angebot, Qualität, Auszeichnung
      Tag 33, 29. November 2016

      Vor 10 Jahren, am 16.11.2006 wurde Engadin Scuol zusammen mit Lenzerheide-Valbella, Villars-Gryon und Zermatt für den 2. Platz beim Tourismuspreis Milestone für das Enjoy Switzerland-Pilotprojekt ausgezeichnet. 2003 hatten sich die vier Destinationen entschieden, in das Angebot zu investieren. Das Projekt lief von 2004 bis 2006. „Enjoy Switzerland“ hiess damals bei uns „Allegra in Svizra“.

      In einem Interview wurde ich gefragt, was das wichtigste Resultat aus dem Enjoy Switzerland-Prozess für Scuol war.

      Meine Antwort
      :
      „Ein gutes Produkt ist das beste Marketing und lässt sich am Besten über die Qualität beeinflussen (Betriebs-Qualität, Destinations-Qualität). Ein qualitativ gutes Produkt ist auch Voraussetzung für Mundpropaganda. Gemäss Reisemarkt-Studie der Uni St. Gallen ist Mundpropaganda das wichtigste indirekte Kommunikations-Instrument. Laut Forschungs-Institut für Freizeit und Tourismus an der Universität Bern ist die Integration von Angebotsgestaltung und -entwicklung bei den Tourismusorganisationen ein Muss. Der Prozess "Allegra in Svizra" (wie Enjoy Switzerland bei uns heisst) hat dazu geführt, dass bei der ENGADIN/Scuol Tourismus AG eine neue 100 %-Stelle "Angebots-Entwicklung" geschaffen wurde. (…)“

      Weiter wurde ich gefragt, was für Auswirkungen Enjoy Switzerland auf das Engagement der lokalen Bevölkerung und des Gewerbes ausserhalb des Tourismus hatte.

      Meine Antwort:
      „Im Rahmen von monatlichen Sitzungen hat man sich über die Grenzen des Tourismus hinweg mit der Angebots-Entwicklung befasst, was neu war/ist. Es ist eine Gesprächskultur entstanden, welche einen einfacheren und rascheren Dialog ermöglicht. Initiiert durch Allegra in Svizra finden auch nach Projekt-Abschluss solche Sitzungen statt. Am 13. November 2006 z. B. eine Sommer-Auswertungs-Sitzung, an welcher alle Gäste-Rückmeldungen und weiteren Beobachtungen besprochen und Schlussfolgerungen für den Winter und den nächsten Sommer formuliert werden.“

      Damals wie heute - nach 10 Jahren - gilt unverändert: „Ein gutes Produkt ist das beste Marketing!“

      Mehr zum Thema:

      • Milestone-Auszeichnung am 16.11.06 in Bern, siehe Foto

      Strategie: Wir sind nur die Werbeagentur (3/3)

      Schlüsselwörter: Konsens, Erwartungen, Management, Rollen, Fazit
      Tag 34, 28. November 2016

      In den vergangenen Jahren habe ich oft gehört: „Ihr müsst unsere Positionierung schärfen!“, „macht uns bekannter!“, „kommuniziert das Richtige!“, „kommuniziert nebst den Themen X bitte auch noch Y und Z!“, „macht mehr für die Jugend!“, etc. - Erwartungen und Wünsche gab es jede Menge. Wir konnten sie nur teilweise erfüllen. Was aber erklärbar ist: „Im Auftrag der Aktionäre fördert die TESSVM primär national sowie international die Nachfrage nach touristischen Angeboten und Leistungen. Vor Ort ist die TESSVM zusammen mit allen Akteuren für die Angebotsentwicklung und Gästebetreuung zuständig.“, steht in unserem Porträt und sinngemäss auch im Destinationsvertrag.

      Das heisst, wir sind eher eine Werbeagentur als eine Destinationsmanagement-Organisation (DMO). Von Management der „Destination“ im Sinne von „Region“ kann kaum die Rede sein. „Management“ ist viel mehr die Aufgabe der politischen Regionalorganisation (der Gemeinden) und/oder der Regionalentwicklung; gemeinsam mit weiteren Akteuren. Wir haben entsprechend wenig direkten Einfluss auf das Angebot und dürfen uns auf die Kommunikation der Top- und Subthemen konzentrieren. Bei allen Herausforderungen, welche das Credo „Vielfalt einfach kommunizieren“ auf den Informations-überfluteten Märkten bietet.

      Als Werbeagentur – oder bleiben wir bei einem touristischen Begriff – als Tourismusorganisation – sind wir darauf angewiesen, dass die Themen mit einer sehr soliden Angebotsbasis entwickelt werden. Gemeinsam, in Zusammenarbeit aller Partner, welche Einfluss haben und Verantwortung übernehmen können. Dies wiederum heisst: Konsens und gemeinsame Ausrichtung auf Ziele. Dass dies ein Kraftakt ist, hat die Adula-Abstimmung bewiesen und der „Knatsch in der Val Müstair“ ist auch so offensichtlich, dass „Die Südostschweiz“ entsprechend kommentiert hat.

      Aus DMO-Sicht gibt es ein wichtiges Fazit: „Gegen innen einen, gegen aussen stärken.“ Was Regierungs-Vizepräsidentin Barbara Janom Steiner auch den Romanen anlässlich der letzten Delegiertenversammlung vielsagend mit auf den Weg gegeben hat. – Es gibt keine Alternative für einen erfolgreichen Weg in kleinen Räumen.

      Mehr zum Thema:

      • Die DMO TESSVM stellt sich vor, www.tessvm.ch/inside
      • Blog 48, Unsere DNA
      • Blog 68, Strukturen: Es gibt Handlungsspielraum
      • Blog 69, Wer macht eigentlich was?
      • Blog 90, Die Festa da racolta, die ganze Kraft des Val Müstair

      Strategie: Im Val Müstair unklar (2/3)

      Schlüsselwörter: Adula, Samnaun, Engadin Scuol, Val Müstair, Fundament
      Tag 35, 27. November 2016

      Am Tag des Nein zum Nationalpark Adula gibt es live Anschauungsunterricht, was Nichtkonsens in den Regionen bedeutet: Ein Scherbenhaufen. Die Folge: Zurück auf Feld eins, Emotionen abbauen, auskühlen, sich zusammenraufen, die neue Ausgangslage gemeinsam erkennen, akzeptieren und als Basis nehmen für die Gestaltung der Zukunft. Womit wir beim ersten Punkt wären, der für die Strategie-Entwicklung wichtig ist: Ohne tragfähiges Fundament geht gar nichts oder, wie ich gestern formulierte:

      „Es besteht Konsens über die Ausgangslage und über den Stand der Dinge.“ Dies ist im Fall von Samnaun recht einfach, denn hier haben wir zwei Top-Themen: Ski Alpin und Zollfrei einkaufen. Dies führt zum Claim „Samnaun, DAS Berg- und Einkaufserlebnis“. Ski und Zollfrei sind im Lead, alles andere wird untergeordnet und das ist gut so. Denn mehr ist nicht möglich und macht auch nicht wirklich Sinn.

      In Engadin Scuol ist es anspruchsvoller: Im Gegensatz zur Surselva haben wir glücklicherweise seit 100 Jahren einen Nationalpark. Er bleibt auf nicht absehbare Zeit der Einzige ist damit sehr exklusiv in der Schweiz. Dazu kommen die Themen Wellness (1843 erste Trinkhalle) und Gesundheit (Gesundheitsregion seit 2011) sowie die unverwechselbaren Engadiner Dörfer mit ihrer romanischen Kultur.

      Im Val Müstair ist die Ausgangslage ungeklärt: Mehrere Gruppierungen engagieren sich für ihre Themen. Sie reichen von Langlauf (Tour de Ski, Investitionen bisher rein Cash rund 3 Mio. Franken), Ski (Minschuns seit 40 Jahren), UNESCO-Kloster St. Johann Müstair seit 775 n. Christus (1241 jährig!), seit 1983 UNESCO-Welterbe) und Biosfera (Naturpark seit 2010, der vierte Geschäftsführer hat gerade gekündigt), bis zu zahlreichen Subthemen wie Sternwarte Lü Stailas, Kultur, Mountainbike, einheimische Produkte, etc. Etwas viel für ein Tal mit 1600 Einwohnern und (sehr) knappen Ressourcen.

      Der Stabilität des Fundamentes entsprechend ist es in den drei Subregionen auch unterschiedlich „stabil“ bezüglich Zielen, Vorgehen, Zuständigkeiten und Kommunikation: Während in Samnaun und in Engadin Scuol die Stossrichtungen klar sind und über Inhalte diskutiert wird (sehr wohl auch kontrovers, aber vor geklärtem Hintergrund), ist im Val Müstair wenig klar. Hier ist zwar nicht gerade eine Nationalpark-Abstimmung gescheitert, aber mit der Demission von Ulf Zimmermann gibt es doch mehr Fragezeichen als Klarheit (für den neu gewählten Gemeinderat). Darum gilt auch dort das Gleiche: Zurück auf Feld eins, Emotionen abbauen, auskühlen, sich zusammenraufen, etc. etc.

      Mehr zum Thema:

      • Unsere DNA, Blog 48, 14. November 2016

      Strategie: Auf was kommt es an? (1/3)

      Schlüsselwörter: Strategie, Vorgehen, Voraussetzungen, Konsequenzen
      Tag 36, 26. November 2016

      Über die Stärken der Destination, oder gar über die alles bestimmende „DNA“ unserer Ferienregion, über die darauf aufbauende Strategie und über die Umsetzung habe ich schon in mehreren Blogs geschrieben. Zur Nachlese in den Blogs an den Tagen 69, 68, 53, 46, 48. Das Thema lässt mir keine Ruhe! Darum beschäftige ich mich nochmals damit. Dieses Mal geht es mir nicht um inhaltliche Fragen, sondern darum, wie man überhaupt zu einer tragfähigen Strategie kommt. Was selbstverständlich scheint, ist in der Praxis nicht selbstverständlich. Die Geschichte und die Diskussion im Val Müstair beweist dies exemplarisch.

      Eine Strategie ist meiner Meinung nach unter diesen Voraussetzungen tragfähig und umsetzbar:

      • Es besteht Konsens über die Ausgangslage und über den Stand der Dinge.
      • Es besteht Konsens über die Ziele, welche bis zu definierten Zeitpunkten erreicht werden müssen.
      • Es besteht Konsens über die zentralen Elemente des Vorgehens (Strategie).
      • Es besteht Konsens über Zuständigkeiten, wer was macht/erreichen muss und wer bis wann für was verantwortlich ist.
      • Es besteht Konsens darüber, wie die Kommunikation organisiert ist: Wer gibt gegenüber wem Auskunft?, wer diskutiert wann mit wem?, wer muss gegenüber wem Bericht erstatten?

      Wenn eines oder mehrere Kriterien nicht erfüllt sind, entstehen auf den verschiedenen Ebenen Missverständnisse, Machtspiele, Teilstrategien, eigene Interpretationen, Seilschaften, neue Wahrheiten, unterschiedlich ausgelegte Spielregeln und Desinformation der verschiedenen Gruppierungen und Einheimischen. Wenn man im Schlaraffenland lebt und tun und lassen kann, was man will, spielt dies alles nicht so eine Rolle. Auch nicht, wenn man alleine auf einer Insel oder im Urwald lebt. Je kleiner aber der Handlungsspielraum aufgrund von wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, von vorhandenen und verfügbaren personellen und finanziellen Ressourcen und von wenig beeinflussbaren Abhängigkeiten ist, desto wichtiger ist die Erfüllung und Einhaltung der oben genannten Kriterien. Morgen werfe ich einen Blick hinter die Kulissen unserer drei Ferienregionen und am Montag ziehe ich ein Fazit für unsere Destination.

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      Ausgejammert: Aber nicht an diesem TAG! (3/3)

      Schlüsselwörter: Finanzierung, Tourismusabgabe, Abstimmung, schwarzer TAG
      Tag 37, 25. November 2016

      Der 25. November 2012 war ein ganz schwarzer Tag in meiner Graubünden-Zeit. Das Volk hat damals das Tourismusabgabengesetz (TAG) mit 65% Nein bachab geschickt. Das bürgerliche Komitee mit vor allem FDP- und SVP-Vertretern hat das Referendum ergriffen und die im Grossen Rat wenig bestrittene Vorlage versenkt. Nichts half: Nicht das Manifest der Tourismusverantwortlichen, nicht die Fakten (z. B. ein Gesetz anstatt 120), nicht das breit abgestützte Pro-Komitee, nicht die über 100 positiven Gemeindepräsidenten, nicht die Leserbrief-Flut, nicht die Informations- und Aufklärungsveranstaltungen, nicht mahnende Worte beispielsweise von Reto Küng („guten TAG, gute Nacht Graubünden“).

      Ob das Volk in dieser Sache richtig entschieden hat, bezweifle ich. Dass die Finanzierung des Tourismus immer noch nicht einfach und fair gelöst ist, ist hingegen offensichtlich. Den Gegnern von damals darf dies nicht egal sein, denn sie haben Graubünden einen Bärendienst erwiesen, meine ich. Seit dann muss nun jede Gemeinde die Finanzierung ihres Tourismus aufwändig selber organisieren, respektive nach den Fusionen harmonisieren. Dabei geht es um nicht weniger als um die Finanzierung von Infrastrukturen (und deren Unterhalt), Veranstaltungen, Marketing, Gäste-Information, neue Projekte, etc. Der Aufwand ist gewaltig: Sitzungen, Studien, Expertisen, Absprachen, Vernehmlassungen, etc.

      Ja, diesen schwarzen TAG habe ich schlecht verdaut. Dabei ist es ein Trost, dass bei uns Ftan und Tschlin damals ja gesagt haben und Lavin unentschieden war. Das macht Mut für die Abstimmungen im Unterengadin, die hoffentlich nächstes Jahr anstehen! Und den Gegnern von damals können wir heute vermutlich plausibler erklären, dass es höchste Zeit ist, den Bürokratie-Stopp endlich durchzusetzen und die knappen Ressourcen in schlaues Marketing in offenen globalen Märkten zu investieren, damit Graubünden wieder steinbockstark und wettbewerbsfähig wird!

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      Dieser Blog erscheint heute auch als Kolumne in der Südostschweiz.

       

       

      Finanzierung: Ist uns nicht egal! (2/3)

      Schlüsselwörter: Vorteile, Nachteile, Systemwechsel, Angebot, Frequenzen, Infrastruktur, Werbung
      Tag 38, 24. November 2016

      Aus der Kurtaxe solle eine Gästetaxe werden und aus der Tourismusförderungsabgabe eine Tourismusförderungstaxe. Soviel zu den neuen Ausdrücken. Basis für die neue Finanzierung ist immer noch das Kantonale Gesetz über Gemeinde- und Kirchensteuern von 1974, resp. 2006, welches es den Gemeinden ermöglicht, eine Gäste- und Tourismusförderungstaxe zu erheben.

      Wie gestern geschrieben wäre das neue System fairer, weil alle Steuerpflichtigen ihre Abgaben dem Angebot entsprechend (Zimmer, Quadratmeter, etc.) sowie nach der wirtschaftlichen Tätigkeit (Abhängigkeit, Wertschöpfung) entrichten würden und nicht mehr erfolgsabhängig nach schwankenden Frequenzen. Dazu wäre das neue System durch die weit gehenden Pauschalierungen einfacher, die Beträge wären kalkulier- und budgetierbar, Schlupflöcher könnten geschlossen werden und die Abgaben würden bei höherer Auslastung verhältnismässig tiefer, was einem Anreiz entspricht und die Regionen bei positiver Entwicklung stärkt.

      Tönt alles gut. „Doch wo sind denn die Nachteile?“, werden kritische Leser/-innen denken! Es gibt sie schon! Wer eine tiefe Auslastung hat, bezahlt künftig mehr. Wer bisher sehr wenig bezahlt hat, z. B. für seine Ferienwohnung, bezahlt künftig mehr. Fraktionen mit bisher tiefen Kurtaxenansätzen, müssen mit einer Anpassung rechnen. Ausländische Unternehmen bezahlen zu Hause ihre Abgaben und können bei uns nicht nochmals besteuert werden; umgekehrt gilt ja das Gleiche. An der Kantons-/Landesgrenze endet somit die Fairness. - Es gibt also durchaus kritische Punkte, die zu berücksichtigen sind.

      Es muss folglich viel Informations-, Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit geleistet werden. Die Gemeinden haben die Führungsaufgabe übernommen, wie bei jedem Gesetz. Wir vom Tourismus arbeiten engagiert mit, weil wir vom Sinn dieser Arbeit überzeugt sind: Es kann uns nicht egal sein, wie die Finanzierung des Tourismus organisiert ist! Denn das Angebot vor muss unterhalten und punktuell erweitert und entwickelt werden. Die Werbeaktivitäten in den Märkten werden noch wichtiger, je grösser der Wettbewerb ist. - Es geht schlicht um die Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit unserer Destination!

      Mehr zum Thema:

      • Gesetz über die Gemeinde- und Kirchensteuern, Artikel 22 und 23, siehe Internet

       

       

      Finanzierung: Warum jetzt ändern? (1/3)

      Schlüsselwörter: Kurtaxengesetz, Logiernächte, Frequenzen, Erfolg, Angebot
      Tag 39, 23. November 2016

      „Jede Gemeinde hatte ein Kurtaxengesetz. Und je Gemeinde gab es auch einen Verkehrsverein. (…)“ Dazu habe ich schon im Blog 67 geschrieben. Heute geht es mir um die Finanzierung selber. Lieber würde ich schreiben, dass sie längst modern und kantonal geregelt ist. Aber dem ist überhaupt nicht so und der schwarze TAG jährt sich übermorgen Freitag bereits zum vierten Mal. Da kann ich nicht anders, als das Thema wieder aufzunehmen. Mit einem respektablen Grollen im Magen.

      Doch der Reihe nach. Jede Gemeinde hat also ein Kurtaxengesetz. Oder eben mehrere, weil die Fraktionen zu Gemeinden fusioniert haben und ihre Kurtaxengesetze noch nicht harmonisiert sind. In diesen Kurtaxengesetzen ist geregelt, dass jeder übernachtende Gast eine Kurtaxe zu entrichten hat. Die Gastgeber kassieren diese ein und leiten sie an die Gemeinde weiter. Die Gemeinde verwendet die Kurtaxengelder selber zum Unterhalt oder zum Ausbau des touristischen Angebotes und stellt sie teilweise der Tourismusorganisation zur Verfügung, damit diese im Interesse der Gäste Mehrwerte schafft. Zum Beispiel durch den Betrieb der Gäste-Infostellen, durch Angebotsgestaltung, durch die Herstellung von Informationsmitteln, etc.

      Das heutige Modell hat zur Folge, dass Kurtaxengelder abliefert, wer Gäste beherbergt. Wer viele Gäste beherbergt, liefert viel ab, wer wenige Gäste hat, liefert weniger ab. Für die Gäste ist dies zwar gerecht, für die Gastgeber weniger. Deswegen ist es heute verbreitet Konsens, dass die Kurtaxen nicht mehr auf der Basis der Logiernächte, also frequenzabhängig, sondern dem Angebot entsprechend zu bezahlen sind. Für die Hoteliers z. B. nach Zimmern, für die Ferienwohnungen je Quadratmeter Fläche. So bezahlen alle proportional zu ihrem Angebot gleich viel, was fairer ist. Denn die Ausgaben und Investitionen, die durch Gemeinden und Tourismusorganisationen mit den Kurtaxengeldern getätigt werden, nehmen auch nicht Rücksicht darauf, wer wieviel bezahlt hat.

      Es geht also darum, das heutige System gerechter und kalkulierbarer zu machen. Das Gleiche gilt für die Tourismusförderungsabgaben, welche Handel und Gewerbe, die Landwirtschaft und alle weiteren direkten und indirekten Nutzniesser des Tourismus bezahlen. Ihnen wird vorgeschlagen, je nach Tourismusabhängigkeit und je nach Wertschöpfungsintensität einen Promille-Abgabesatz der AHV-pflichtigen Lohnsumme zu bezahlen. Diese Gelder müssen im Markt eingesetzt werden mit dem Ziel, Gäste für die Region zu begeistern, welche hierher kommen und Umsatz machen.

      Die Gesetzesvorschläge sind in Ausarbeitung und werden im 2017 den verschiedenen Interessengruppen vorgestellt*. Nach einer Vernehmlassung und Überarbeitung sollen sie zur Abstimmung kommen.

      *Dies gilt für Scuol. Zernez und Valsot haben den Terminplan noch nicht abschliessend definiert, im Val Müstair ist das neue Gesetz bereits beschlossen und in Samnaun wird aufgrund des Systems mit der Sondergewerbesteuer vorerst nichts geändert.

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      • Blog Tag 67, 26. Oktober 2016, Strukturen: Angebotsentwicklung neu aufstellen (3/3)

      Events: Teil der DMO-Strategie (4/4)

      Schlüsselwörter: Events, Volumengeschäfte, Auslastung, Geschäftsfelder, Exklusivität
      Tag 40, 22. November 2016

      Manchmal werde ich von einer Tourismusfachschule oder einer Hochschule für einen Vortrag angefragt. Beim Thema Marketing höre ich dann hin und wieder von jungen (Tourismus-)Fachleuten, „ich möchte einmal im Eventmanagement arbeiten!“. Dann pflege ich jeweils etwas salopp zu sagen, „nur Eventmanagement ist langweilig. Bei uns können Sie Eventmanagement voll integriert bearbeiten, das ist viel spannender!“.

      Integriert heisst: Wir betreiben Eventmanagement 

      • eingebettet in unsere Produktlinien
      • konsequent ausgerichtet auf zusätzliche Auslastung in Zeiten schwächerer Nachfrage und/oder
      • mit dem Ziel von zusätzlicher medialer Ausstrahlung.

      Ein Event muss also unsere zentralen Botschaften, Leistungen und Angebote nach aussen tragen, zusätzliche Logiernächte und Umsätze bringen, durch die Berichterstattung in den Medien Begehrlichkeiten wecken. So gesehen ist auch die Abgrenzungen zwischen einer "Veranstaltung" und einem "Event" relativ einfach: Erfüllt eine Veranstaltung diese Bedingungen nicht, ist sie kein Event.

      Beispiele: Für die Tour de Ski reisen aus „aller Welt“ TV-Teams und Journalisten an, insgesamt über 100 Medienleute. Ein Millionenpublikum wird die Wettkämpfe verfolgen. – Für den ClauWau am kommenden Samstag reisen mehrere TV-Teams an, welche zusammen mit Andy Mettler von Swiss Image die ersten bewegten Bilder und Fotos des neuen Winters in den Markt hinaus tragen. – Der Nationalpark Bike-Marathon zieht jährlich 2‘000 Wettkämpfer-/innen an, die mit ihren Begleitpersonen die Vielfalt und Schönheiten unserer Region kennen lernen. – Wenn der Transalpine Run in Samnaun und Scuol Halt macht, erleben hunderte von Läuferinnen und Läufern die Vorzüge und Qualitäten unserer Trails. – Die Aua forta-Wassertage Engadin Scuol besetzen das Thema Wasser, so dass es untrennbar mit unserer Destination verbunden ist. Und so weiter.

      Die Events zu ergänzen mit buchbaren Pauschalen, Medienreisen, Gäste-Programmen; sie zu kommunizieren via Internet, Social Media-Kanäle, Flyer, Plakate, etc.; sie und die damit verknüpften Angebote via Vertriebssystem (erfolgreich) zu verkaufen und die Gäste vor Ort spezifisch zu beraten: Das macht Freude, rechtfertigt den Aufwand, bringt Erfahrung, schweisst zusammen, bildet weiter. Das ist unser Eventmanagment. Professionell, im Netzwerk erprobt, in der Destination konkurrenzlos, attraktiv für meine Mitarbeiter/-innen, welche alle auch ein bisschen Eventmanager-/innen sind :-)

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      Events: Nur Schellen-Ursli fehlt (3/4)

      Schlüsselwörter: Events, Positionierung, Geschäftsfelder, Exklusivität 
      Tag 41, 21. November 2016

      Und in der Ferienregion Engadin Scuol? Da sind wir genau gleich konsequent, was die Event-Entwicklung anbelangt: Kein Event, ohne dass er an einem konkreten Thema festgemacht werden kann. Nichts Künstliches, nur hier Verortetes. Authentisch, von da, möglichst exklusiv, in hoher Qualität, wertebasiert.

      Geschäftsfeld „Sommer“, Thema Bike: Nationalpark Bike-Marathon, nächstes Jahr zum 16ten Mal am 26. August 2017. Eine Million Franken Umsatz bringt er in die Nationalparkregion.

      Geschäftsfeld „Winter“, Ski und Snowboard: Internationaler Bankenanlass „Interbancario“ mit 6‘000 zusätzlichen Logiernächten im Januar 2014, Snowboard Alpin Schweizermeisterschaften im März 2016 und 2017, Snowboard Alpin Weltcup im 2018 (Bewerbung läuft).

      Geschäftsfeld „Wellness und Gesundheit“: Die Aua forta – Wassertage Engadin Scuol. Zum 5ten Mal vom 16. – 22. März 2017. Entstanden aus den UNO-Weltwassertagen und –wochen, die wir mit Ernst Bromeis entwickeln durften. Just heute feiert er in Zürich mit seinem Buch Vernissage: „Jeder Tropfen zählt - Schwimmen für das Recht auf Wasser“. Nus At giavüschain da cour bler success, char Ernst!“

      Geschäftsfeld „Natur und Kultur“: So einen richtigen Event, der viele neue Gäste mobilisiert und zusätzliche Wertschöpfung ins Tal bringt, haben wir nicht wirklich. Dafür Traditionen und Brauchtümer, die weit über die Regionsgrenzen hinweg für Aufmerksamkeit sorgen und auch immer wieder attraktive Medienthemen sind: „Chalandamarz“, von den Schulen organisiert, in allen Dörfern unterschiedlich. „Hom Strom“, am ersten Februarsamstag in Scuol. - Und, zwar noch jung, aber auf der historischen Beziehung zu den Niederlanden aufbauend, das Piz Amalia Music Festival, welches wir Ende der Woche zum zweiten Mal in Den Haag abschliessen.

      Was uns fehlt: Ein richtiger Schellen-Ursli-Event, der seinen Namen verdient! Mit allem, was dazu gehört: Kinderfest, Glockenspiel, Postenlauf, Alpfest, Gottesdienst, gemeinsam kochen und feine Desserts essen, Glocken herstellen, Maskenball, Filmvorführungen, etc. Hier sind wir unverwechselbar, von hier ist die über 70-jährige Geschichte und mittlerweile ein Film, den eine halbe Million Menschen gesehen hat. Unverwechselbar, hier festgemacht, sympatisch, Generationen verbindend. – Packt Guarda die Chance?

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      Events: Hochburg Samnaun (2/3)

      Schlüsselwörter: Eventstrategie, Positionierung, Geschäftsfelder, Winter, Zollfrei
      Tag 42, 20. November 2016

      Heute ist der letzte Sonntag vor dem Winterstart in Samnaun. Traditionellerweise findet an diesem Sonntagabend die Mitgliederversammlung von Samnaun Tourismus statt. Die Samnauner wissen, wovon sie leben. Darum ist die Versammlung immer gut besucht. 80 bis 100 Interessierte strömen jeweils in den Festsaal von Samnaun-Compatsch. Mit gutem Grund: Es geht um den Tourismus, das zentrale Standbein der Samnauner Wirtschaft.

      An der Versammlung wird durch die Tourismusverantwortlichen informiert, sensibilisiert. Andererseits nehmen sie Wünsche und Erwartungen entgegen. Beides ist wichtig, beides muss regelmässig gemacht werden. Persönliche Information lässt sich nicht durch elektronische ersetzen. Nur ergänzen.

      Heute werden sich die Mitglieder von Samnaun Tourismus auch über das Marketing des bevorstehenden Winters informieren lassen. Zentral wichtig sind dabei die Events. Arosa hat diese Woche einen Tourismuspreis „Milestone“ für seine Event-Strategie erhalten: „Arosa hat sich in den vergangenen Jahren bewusst und entsprechend der strategischen Ausrichtung zu einer Event-Destination entwickelt. Mit den Events werden verschiedene Ziele verfolgt, wobei die Erhöhung von Auslastung und Logiernächten sicher im Zentrum steht. Mit einem Team, welches nicht nur die gängigen Destinations-Aufgaben übernimmt, sondern sich zu Event-Spezialisten entwickelte, konnte sich Arosa als Event-Destination positionieren. (…).“ –

      Genau das Gleiche kann Samnaun für sich in Anspruch nehmen:

      • Seit Jahren setzt Samnaun auf Events als Teil seiner Strategie.
      • Die Events verleihen der Strategie und Positionierung in den zentralen strategischen Geschäftsfeldern einen besonderen Akzent.
      • Ziele der Samnaun-Events sind höhere Auslastungen in üblicherweise nachfrageschwachen Zeiten, die Möglichkeit der Kommunikation von Angeboten und Leistungen, das Ausnützen von besonderer Medienaufmerksamkeit.
      • Bergbahnen, Skischulen, Skiclub, Gemeinde, DMO sind gemeinsam Garant für die erfolgreiche Durchführung von Events; die Expertise der Partner ist längst strategisch wichtig.
      • Samnaun investiert allein in die Durchführung von Event CHF 600‘000, ohne Kosten für die Bewerbung der Anlässe.

      Nikolaus-Weltmeisterschaften „ClauWau“ zum 16ten Mal, Konzert zum Saisonauftakt, Erlebnisnacht von Januar bis März, 29. Frühlingsschneefest, 3. Formations Europameisterschaften, 15. Internationaler Silvretta Schüler-Cup, 1. August, etc. Dazu einmalige Events wie das Swiss Snow Happening im 2013, Airline Weltmeisterschaften 2015, Skilehrer Weltmeisterschaften 2016, etc.  - So gesehen hat Samnaun auch längst einen Milestone verdient.

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        Events: Heute ist Tour de Ski-Auftakt (1/3)

        Schlüsselwörter: Bevölkerung, Voluntaris, Gemeinschaftswerk, Ziele, Events, Infrastruktur
        Tag 43, 19. November 2016

        In 43 Tagen ist der erste Renntag der diesjährigen Tour de Ski. Im Val Müstair, in Tschierv. Das ganze Tal wird an den beiden Renntagen auf den Beinen sein, und schon die Tage vorher auch nachher auch noch. Seit Monaten ist das OK unter der Leitung von Clà Filip Pitsch am Werk, heute ist der Auftakt mit der Informationsveranstaltung für die einheimische Bevölkerung und damit auch für die Voluntaris. Über 250 Helfer-/innen werden im Einsatz stehen, aus dem Tal, aus den Nachbarregionen und von weiter her. DER Sportanlass der Superlativen für das kleine Val Müstair der Weltspitzeathleten Dario und Gianluca Cologna mit den exklusiven Natur- (Schweizerischer Nationalpark) und Kulturwerten (UNESCO-Kloster). Bereits zum dritten Mal.

        Wir haben uns aus Sicht der DMO Ziele vorgenommen für die Tour de Ski:

        1. Die «Tour de Ski» ist drei Mal „ausgezeichnet“ durchgeführt.

        2. Für das Val Müstair ist in ganz Europa Medienaufmerksamkeit erzielt.

        3. Das Val Müstair steht primär in der Schweiz für «Tour de Ski» (auch).

        4. Die zusätzliche Finanzierung für die «Tour de Ski» ist geglückt.

        5. Die «Tour de Ski» hat eine Schlüsselfunktion für die Positionierung «Langlauf» im Val Müstair und in der ganzen Destination.

        6. Die «Tour de Ski» leistet einen zentralen Beitrag zur Stärkung des Val Müstair.

        Insgesamt sind wir auf Kurs mit der Ziel-Erreichung. Als DMO engagieren wir uns in den Bereichen Generalsekretariat (Claudio Daguati), Kommunikation (Niculin Meyer) und Unterkünfte (Tiziana Caratsch und Stephanie Ulayayi-Albertin). Die Stundenleistungen entsprechen einem Beitrag von schätzungsweise 30‘000 Franken, dazu leisten wir Cash einen Teil mit 50‘000. Das gesamte Budget beträgt 1,4 Mio. Franken und wird durch die öffentliche Hand, Sponsoren, Rechte-Abgeltungen und weitere Erlöse finanziert.

        Als DMO können wir mithelfen, einen Event zu akquirieren, ihn vorzubereiten, ihn durchzuführen. Dazu können wir neue Angebote/Pauschalen kreieren und im Markt einführen. Für die nachhaltige Sicherung von Grossanlässen und Wettkämpfen braucht es aber mehr. Mit dem Event alleine ist aber beim Angebot vor Ort noch nichts verändert worden. Wenn ein Event langfristig erfolgreich sein soll, dann braucht es auch bei der Infrastruktur eine Entwicklung. Bereits besteht ein kleines Langlaufzentrum in Fuldera. Und die Nachwuchsförderung ist auch auf Kurs. - Es gibt im Val Müstair aber noch Potenzial.

        Hier sind andere Akteure gefragt. Die Region, die Gemeinden, die Regionalentwicklung, private Investoren und Unternehmen. Nach der dritten erfolgreichen Tour de Ski ist vor der vierten Tour de Ski. Event-Kompetenz hat man bewiesen, nun können (und müssen) auch im Bereich Infrastruktur und Anlagen weitere Potenziale und Chancen genutzt werden.

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        Ausgejammert: Sechs Ecken in Balance

        Schlüsselwörter: Dreieck, Nachhaltigkeit, Seele, Balance, Valposchiavo, Amsterdam
        Tag 44, 18. November 2016

        Wir haben es mit den Dreiecken. Genauer gesagt mit Zweien. Das erste Dreieck symbolisiert die dreidimensionale Nachhaltigkeit. Ideal ist, was gleichzeitig ökonomisch erfolgreich, ressourcenmässig verträglich und sozial ausgewogen ist.

        Das zweite Dreieck symbolisiert die Ausgewogenheit der humanen Kulturen. Im Dorf, in der Stadt, in der Region. Die erste Ecke gehört den Einheimischen mit ihrem individuellen Leben. Die zweite Ecke dem Handel und Gewerbe mit ihrer Geschäftstätigkeit, die dritte Ecke den Besuchern mit ihren Aktivitäten. Sind die Ansprüche, Erwartungen und Wünsche dieser drei Anspruchsgruppen im Einklang mit dem was sie tun, dann ist die Seele des Ortes im Gleichgewicht.

        Dies tönt einfach, ist es aber nicht. Kaspar Howald, frisch gebackener Milestone-Gewinner, bezeichnet diese Balance gar als Innovation: „Innovativ an ‚100% Valposchiavo‘ ist vor allem der branchen-übergreifende Ansatz, der das ganze Tal am Projekt beteiligt.“ Er spricht von der Identifikation der Bevölkerung, vom Wohlfühlen der Gäste und von der regional organisierten Produktion, welche das am-gleichen-Strick-ziehen ausmache.

        So falsch kann seine Analyse nicht sein! Kürzlich habe ich von Frau Geerte Udo, Marketing Director von Amsterdam Marketing, Ähnliches gehört: Einheimische, Wirtschaft und Gäste sind die Seele der 850‘000 Einwohner-Stadt, darum müssen leben, arbeiten und erholen im Einklang sein. In Florenz kippte das Dreieck: „Touristen verschwindet!“ stand kürzlich in dieser Zeitung, weil die Einheimischen von den Gästehorden genug haben. „100 000 Bewohner haben bereits die Flucht ergriffen“ und sind aus der Stadt gezogen. Auch in Venedig und Barcelona kippt der viel gelobte und boomende Städtetourismus.

        Nun, an diesen Orten ist die gefährdete Balance des Seelen-Dreiecks offensichtlich. In kleinen Räumen geschehen Veränderungen schleichend und die Folgen sind nicht deutlich und rasch sichtbar. Umso anspruchsvoller und verletzlicher sind diese Balancen, weil Nuancen viel ausmachen.

        Dieser Blog erscheint heute auch als Kolumne in der Südostschweiz.


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            Wir und unsere Gäste: Rezept „Internationalisierung“? (5/5)

            Schlüsselwörter: Internationale Märkte, Erreichbarkeit, Qualität, Preis, Kultur, Europa, Strategie
            Tag 45, 17. November 2016

            Interessant: Im „Tagesanzeiger“ sagte Professor Jürg Stettler von der Hochschule Luzern anfangs September auf die Frage, warum das Wallis und Graubünden massiv Logiernächte verlieren unter anderem: „Graubünden und das Wallis sind noch viel zu stark auf den Wintertourismus und die traditionellen Märkte fokussiert. Sie müssen sich mehr auf die Sommersaison und vor allem auf die Wachstumsmärkte, unter anderem in Asien, ausrichten. Für diesen Wandel braucht es aber Investitionen, und dafür fehlen besonders den kleinen Destinationen die Mittel.(…)“.

            Einen Tag später sagt Monika Bandi, Leiterin der Forschungsstelle Tourismus (CRED) an der Universität Bern, im Berner „Bund“ auf die Frage, warum das Berner Oberland viele Schweizer Gäste verloren hat: „(…)Die grossen Sommerdestinationen im Berner Oberland – namentlich Interlaken und Grindelwald – hätten in den vergangenen Jahren stark auf Fernmärkte fokussiert und seien dort sehr erfolgreich.(…)“

            Das heisst: In Graubünden wird die mangelnde Internationalisierung kritisiert, im Berner Oberland die Vernachlässigung des Schweizer Marktes. Was stimmt jetzt? Auf Internationalisierung und Sommer setzen oder auf den Schweizer Markt?

            Ich meine: Wie meistens ist die Antwort nicht nur das Eine oder das Andere, sondern ein Mix. Für Graubünden – und für unsere Destination - ist es aber sicher nicht falsch, primär auf den Heimmarkt zu setzen. Denn – wie gestern beschrieben – mit Gästen aus nahen Märkten und aus vertrauten Kulturen ist es einfacher umzugehen als mit Anderen. Im Marketing wie auch vor Ort: Sie sind trotz grossem Wettbewerb einfacher anzusprechen (effizienter Marketingmittel-Einsatz), sie kommen eher wieder (Stammgäste-Potenzial), sie bleiben länger (Aufenthaltsdauer), sie bezahlen höhere Preise (kein Dumping), sie setzen auf Qualität (professionelles Personal mit ebensolcher Ausbildung), sind auch Wintergäste, etc. Und, laut Monika Band "seien die Inländer in jedem Reiseland das Rückgrat des Tourismus."

            Internationale Gäste können auch Vorteile haben und Chancen bieten: Wenn sie lange bleiben, weil sie wetterunabhängig entscheiden. Wenn sie unsere Regionen und Angebote effektiv kennen lernen wollen. Wenn sie unsere Innovationskraft erhöhen. Weil sie in Bezug auf Marketing und Vertrieb und Angebote Treiber sind für neue Entwicklungen. Und: Weil interkultureller Austausch sehr bereichernd sein kann.

            Internationale Gäste, die nur auf der Durchreise sind und in Europa ein paar Attraktionen abhaken wollen, haben aber auch einige Risiken: Sie drücken den Preis (durch Touroperator), bleiben nur eine Nacht, haben kaum Erlebnisse und machen deshalb keine bindenden Erfahrungen, kommen kaum wieder. Dies kann auf die Qualität der Angebote und Leistungen drücken, die Chance des Wiederkommens reduzieren, die Aufenthaltsdauer einschränken, Stammgäste vertreiben. Zudem können internationale Märkte sehr volatil sein, weil sie auf geopolitische Unsicherheiten empfindlich reagieren (Stichworte: Ägypten, Paris). Eine Studienreise z. B. nach Engelberg, Luzern, Interlaken und Greyerz wäre diesbezüglich interessant.

            Fazit: Den Ansatz des Wirtschaftsforums Graubünden finde ich sehr vielversprechend, internationale Reiseströme zwischen Italien und Paris, resp. München-Frankfurt, gezielt durch Graubünden „umzuleiten“ und  so Chancen punktuell zu nutzen zu versuchen. Auf der RhB-UNESCO-Welterbe-Achse Valposchiavo-Chur/-Samnaun hat Graubünden an hochalpinem Berg- und Einkaufserlebnis einiges zu bieten. Hoteliers, Bergbahnen, weitere „Attraktionen“, Tourismusorganisationen und Vertriebsspezialisten tun gut daran, ihre Strategie gemeinsam zu entwickeln und im Marketing entsprechende Anpassungen vorzunehmen.

            Mehr zum Thema:

            • Tagesanzeiger, 5.9.16, „Der Schweizer Tourismus ist in einem perfekten Sturm“, siehe Internet
            • Der Bund, 6.9.16, „Im Oberland machen weniger Schweizer Ferien“, siehe Internet
            • Wirtschaftsforum Graubünden, Publikation „Sommergeschäft durch Touringgäste aus Asien beleben“, Seite 24, siehe Internet

              Wir und unsere Gäste: Wer passt zu uns? (4/5)

              Schlüsselwörter: Gäste, Ökonomie, Ökologie, Erreichbarkeit, Aufenthaltsdauer, Euro
              Tag 46, 16. November 2016

              Wir sind eine typische Schweizer Ferienregion. Die meisten unserer Gäste kommen aus der Schweiz. In der Ferienregion Engadin Scuol und Engadin Val Müstair sind es rund 90%, in der Ferienregion Engadin Samnaun rund 60%.

              Die Schweizer Gäste sind zweifelsohne die ökonomischsten Gäste, weil sie mit verhältnismässig tiefen Marketingmitteln erreichbar sind: die Werbeplattformen um sie zu erreichen sind bekannt und aufgrund der Grösse der Schweiz ist eine gute Abdeckung möglich. Dazu kommt, dass sie unser Angebot verstehen und nicht viel Aufwand betrieben werden muss, um ihnen unser Angebot zu erklären. Die Schweizer sind auch ökologische Gäste, weil ihre Anreisewege kurz sind und weil eine Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln problemlos möglich ist. Andererseits: Wenn sie schnell hier sind, sind auch schnell wieder weg. Das drückt auf die Aufenthaltsdauer.

              Die Tschechen und Polen sind begeisterte Skifahrer. Wir können als „erste Destination der Schweiz“ in Bezug auf ihre Anreise eine sehr attraktive Alternative bieten zu den Österreicher Skigebieten. Zudem gibt es viele Sommersport-Begeisterte, für welche die Schweiz mit ihrer unschlagbaren Vielfalt und hohen Qualität ein Traum-Reiseland ist. In Österreich nutzen wir mit bescheidenem Investment die Chancen von Medienreisen oder anderen Volumengeschäften.

              Die Welschen und Franzosen aus dem grenznahen Ausland sind „ähnlich vorteilhafte“ Gäste wie die Deutschschweizer, wenn da nicht die Sprachbarriere wäre. Was sich in der Kommunikation noch relativ einfach übersetzen und somit lösen lässt, ist dann vor Ort weit komplexer. Vermitteln lassen sich eher „leicht verständliche Angebote“ wie skifahren, baden oder wandern; sobald Vorträge, Führungen und Exkursionen für Anderssprachige erlebbar gemacht werden sollen, ist weit gehende Sprachkompetenz notwendig, was primär die Gastgeber und Einheimischen fordert. Dies gilt auch für Restaurants und für Geschäfte.

              Noch ein Satz zu den Gästen aus Deutschland. Ich habe sie nicht vergessen. Aber die Zahl der Hotellogiernächte deutscher Gäste – dem Hauptauslandmarkt Graubündens – ist in Graubünden seit 1995 um 970‘000 (-48%) zurückgegangen (siehe Beilage). Damit ist klar, dass wir in Deutschland nur noch punktuell und möglichst dort investieren, wo nicht primär unsere östlichen Nachbarn günstiger sind. Die Deutschen würden schon gerne in die Schweiz kommen, aber letztlich sind Ferien halt auch Resultat eines ökonomischen Entscheides.

              Fazit:
              Als verhältnismässig kleine Ferienregion konzentrieren wir uns auf Schweizer Gäste; in Themen wir Skifahren oder Outdoor-Sport sind wir auch ein weiteren Märkten aktiv, Welsche und Franzosen dürfen sehr gerne zu uns kommen, auch wenn wir sprachlich „nicht ganz fit“ sind und die Deutschen schliesslich, die kommen erst wieder, wenn sich der Euro von seiner Schwäche erholt hat. Gleichzeitig nutzen wir echte Chancen, wo sie sich uns bieten.

              Mehr zum Thema:

              Wir und unsere Gäste: Schweiz und gemeinsam (3/5)

              Schlüsselwörter: Markt, Kooperation, Partner, Graubünden Ferien, Marke, Schweiz Tourismus
              Tag 47, 15. November 2016

              In der Marktbearbeitung unterscheiden wir die geografischen Märkte nach Priorität. In erster Priorität bearbeiten wir die Deutschschweiz. Undifferenziert (z. B. mit einem TV-Spot oder einer Print-Kampagne oder im Vertrieb), wenn möglich aber das Kerngebiet Thurgau-Basel-Zug-Sargans. Zweite Priorität haben Tschechien, Polen und Österreich. Dritte Priorität haben die französische Schweiz sowie die weiteren europäischen Länder. Vierte und letzte Priorität haben internationale und „exotische“ Märkte, in denen wir ausnahmsweise bis nie aktiv sind und wenn, dann nur in Partnerschaft.

              Auf den Märkten agieren wir nicht allein. Wir setzen möglichst konsequent auf die Zusammenarbeit mit Graubünden Ferien, Schweiz Tourismus und weiteren Partnern, ganz nach dem Grundsatz: Je näher, desto selbständiger, je weiter, desto mehr im Lead von Partnern und gemeinsam. In der Umsetzung heisst dies dann Folgendes: Grössere Kampagnen in der Schweiz setzen wir selber um, aber konsequent unter dem Dach der Marke graubünden. So können wir von zahlreichen Synergien profitieren: Sujets, bewegte Bilder und Instrumente nutzen und verstärken, Know-how weiter entwickeln, Netzwerk ausbauen, Kosten sparen, zusätzliche Mittel generieren, etc.

              Wir bewirtschaften nicht stur geografische Märkte, sondern Themen, mit denen wir unsere Gäste in verschiedenen Märkten gleichzeitig erreichen. Dazu nutzen wir die Kommunikationsinstrumente nach Eignung. Wo es geht mit Graubünden Ferien und Schweiz Tourismus. Denn nur so kommen wir zu Grösse und zu Reichweite; gemeinsam ist man stark, allein ist man einsam. Wir sind mit 1,1 Mio. Logiernächten ja "ein kleiner Fisch".

              Beispiele für Projekte in Zusammenarbeit: Internet, Winterkampagne Bergbahnen Scuol, Familienkampagne Engadin Scuol, Zollfreiwerbung und Skigebietswerbung Samnaun, Top of Switzerland, Piz Amalia Music Festival, UNESCO-Partnerschaft Schweiz, Wellness-Kampagne, Medienkooperationen, Touroperator-Geschäfte, Vertrieb, etc. In der Schweiz und Deutschland dürfen wir au f die ausgezeichnete Zusammenarbeit mit Graubünden Ferien, der Marke graubünden und Schweiz Tourismus zählen. In Polen, Tschechien und Österreich auf Adriana Czupryn, Alena Koukalova und Urs Weber mit ihren Teams (auch von Schweiz Tourismus). Ohne sie würden wir die Märkte wohl kaum so erfolgreich bearbeiten! Die Währungssituation ist zwar eine harte Herausforderung, aber wir sind in diesen Märkten im direkten Vergleich trotzdem erfolgreich.

              Im Lead sind wir in der Umsetzung vor Ort: Bei den zahlreichen Events und Gruppengeschäften, sowie in der Betreuung der Individualgäste, welche unsere Angebote und Leistungen in Anspruch nehmen. Aber auch im Markt, wenn wir exklusive Aktionen verantworten wie Gastregionen-Auftritte.

              So gesehen ist Kommunikation in geografischen Märkten äusserst vielseitig und vielschichtig und besteht aus sich überlappendenden geografischen Raumen, inhaltlichen Themen und einem breiten Mix an Kommunikationsinstrumenten, umgesetzt womöglich in Partnerschaft, undifferenziert bis fokussiert.

              Wir und unsere Gäste: Unsere DNA (2/5)

              Schlüsselwörter: DNA, Stärken, Themen, Sub-Themen, Akzeptanz, Bevölkerung, Markt
              Tag 48, 14. November 2016

              Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder macht man Tourismus, indem man auf dem Markt schaut, was ankommt und gekauft wird, und produziert dann entsprechend (Variante a). Oder man schaut, was man hat und sucht dann einen Markt, der dafür geeignet ist (Variante b). – Für mich ist klar: Für eine Bergferienregion gibt es nur Variante a. Warum das so ist? Weil wir Touristiker nur erfolgreich machen können, was die einheimische Bevölkerung mehrheitlich mitträgt. Was nicht akzeptiert ist, wird keinen Erfolg haben, weil zwei Welten entstehen: Jene der Gäste und jene der Einheimischen. Wenn sich die beiden Welten nicht verbinden, wird der Tourismus nie verankert sein und ein Oberflächengeschäft bleiben. Auf die Länge hat dies keinen Erfolg.

              Darum gehen wir von dem aus, was es hier gibt. Möglichst exklusiv! Das, was uns definiert. Das, was uns ausmacht. Das, was es anderswo möglichst nicht gibt. Auch nicht billiger für Euro. Oder mindestens nicht so gut. Wir reden in diesem Zusammenhang von unseren zentralen Stärken oder noch lieber: Von unserer DNA*. Die DNA enthält die gesamte Erbinformation. Erbinformation ist immer einzigartig und exklusiv.

              Unsere DNA besteht aus dem Schweizerischen Nationalpark (inkl. Wandern), dem Zollfreistatus, dem UNESCO-Kloster St. Johann, der romanischen Kultur und den Engadiner Dörfern (inkl. Schellen-Ursli). Dazu kommen die touristischen Errungenschaften wie das Bogn Engiadina, die drei Skigebiete, der regionale Naturpark Biosfera Val Müstair, die einheimischen Produkte, die Events von Dorf- bis Weltformat und das Mountainbike-Angebot mit den Alpentransversalen. Die DNA wird ergänzt durch unzählige weitere Themen, sogenannte Sub-Themen, wie Kulinarik, Langlauf, Eislauf, Winterwandern, Golf, Seilpark, Riverraften, etc. (siehe Beilage).

              Damit lässt sich zusammenfassen: Die touristische DNA ist kein Marketingkonstrukt, sondern gründet auf einer tiefen Akzeptanz in der Bevölkerung vor Ort. Touristiker können nichts als DNA verankern, was nicht zur DNA vor Ort passt! Es braucht Mut, Pioniergeist, langfristige Ziele und Mittel, um eine DNA zu verankern! Die DNA ist die Basis für erfolgreiches Marketing.

              Mehr zum Thema:

              • *Die DNA (englisch: Desoxyribo-Nucleic-Acid) oder DNS (Desoxyribo-Nuklein-Säure) ist eines der wichtigsten Moleküle der Welt. Ohne DNA gäbe es kein Leben. Die gesamte Erbinformation lebender Zellen und Organismen (Genom) ist in ihr enthalten.
              • Unsere DNA, siehe Auszug Markenstrategie, siehe PDF

              „Des Schweizers Schweiz“ oder: Wir und unsere Gäste (1/5)

              Schlüsselwörter: Schweiz, Verhältnis, Gäste, Markt, Strategie
              Tag 49, 13. November 2016

              „Ich bin Schweizer. Wenn ich meiner Mutter sage: „Ich gehe nach Deutschland“ oder „Ich gehe nach Frankreich“ oder „Ich gehe nach Schweden“, dann sagt sie: „Du gehst also ins Ausland.“ – Für die Schweizer gibt es zwei Welten: das Inland und das Ausland. Wenn ich ins Ausland gehe, sagt meine Mutter: „Pass auf, dass dir nichts gestohlen wird, gib deinen Koffer nicht aus der Hand.“ Schweizer tragen im Ausland ihr Geld in Beuteln unter dem Hemd oder eingenäht in die Unterwäsche. Für uns hat das Wort Ausland immer noch den Klang von Elend. Wenn ich dort sage: „Ich bin Schweizer“, erwarte ich etwas, einen Ausruf des Erstaunens, Überraschung, Hochachtung oder wenigstens Freundlichkeit.“

              So steht es in „Des Schweizers Schweiz“ von Peter Bichsel. 1967 geschrieben. Ich kenne den Text seit ich mit Schauspieler und Regisseur Andrea Zogg nach Leipzig ging, um im Rahmen einer grossen Ferienmesse die Schweiz und insbesondere Graubünden vorzustellen. Er las dort aus dem Buch vor, schwang gleichzeitig den Fünfliber in einem tönernen Gefäss und spannte den Bogen zu Gedanken, wie wir die Gäste bei uns willkommen heissen. Es gab viel zu lachen und die gegenseitige Ironie kam gut an.

              Der Text ist immer noch aktuell. Wir haben ein spezielles Verhältnis zum Ausland und sind daran, es immer wieder neu zu definieren, je nach wirtschaftlicher Situation und geopolitischer Entwicklung. Die Interessen und Haltungen gehen diametral auseinander. – Auch im Tourismus müssen wir uns immer wieder neu mit der Schweiz und mit dem Ausland befassen. Wir fragen uns, wo wir unsere Gäste finden, wie wir Gäste für unsere Leistungen und Produkte begeistern können, wie wir sie zum Buchen motivieren und schliesslich, wie wir unsere Angebote und unser Verhältnis mit ihnen gestalten müssen, damit sie möglichst wieder kommen.

              Die Antworten liefern wir in unserem Businessplan und in unserer Marketingstrategie. Voraussetzung dazu ist, dass wir das Angebot kennen und die Hauptthemen definiert haben. Mit dem, was uns ausmacht, unserer DNA, beschäftige ich mich im zweiten Teil der Serie „Wir und unsere Gäste“. Weiter folgen Blogs zu unseren geografischen Märkten, zu unseren aktuellen und neuen Gästen, zur Internationalisierung und schliesslich, am Freitag, zum „zweiten goldenen Dreieck“.

              Einen schönen Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

              Buchtipp:

              • Des Schweizers Schweiz, Peter Bichsel, Suhrkamp, ISBN 3-518-39269-7

              Zur Halbzeit: Warum schreibe ich diesen Blog?

              Schlüsselwörter: 12 Jahre, 100 Tage, Rückblick, Ausblick, Wissen, Erfahrung, Fragen
              Tag 50, 12. November 2016

              Warum schreibe ich eigentlich diesen Blog? Am 23. September 2016, als ich damit startete, wusste ich es noch nicht so genau; am 31. Dezember 2016 schreibe ich den letzten Beitrag. Die Themen der letzten Blogs sind bereits gesetzt. Also ist jetzt zur Halbzeit ein passender Moment, um diese Frage zu beantworten.

              Darauf gekommen bin ich, weil ich immer wieder darauf angesprochen werde, wie lange ich denn noch hier sei. Ich startete Mitte September auf eine ähnliche Frage von Michael Caflisch den Tagerechner und stellte fest, dass bald meine letzten 100 Tage anbrechen, während derer ich hier wirken kann. Der Bogen war schnell geschlagen: Die ersten 100 Tage – die letzten 100 Tage. So, wie die ersten 100 Tag in einer neuen Stelle von Bedeutung sind, sind es auch die letzten 100 Tage, sagte ich mir. Ich dachte nach, fragte Niculin Meyer nach seiner Meinung, die mir in der Zeit hier immer wichtig war, sammelte mögliche Themen und Gedanken für Inhalte, überlegte Sinn und Zweck, schätzte den Aufwand ab und entschied schliesslich, es zu tun.

              Ich schreibe den Blog zu Themen, die mich interessieren und zu denen ich mittlerweile etwas sagen kann. Inhalte, die mir wichtig sind. Gesammeltes und erfahrenes Wissen, meine gereifte Haltung und Überzeugung, offene Fragen und Gedanken. Themen, die wir im Team immer wieder reflektieren, auch neu denken. Tipps und Gedanken, die mir gefallen und/oder mich beschäftigen. Kurzfutter und Langfutter, Einfaches und Komplexes. Ein Rückblick auf 12 Jahre, seit ich hier im Sitzungszimmer der Engadin Scuol Tourismus AG in der alten Post die Stelle bekommen habe. 4‘135 Tage nach dem ersten Arbeitstag, als ich in Bezug auf die Destination unerfahren und unwissend angefangen habe.

              Für mein Team, für meine Nachfolge, für meine Vorgesetzten, für unsere Leistungspartner, für Freunde und Interessierte, für mich.

              Selber rechnen oder: Wann ist es Zeit für deinen Blog?

              Ausgejammert: Sich trumpieren kann fatal sein

              Schlüsselwörter: US-Wahl, Trump, Irrtum, Exzellenz, Exklusivität, Kontinuität, Konsequenz
              Tag 51, 11. November 2016

              Noch immer in der Aufwachphase nach der ernüchternden US-Präsidentenwahl dämmern mir ein paar Fragen ins Bewusstsein. Wie ist „so etwas“ möglich? Wie kommt es, dass das Wahlvolk dieser Supermacht nur solche Kandidaten zur Auswahl hatte? Wie können Verfehlungen und Räubergeschichten durch eine Mehrheit zum Zeitpunkt des Wahlknopf-Drucks ausgeblendet werden? Ist Geld tatsächlich wichtiger als Vernunft? Und so weiter.

              Wenn der das kann, könnte ich das doch auch, fuhr mir durch meinen leicht wahrnehmungsvernebelten Kopf. Im Ernst: Donald Trump kann man keinen Vorwurf machen. Er ist so, wie er ist, und er war im Wahlkampf offenbar authentisch. Das Volk schöpfte in dieser Figur mehrheitlich Hoffnung auf Verbesserung der eigenen Situation und wählte ihn gutgläubig. Die US-Medien rissen sich um Einschaltquoten und berichteten ungefiltert. Hätten sie zuerst analysieren, recherchieren, verifizieren und erst eine Woche später differenziert kommunizieren dürfen, wäre die Berichterstattung ausgewogen, differenziert und verträglich gewesen. So gesehen hätte „Brieftauben- oder Meldeläuferkommunikation“ möglicherweise zu einem anderen Ergebnis geführt als die heutige 24-Stunden-online-ungefiltert-Kommunikation.

              Für mein Team, für unsere Tourismusorganisation, für den Bündner Tourismus schlage ich diesen Bogen: „Laut und kontrovers“ mag zum Erfolg führen. Der Beweis ist in grösster Dimension erbracht. Das Credo für unsere Kommunikation darf durchaus auch „laut und kontrovers“ sein, aber nicht nur. Effektiv zu Erfolg führen Exzellenz im Sinne von „tägliches Bemühen von Null“ im Interesse von bester Qualität, Exklusivität im Sinne von „das gibt es nur hier“, Konsequenz im Sinne von „langfristig und hartnäckig grosse Ziele verfolgen“ sowie Kontinuität im Sinne von „dranbleiben“ und nicht beim kleinsten Widerstand den eingeschlagenen Weg verlassen. Ansonsten könnte man sich auf dem Weg ins Glück plötzlich gewaltig trumpiert haben. Das wäre fatal. Im Grossen wie im Kleinen.

              Dieser Blog erscheint heute auch als Kolumne in der Südostschweiz.

              Winter: Fazit und Ansätze für erfolgreiche Winter (4/4)

              Schlüsselwörter: Region, DMO, Bergbahnen, Hotellerie, Ferienwohnungen, Synergien, Strategie
              Tag 52, 10. November 2016

              Das Wintergeschäft steht unter Druck, der Wettbewerb um den Winter ist riesig (Blog 55). Herausforderungen gibt es mehr oder weniger, ich habe 10 aufgezählt (Blog 54). Preisschlachten und Dumping nützen nichts, sondern drehen die Preisspirale in die falsche Richtung (Blog 55). – Was tun? Ich skizziere ein paar Ansätze, die meinem Team und mir während den letzten Jahren plausibel schienen:

              Als DMO konzentrieren wir uns auf die Gestaltung von Produkten und Leistungen, die wir möglichst konzentriert auf den Markt bringen und kommunikativ begleiten. Konsequent zusammen mit den Bergbahnen. Buchbare (Mehrwert-)Angebote, erweiterte Skischulangebote, aber auch spezielle Gäste-Programme. Grösstmögliche Konzentration der Mittel im Markt und gleichzeitig den Gastgebern ermöglichen, die vorhandenen Angebote zu ihren zu machen und die Kommunikation so zu multiplizieren.

              Für die Destination als Ganzes ist die Positionierung und Entwicklung des ganzen „Wintersystems“ von höchster Bedeutung und Aufgabe der regionalen Akteure und Bergbahn-Unternehmer. Wo wollen wir hin? Wie positionieren und differenzieren wir uns? Wer investiert wo? Wer unterstützt wie? Wo werden Synergien genutzt? Etc. Immer unter konsequenter Berücksichtigung des Marktes und des Umfeldes.

              Die Bergbahnen selber tun gut daran, sich auf das zu konzentrieren, was sie am Besten können. Gegen innen „wachsen“ und qualitativ kompromisslos sein. Sie haben ihr Produkt am Berg 100% im Griff. Entlang der ganzen Servicekette von der Haltestelle/vom Parkplatz zum Transport zu den Pisten zu den Restaurants zum Unterhaltungsangebot. Inklusive einem flexiblen und „digitalen“ Pricing. Ein Credo könnte sein: „Dann das Geschäft machen, wenn die Bedingungen gut sind“. Das heisst: Möglichst früher Saisonstart, während den Spitzenzeiten voll parat sein, gegen Saisonende mit Akzenten (z. B. Events und grosse Veranstaltungen) Zusatzgeschäfte machen, vertikal möglichst viel integrieren, mindestens kommunikativ.“

              Die einheimische Bevölkerung und die Zweitwohnungsbesitzenden leisten den wertvollsten Beitrag, indem sie das Bergbahn-Angebot aktiv nutzen. Mit der Familie, mit der Schule, im Skiclub, in der Talentförderung, mit den Gästen. Wir, die wir hier immer oder temporär wohnen sind die Botschafter. Wir sind die Glücklichen, vor der Haustüre über Angebote zu verfügen, von denen die Gäste zu Hause träumen!

              Die Gastgeber
              stehen in der Pflicht, für sich selber in der Hotellerie und in der Parahotellerie die bestmögliche Auslastung zu erzielen, damit Gäste hier sind und die Anlagen nutzen. Sie stehen für sich und für die Region in der grossen Verantwortung, gute Geschäfte zu machen. Die DMO kann mit Angeboten und Kommunikation unterstützen, die betrieblichen Voraussetzungen muss aber jeder Unternehmer selber schaffen.

              Die Region hat die Chance, strategische Entscheide zu treffen bezüglich „Bewirtschaftung von Flächen“ und Investitionsprojekten. Strukturwandel in der Übernachtungsindustrie muss politisch begleitet und wo nötig aktiv gesteuert werden, weil die Region exklusiv in der Verantwortung für das erfolgreiche Funktionieren des regionalen Systems steht.

              Graubündenweit kann man sich im Netzwerk mit der Situation des Wintertourismus auseinandersetzen und gemeinsam am künftigen Erfolgsmodell arbeiten, welches sich zwingend auf die drei Dimensionen der Nachhaltigkeit stützt und die Interessen der Einheimischen, der Unternehmer und der Gäste ausgewogen berücksichtigt.

              Winter: Preisdumping ist gefährlich (3/4)

              Schlüsselwörter: Bergbahnen, Attraktionen, Investitionen, Preisspirale, Dumping, Saas-Fee
              Tag 53, 9. November 2016

              Am Tag der historischen Trump-Wahl fällt es mir nicht so leicht, über das zu schreiben, was ich ursprünglich geplant hatte. Ich tue es dennoch und hoffe einfach, dass sich die Mehrheit des insbesondere heute kaum verständlichen Amerikaner-Volkes nicht trumpiert hat. - „Trumpiert“ nehme ich ab sofort wieder in meinen aktiven Wortschatz auf, denn früher habe ich dies oft gebraucht für „sich getäuscht haben“.

              Zurück zum Thema.
              Tafelsilber ist sehr wertvoll. Das Angebot der Bergbahnen ist wie Tafelsilber. Und als solches sehr wertvoll für jede Wintersportdestination. Zum Tafelsilber trägt man Sorge und verscherbelt es nicht.

              Der Wert des Tafelsilbers muss möglichst hoch gehalten werden. Denn das Angebot der Bergbahnen ist sehr hochwertig, aufwändig, für die Bergbahnen und für ihre Regionen von zentraler Bedeutung. Die Bergbahnen machen dann sehr gute Arbeit, wenn sie einen möglichst hohen Preis lösen können, um ihre Investitionsfähigkeit erhalten zu können. Sonst haben sie ein Problem. Und ein grösser werdendes Problem hat zur Folge, dass die Aktionäre oder die öffentliche Hand Geld einschiessen müssen.

              So gesehen kann es nicht sein, dass die Bergbahnen selber und sehr aktiv an der Preisspirale gegen unten drehen. Wie z. B. die Bergbahnen Saas-Fee. Die Kampagne ist im Fernsehen und in den sozialen Medien extrem präsent; wemakeit multipliziert die Botschaft. Da geht es nicht mehr um günstige Preise, sondern um Image-schädigendes Billig-Dumping des Wintersport-Angebotes. Eine Saisonkarte für CHF 222.- anzubieten ist ein Schlag ins Gesicht all jener Schneesportler, welche anständige-Treue-Preise bezahlen und ebenso ein Schlag ins Gesicht der Bergbahnen, welche mit allen Mitteln versuchen (müssen), ihr Angebot zum höchstmöglichen Preis zu verkaufen.

              Was kommen wir hin, wenn die Aktion Nachahmer findet? Wie wollen solche Bergbahnen Cash-flow erwirtschaften? Wie soll es möglich sein, die Preisspirale umzudrehen und wieder bessere Preise durchzusetzen? Wie reagiert der Markt? Wie schnell kommen die Kunden darauf, zu denken, dass die Bergbahnpreise offenbar überhöht sind, wenn solche Aktionen möglich sind? - Für mich gibt es nur eine Antwort: Das ist eine wenig überlegte Verzweiflungstat, mit der man die Aufmerksamkeit auf sich lenkt und meint, einen schlauen Beitrag zur Image-Profilierung und Positionierung leisten zu können. Vermutlich hat eine Werbeagentur damit viel Geld verdient.

              Ich lasse mich gerne eines Besseren belehren. Dann muss man mir aber erklären, warum so etwas gescheiter sein soll als zeitlich oder mengenmässig limitierte Aktionen, oder nachvollziehbare Vorverkaufsrabatte, oder Inklusive-Angebote, welche Bergbahnen, Gäste und Gastgeber gemeinsam finanzieren, oder Mehrwertleistungen, welche ihren (höheren) Preis haben dürfen. Alleine das Mengenargument kann es nicht sein, welches Dumping-Aktionen rechtfertigt. Kurzfristig mag es aufgehen. Aus Schnäppchenjägern werden aber keine treuen Stammgäste und die Mundpropaganda wird auch nicht beinhalten, was wir uns wünschen. Und ich glaube auch nicht, dass diese Gäste dann im 3*-Hotel über 1‘000 Franken bezahlen für ein Doppelzimmer im Januar für eine Woche (in Saas-Fee). Im Gegenteil. Die Schweiz und insbesondere Bergregionen dürfen nicht Billig-Strategien verfallen. Dazu ist unser Angebot viel zu hochwertig, gar zu exklusiv, die Produktionsbedingungen viel zu steinig. Nur die Qualitätsstrategie kann es sein. Damit das Tafelsilber seinen Wert behalten und die Bergbahnen ihre Schlüsselrolle als Attraktionen der Destinationen behalten können. – Ich hoffe, dass sich Saas-Fee nicht trumpiert mit ihrer Aktion. Das wäre schade.

                Winter: Nicht mehr wie früher - 10 Herausforderungen (2/4)

                Schlüsselwörter: Winter, Schnee, Skier-Days, Markt, Herausforderungen, Fakten, Prozess
                Tag 54, 8. November 2016

                Ich habe angekündigt, mich heute kritisch mit dem Winter auseinander zu setzen. Eigentlich stimmt diese Ankündigung so nicht! Ich versuche viel eher, die aktuelle Situation und Entwicklung zu analysieren und einige Erkenntnisse weiter zu geben. Diese sind kritisch, weil das Wintergeschäft tatsächlich unter Druck steht.

                In den vergangenen Jahren habe  ich mich immer wieder mit der Entwicklung des Winters beschäftigt, primär mit Blick auf das wertschöpfungsintensive Geschäft der Bergbahnen und der Skischulen, mit nachgelagertem Profit für die Hotellerie und Parahotellerie, oder je nach Betrachtung umgekehrt. Die Herausforderungen fasse ich in 10 Aspekten zusammen:

                1. Der Markt ist gesättigt, die Anzahl Skifahrer nimmt ab.
                Zu diesem Thema gibt es verschiedene Studien. Ich halte mich an das Wirtschaftsforum Graubünden, welches in der „Schneesportler-Studie" auf Seite 11 schreibt: „Während die Zahl der Skier-Days im Alpenraum in den letzten 12 Jahren insgesamt um 13% zunahm, nahm sie in der Schweiz um 18% ab.“ Das heisst: Die Nachfrage nach dem Produkt „Wintersport auf der Piste“ nimmt ab. Dazu kommt, dass die Aufenthaltsdauer kürzer wird; aktuell liegt sie bei den Schweizer-/innen bei 2.5 Tagen. Kürzer heisst kurzfristiger. Damit steigt die Wetterabhängigkeit.

                2. Mit jeder neuen Bahn steigen die Transportkapazitäten und damit der Wettbewerb um die Kunden.
                Während ein Skilift einige hundert Skifahrer/-innen bergwärts zieht, haben die Hochleistungsanlagen Förderkapazitäten von bis zu über 3‘000 Personen pro Stunde.

                3. Je weniger (lange) Schnee im Unterland, desto weniger ist Schnee ein Thema, der Nachwuchs fehlt.
                Die Voralpen-Skilifte haben in der Nachwuchsförderung eine zentrale Aufgabe. Ich habe in Linden, Goldiwil, Heiligenschwendi, Heimenschwand, Blumenstein, am "Tröimli" in Reutigen und in Schwanden skifahren gelernt. „Gross“ wurde ich dann auf der First in Grindelwald. – Wenn es im „Unterland“ kaum mehr Schnee hat, lernen Kinder weniger Skifahren.

                4. Die internationale Konkurrenz steigt (allgemein).
                Das Wettrüsten ist Fakt. In China gibt es laut Schweiz Tourismus bereits 568 Skigebiete. Das Wachstum des Skitourismus in China ist schnell. Sehr gut für uns, denn die Chinesen wollen irgendwann auch das „Original“ besuchen. Ob sie dann aber zu uns kommen, steht auf einem anderen Blatt. - Weiter: Gemäss Landesagentur für Umwelt in Bozen können „bereits ca. 70 bis 80% der Gesamtfläche der Skipisten (4'000 ha), also ungefähr 3000 ha, beschneit werden.“ In Tirol sind es 80 Prozent oder 5'800 Hektar. In GR sind es 858 Hektaren oder 34 Prozent (nur).

                5. Der Anteil der Aussteiger wächst wegen Überalterung. Eine starke Generation von traditionellen Wintersportlern kommt in den nächsten Jahren in den Ruhestand.
                Meine Generation mit Jahrgang 1965 (plus-minus) hat traditionell noch skifahren gelernt. Alle Klassen gingen ins Skilager. Wer fehlte, war „out“ und wurde schräg angeschaut. Diese Generation wird in 15 Jahren pensioniert und wird dann nach und nach nicht mehr skifahren (leider). Für die folgenden Generationen ist skifahren nicht mehr selbstverständlich.

                6. Die Auslastung der Ferienwohnungen und von vielen Hotels lässt mit 50 % zu wünschen übrig.
                Die Entwicklung der Skier-Days ist an die Entwicklung der Logiernächte gekoppelt. Und diese ist negativ; bei insgesamt ungenügender Bettenauslastung.

                7. Die Alternativen nehmen zu.
                Im Winter kann man heute noch viel mehr machen als skifahren. Und dazu noch in unmittelbarer Nachbarschaft. Mit Nutzung der Alternativen nimmt die Aktivität auf Schnee ab.

                8. Zunehmend höhere Kosten.
                Skifahren ist verhältnismässig teuer, weil es eine Ausrüstung braucht. Leisten können sich das nicht alle Menschen. Skifahren soll aber nicht ein Luxussport sein. Mit Dumping-Aktionen (wie jene von Saas-Fee) steigt der Druck auf die Ticketpreise und damit auf die Einnahmen der Bergbahnen und damit auf die Investitionsvorhaben, welche wegen technischen Innovationen teurer werden.

                9. Klima-Unsicherheiten nehmen zu.
                Um die Schneesicherheit für Skigebiete weiterhin zu gewährleisten, müsste die künstliche Beschneiung – sofern überhaupt noch möglich – bis Ende des Jahrhunderts verdreifacht werden (S. 80, Beilage 1). 2035 wird in 70 Prozent der Skigebiete (ohne weitere Massnahmen) die natürliche Schneesicherheit nicht mehr gegeben sein wird (S. 118, Beilage 1). Die NZZ schreibt „da hilft keine Beschneiung“. Die Hotelrevue schreibt "der Klimawandel trifft den Tourismus hart".

                10. Innovationsdruck steigt.
                Die Bergbahnen sind eigentliche Innovatoren und Innovationstreiber. Sie entwickeln sich ständig weiter, im Interesse der Unternehmen, der Gäste und der Regionen. Innovation kostet und bedingt kerngesunde Unternehmungen, welche Cash-flow produzieren und damit investitionsfähig bleiben. Wenn die öffentliche Hand einsteigt, um die Attraktivität für die Region zu erhalten, nimmt der Druck zu und die Wettbewerbsverzerrung auch.

                Mehr zum Thema:

                • „Alles fährt Ski“, historischer Zeitungsbericht aus Deutschland, 1956/1957, siehe Foto
                • Wirtschaftsforum Graubünden, Aussichten für das Geschäft mit den alpinen Schneesportlern in Graubünden, siehe PDF
                • Bericht Brennpunkt Klima Schweiz, siehe www.proclim.ch/brennpunkt
                • Bericht Teil 2: Folgen und Anpassung, Kap. 2.3 Schnee, Gletscher und Permafrost, S. 80, S. 118, siehe PDF
                • Hotelrevue, 7.11.16, der Klimawandel trifft den Tourismus hart, siehe Internet
                • NZZ, 6.11.16, Da hilft keine Beschneiung, siehe Internet

                Winter: Millionen sind vom Himmel gefallen (1/4)

                Schlüsselwörter: Winter, Schnee, Prognose, Entwicklung
                Tag 55, 7. November 2016

                09.05 Uhr: Um diese Zeit habe ich gestern Sonntag die erste Schneeflocke des Winters gesehen. In der Höhe war das Weiss schon sichtbar. Bei uns dauerte es aber noch, bis es richtig ansetzte. "Millionen sind vom Himmel gefallen", pflegte jeweils Beni Kreuzer zu sagen, mein Kommunikationslehrer an der Tourismusfachschule. - Kam der Winter zu früh? Ja, wir hätten gerne noch ein paar goldene Tage gehabt. Im Herbst kann man nie genug davon kriegen. Kam der Winter zur richtigen Zeit? Ja, denn der Schnee ist Voraussetzung für ein gutes Wintergeschäft. Die Bergbahnen können mit dem Pistenaufbau beginnen. Und mit tiefen Temperaturen lässt sich auch robuster „Kunstschnee“ produzieren, der die Grundlage für das wertschöpfungsintensive Wintergeschäft ist.

                Viel wichtiger aber ist das Signal, welches der rechtzeitige Schnee ins Unterland schickt! Wir haben Schnee! Der Winter ist im Anmarsch! Der Winterauftakt ist gesichert! - Das ist wichtig für die Planung der Winterferien; die Lust wird geweckt für Schwünge auf der Piste, Züge in der Loipe, Spuren neben Pisten und Wegen, Kurven auf Schlittelwegen. Das ist aber auch wichtig für die Sportartikelbranche; jetzt ist es Zeit für die Kontrolle der Ausrüstung und für Neu-Anschaffungen, resp. für den Weihnachtswunschzettel! Jetzt ist es Zeit für den Vorverkauf von Abonnementen, damit wir dann bereit sind, wenn es los geht.

                Die Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF) verhiess der Hotellerie im Bündner Winter 2016/17 ein Minus von 1 Prozent. Mit dem jetzt gefallenen Schnee sind die Voraussetzungen schon mal viel besser! Aber keine Geiss schleckt es weg: Das Wintergeschäft steht unter Druck, der Wettbewerb um den Winter ist riesig, die Medien tun sich schwer mit der Entwicklung in den Bergen. Darum nehme ich das Thema auf und setze mich morgen kritisch mit der Winter-Entwicklung auseinander, mache einen Tag später Aussagen zur Preisentwicklung bei den Bergbahnen und wage im vierten Teil einen Blick in die Zukunft.

                Mehr zum Thema:

                  Gotthard: Porta Alpina ist jetzt MFS Sedrun

                  Schlüsselwörter: Pioniere, Baustellenmarketing, Exklusivität, Regionalität, Emotionen
                  Tag 56, 6. November 2016

                  Es mutet komisch an, auf der SBB-Anzeigentafel „Extrazug Gottardino mit Zwischenhalt in der Multifunktionsstelle Sedrun“ zu lesen und dort mit „bainvegni a Sedrun“ begrüsst zu werden. Multifunktionsstelle heisst offiziell abgekürzt „MFS“. Eigentlich ist es ein Besuch der Porta Alpina. Nur ist die Porta Alpina keine „Porta“, sondern nun eben eine MFS mit einer Hebebühne nach Sedrun, welche ein bis zwei Mal pro Jahr für Wartungsarbeiten benützt wird, mehr nicht. Die MFS Sedrun ist auch ohne Porta Alpina extrem wichtig, wie jene in Faido auch, primär in Notfällen. Quasi eine „Notfall-Multifunktionsstelle mit Schönheitsfehler“; mindestens für Jene, die sich noch an die Vision und an den Kampf für die Porta Alpina erinnern können. Vereinzelt habe ich 800 m unter Sedrun Bedauern gehört, dass es die Porta Alpina jetzt nicht gibt.

                  Im Pionierpass, den alle x tausend Besucher/-innen erhalten, welche den Gotthard-Basistunnel inklusive Stopp in der MFS Sedrun mit der Erlebniswelt zum Mythos Gotthard vor der offiziellen Inbetriebnahme beim Fahrplanwechsel am 10. Dezember 2016 besuchen, steht zur Begrüssung geschrieben: „Sie sind ein Pionier.“ Ich kam mir nicht so vor. Pioniere kann es nicht so viele geben. Pioniere waren Alfred Escher, Eduard Gruner und Adolf Ogi. Sie hatten Ideen, schufen Pläne und setzten um. Resultat sind Jahrhundertbauwerke: Gotthard-Bergstrecke und Gotthard-Basistunnel. Wer jetzt in der MFS Sedrun seinen Pionierpass mit einem „Ich bin ein Pionier!“ abstempelt, ist nicht Pionier, sondern Fan, interessiert und hoffentlich Botschafter für ein technisches Wunderwerk, das Massstäbe setzt.

                  Wer mit dem Gottardino unterwegs war, ist auch vom SBB-Marketing erreicht worden, welches die Klaviatur von internationaler Verbindung, Emotionen, Exklusivität und Technik perfekt spielt. Garniert mit Regionalität, welche einem mit den einheimischen Produkten vom kleinen Markt in Biasca mit nach Hause verkauft wird.

                  Schade, ist die Porta Alpina nicht realisiert worden. Aber immerhin heisst die MFS noch Sedrun. Und als solche lehrt sie uns, was mit "Baustellenmarketing" alles möglich ist. Nicht gerade in Gotthard-Dimensionen, aber klein und beschaulich bei Neu- und Ersatzbauten und Revisionen von Bergbahnen, Hotels, Bädern und anderen Infrastruktur-Anlagen. Da sind die Besucher-/innen von exklusiven Tagen der offenen Türen auch nicht Pioniere, sondern jene, welche risikoreich und im Interesse der Öffentlichkeit unternehmerisch tätig sind und Leistungen erbringen, welche sehr wohl Anerkennung und Wertschätzung verdienen. 

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                  Apropos neu denken: Totentanz

                  Schlüsselwörter: Kreativität, Auseinandersetzung, Kunst, Inspiration
                  Tag 57, 5. November 2016

                  Der Basler Totentanz war ein Gemälde, welches bis 1805 auf der Friedhofsmauer der Predigerkirche zu sehen war und die Menschen an die Auseinandersetzung mit dem Tod erinnerte. Das Gemälde besteht nicht mehr und die Tramstation heisst nicht mehr Totentanz, sondern Universitätsspital.

                  Der Totentanz ist heute eine temporäre Auseinandersetzung mit dem Tod in Kunstform. Eingeladene Künstler beschäftigen sich in allen denkbaren und undenkbaren Formen und Farben und Installationen mit dem Tod. Und damit auch mit dem Leben. „Neu denken“ auch hier: Äusserst kreativ, unterhaltsam, inspirierend, zum Nachdenken animierend. Da gibt es den Sensemann, der unaufhörlich auf die Sense hämmert, das Todesversicherungsbüro, das Telefon mit dem Tod, Altersschminke, Todesberatung und – besonders kreativ – die Installation „die Radieschen von unten anschauen“. Da wird man im sorgfältig ausgekleideten Sarg unter den Boden geschoben und sieht dann über sich das Leben von unten. Vom Bundesrat und Krabbelwesen bis zu Gartenarbeiten und eben: Radieschen. „Unterhaltung“ vom Feinsten!

                  Um Kunst zu erleben kann man, muss man aber nicht bis nach Basel reisen. Auch in unserer Ferienregion gibt es immer wieder Gelegenheit zur Inspiration und Auseinandersetzung mit Neuem, Unerwartetem, Kreativem. Zum Beispiel ab Morgen im Val Sinestra bei „Aua forta – Kunst im Val Sinestra“, wenn sich Arno Camenisch zur Eröffnung bei einer Matinée-Lesung-Performance die Ehre gibt. Oder in Nairs, dem jetzt ganzjährig geöffneten Zentrum für Gegenwartskunst mit internationaler Ausstrahlung und Anerkennung.

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                  Ausgejammert: Neu denken führt zu LHQ

                  Schlüsselwörter: Lösungen höherer Qualität (LHQ), Erfahrung, Gewohnheit, Denken
                  Tag 58, 4. November 2016

                  Tourismus ist komplex, vernetzt, hoch interessant und extrem wichtig für Graubünden. Und für unser Land. Mit dem Thema „Neue Perspektiven“ haben wir uns am zu Ende gehenden Management-Seminar für führende Schweizer Touristiker-/innen in Bad Zurzach beschäftigt. Nun denke ich, dass wir die aktuellen Herausforderungen und Probleme nicht mit unserer Erfahrung lösen können. Das heisst, unsere Erfahrung schränkt uns im Entwickeln neuer Lösungen massiv ein.

                  Kennen Sie die Situation auch, dass Sie in einer Diskussionsrunde Mitglieder haben, die immer direkt und ohne zu überlegen bereits eine Antwort haben, alles schon wissen, sich absolut sicher sind, recht zu haben, immer nur antworten und nie eine Fragen stellen? Langweilig und vor allem gefährlich! Denn: Es kann heute niemand sagen, was die Zukunft effektiv bringt.  Oder kannten Sie vor fünf, zehn, zwanzig Jahren UBER, airbnb, Booking.com? Sahen Sie den Euro-Absturz voraus?

                  Diese Beispiele zeigen, dass wir uns in kürzester Zeit mit neuen Geschäftsmodellen und Aufgaben haben beschäftigen müssen, von denen wir erst „seit kurzem“ wissen. Als ich vor 25 Jahren meine erste Bündner Stelle in Vals antrat, glaubte ich noch nicht einmal, dass sich Internet durchsetzen würde…

                  Einstein sagte, „Erfahrung ist das Ende aller Phantasie“. „Neu denken“ finde ich den spannenden Ansatz. Sich von dem lösen, was wir wissen und von dem wir glauben, dass es exklusiv richtig ist. Von Gewohnheiten auch, die wir uns angeeignet haben und die uns jetzt einschränken. Jetzt, da wir mit ganz neuen und unbekannten Herausforderungen umgehen müssen. Neues ausprobieren, experimentieren, in bestehenden Gremien, in neuen Konstellationen. Neu denken von alten und neuen Fragen, ohne sich mit den Antworten voreilig zufrieden zu geben. Denn schnelle und absolute Antworten verhindern gemeinsames Denken, den gemeinsamen Dialog, und in der Folge die Entwicklung von Lösungen höherer Qualität (LHQ). LHQ müssen das Ziel sein und nur diese bringen uns weiter.

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                  Dieser Blog erscheint heute auch als Kolumne in der Südostschweiz.

                  Hotellerie: Es gibt Lösungsansätze (3/3)

                  Schlüsselwörter: Kooperationen, Fusionen, Management, Vertrauen, Strategie
                  Tag 59, 3. November 2016

                  Wir, die Hoteliers und die Region sind gefordert. Wir tun gemeinsam (noch) zu wenig. Will man erfolgreich ansetzen, so genügt Arbeit nach dem Prinzip „Alleingang“ nicht mehr. Meint: Wenn die DMO Marketing macht, wenn der Hotelier selber seinen Betrieb führt, wenn die Region nicht aktiv eingreift. Schauen wir uns die drei Handlungsfelder an, in denen angesetzt werden kann:

                  Erstes Handlungsfeld: Marketing: Das ist unser Kernthema und da sind wir fit, aber knapp an Finanzen: Hotel-Kooperationen in zahlreichen Produkten wie Wellness Inklusive, Engadin Scuol Mobil (Sommer und Winter), Engadin Val Müstair Mobil, Skipass inklusive, etc. Kooperation in Sommerpauschalen und Winterpauschalen wie Via Engiadina (Sommer und Winter), Wintersonne, Wintertraum, Nationalpark Bike-Tour, Uina Bernina Bike-TourLanglaufhit, Nationalpark-Hotels, Schellen-Ursli, etc. Diese Kooperationen sind aber wegen zu kleinen Budgets finanziell schwach aufgestellt. Kooperationen fallen auseinander, wenn der Kostendruck steigt und wenn die Budgets erheblich erhöht werden sollten.

                  Zweites Handlungsfeld: Betriebliche Kooperation: Da gibt es ausser den „fusionierten“ Hotel-Betrieben in Samnaun und Scuol noch keine mir bekannten Kooperationen. Hier würde die Hotel-Offensive ansetzen: Gemeinsam machen, was gegenüber den Gästen „nichts bringt“, resp. nicht differenziert: Buchhaltung, Personalbeschaffung, Weiterbildung, Versicherungen, Einkauf, Wäsche, Vertriebssystem, Angebotsgestaltung und Positionierung, Gästebetreuung, etc. Hier braucht es vor allem den Willen zur Zusammenarbeit.

                  Drittes Handlungsfeld: Management-Kooperationen oder Fusionen: Konsequente betriebliche Zusammenschlüsse (wie die oben erwähnten Fusionen) sind die effizienteste Form der „Zusammenarbeit“. Sie kann aus den beiden Vorstufen resultieren, wenn Betriebe ihre Zusammenarbeit im Marketing und im Betrieb „geübt“ haben. Sie kann aber auch direkt angegangen werden. Nebst dem Willen zur Zusammenarbeit braucht es auch weit gehendes Vertrauen und die Bereitschaft, „Kooperationen“ ganz neu zu denken.

                  Während wir uns mit den Grundlagen beschäftigen, sind Andere mittlerweile weiter. Insbesondere in der mittleren Stufe, wo im Rahmen des Betriebs konsequent Synergien genutzt werden können. Ich meine nicht Hotelketten, welche längst vormachen, wie heute international in XXL-Dimensionen geschäftet wird! Ich meine Betriebe in vergleichbaren Dimensionen:

                  Dort kann man abschauen und sofort kopieren, was für unsere Destination Sinn macht. Ich wünsche mir, resp. empfehle eine dreiteilige Handlungsagenda unter dem strategischen Dach der Agenda 2030 mit Zielen, Aufgaben, Verantwortlichkeiten und Terminen in den drei Bereichen Marketing (Hoteliers zusammen mit der DMO), Betrieb und Management (Hoteliers unter sich mit einem Coach) sowie regional zwischen Gemeinden und Hotellerie, wenn es um strategische Flächen sowie um Neuansiedlungen geht. Damit wir für Investoren und Unternehmer und folglich auch für Gäste attraktiv bleiben.


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                  Hotellerie: Die DMO löst das Problem nicht (2/3)

                  Schlüsselwörter: Marketing, Markt, Strukturproblem, Hotel-Offensive, Agenda 2030
                  Tag 60, 2. November 2016

                  Wir tun alles für mehr Nachfrage. Aber wir können die Erwartung der Gastgeber nicht erfüllen, dass wir ihnen im gewünschten – oder notwendigen – Ausmass mehr Gäste bringen, wie sie dies gerne möchten. Auch gegenüber der Region sind wir nicht in der Lage, den Auftrag „Förderung der Nachfrage“ eins zu eins zu erfüllen. Alleine aufgrund der letzten Hotel-Schliessungen (Hotel Schweizerhof und Kurhaus Tarasp) hat die Ferienregion Engadin Scuol 70‘000 Hotel-Logiernächte verloren. Das DMO-Marketing genügt nicht zur Erfüllung der individuellen Erwartungen und strukturelle Rückgänge lassen sich nicht einfach kompensieren! Dazu kommt, dass das Marketing der DMO in Bezug auf konkrete Nachfrageförderung immer ergänzend zum Marketing der Leistungsträger ist, und nicht umgekehrt*!

                  Was müssen die Hoteliers tun?
                  Sie müssen Kosten einsparen, die Abläufe effizienter gestalten und Anpassungen beim Businessmodell vornehmen. Dies ist seit langem bekannt und in jeder Branchenzeitung zu lesen. Die Hotelrevue hat dem Thema am 5. März 2015 einen ganzen „Fokus“ gewidmet.

                  Wir haben vor ein paar Jahren zwei Hotel-Offensiven lanciert, um die Herausforderungen gemeinsam mit der Hotellerie angehen zu können. In der zweiten Auflage 2013 haben wir konkrete Lösungsansätze skizziert wie „Bestehende Kooperationen weiter entwickeln“, „In den Vertrieb investieren (Ressourcen, Know-how)“, „Prozesse evaluieren, bei denen pro Nacht Geld gespart werden kann“. - Wir schlugen vor, eine gemeinsame Stelle zu schaffen, die sich exklusiv mit Chancen und Lösungen für die Hotellerie kümmert.

                  Es ist uns bis jetzt nicht gelungen, die Hotel-Offensive zu starten. Das ist aber jederzeit möglich.

                  Was muss die Region machen?
                  Sie muss die Hotelförderung im Rahmen der Agenda 2030* konkret angehen, damit neue Betten entstehen können, welche den Anforderungen der Märkte in Bezug auf Grösse, Produktion, Kosten, Angebot, Marketing und Führung genügen. Diese Massnahme hätte ich zu Beginn meiner Zeit in der Destination noch nicht erwähnt, geschweige denn als zwingend bezeichnet. Damals hätte ich gesagt: „Wir haben genügend Betten, brauchen keine neue Konkurrenz und wir schaffen es gemeinsam, die Betten wieder zu füllen“. Heute bin ich aufgrund der veränderten Markt- und Nachfragesituation fest davon überzeugt, dass erstens Strukturwandel nicht von alleine passiert und dass zweitens die bestehenden Mittelklasse-Hotels nicht in der Lage sind, den Turnaround so zu schaffen, dass gute Auslastung auch wieder in nachfrage-schwachen Zeiten resultiert.

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                  Hotellerie: Zentral wichtig, unglaublich gefordert (1/3)

                  Schlüsselwörter: Rückgrat, Wertschöpfung, Markt, Angebot, Preis
                  Tag 61, 1. November 2016

                  Die Hotellerie liegt mir zentral am Herzen. Sie ist in einer Ferienregion, welche nicht primär von Tagesausflugs-Frequenzen profitieren kann, das Rückgrat für die touristische Entwicklung. Eine gute Auslastung in der Hotellerie hat bei den direkten und indirekten Nutzniessern Frequenzen und damit Umsatz und Wertschöpfung zur Folge. Dies nebst den Arbeitsplätzen und den damit verbundenen volkswirtschaftlichen und sozialen Effekten und Steuereinnahmen bei den Gemeinden.

                  Die Rückgrat-Funktion nehmen auch die Bergbahnen und das Bogn Engiadina für sich in Anspruch. Aus ihrer individuellen und unternehmerischen Perspektive absolut mit Recht. Ihre Rückgratfunktion sehe ich aber vielmehr als Innovationstreiber in der Weiterentwicklung der wertschöpfungsintensivsten Angebote, resp. Freizeitaktivitäten.

                  Die Hotellerie macht seit vielen Jahren sehr anspruchsvolle Zeiten durch. Deshalb beschäftige ich mich in einer dreiteiligen Mini-Serie mit diesem sehr wichtigen Bereich.

                  Erstes zentrales Problem ist der zersplitterte Markt, resp. die nicht mehr kalkulierbare Nachfrage: Die Gäste „funktionieren“ nicht mehr so wie früher, als man ein Inserat veröffentlichen oder einen Stammgästebrief verschicken konnte und es resultierten Buchungen. Zudem ist die Aufenthaltsdauer gegenüber früher kürzer, die Gäste entscheiden sich viel kurzfristiger und sind weniger loyal: Sie reisen nicht mehr jedes Jahr an den gleichen Ort. Heute haben sich die Marketing-Kanäle ver-ix-facht, was entsprechendes Know-how und viel mehr Marketingmittel notwendig macht, um die gleiche hohe Nachfrage generieren zu können.

                   

                  Zweites zentrales Problem ist das nicht mehr zeitgemässe Angebot: Viele Betriebe sind zu klein, wodurch die vergleichsweise hohen Lohn- und Produktionskosten auf weniger Frequenzen verteilt werden müssen. Gleichzeitig stehen die Preise im globalen Markt unter Druck. Weiter ist die Rekrutierung von Mitarbeitenden eine schwierige Daueraufgabe. Grosse und neue Betriebe produzieren günstiger und sind als Arbeitgeber attraktiver. Sie haben auch eher die Chance, noch über freie Mittel zu verfügen, welche in das Angebot investiert werden können.

                  Bei gleich bleibend hohem Druck ist es für die Hotellerie heute sehr schwierig, Chancen zu erkennen und diese zu nutzen. Die positive Botschaft lautet: Es gibt Handlungsspielraum und dieser kann ausgenutzt werden!  - Morgen schreibe ich über das, was jeder Hotelier selber machen kann. Übermorgen zeige ich Beispiele, die ich zur Nachahmung empfehle. Ich schliesse dann mit einer Hoffnung, resp. mit einem Wunsch.

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                          So werden Autoritäten untergraben

                          Schlüsselwörter: Neues Büro, Pavillon, Provisorium, Umzug, Perspektive, Gurlaina, Eishalle
                          Tag 62, 31. Oktober 2016

                          Den heutigen Titel schrieb mir Niculin Meyer als Legende zur Foto am 31. Oktober 2012. Vier Jahre ist es her. Wir zogen am 16./17. August 2012 mit dem Team Scuol in das Provisorium am Bahnhof. Dort blieben wir zwei Jahre. Am 24./25. September 2014 zügelten wir wieder an den alten Standort zurück; in neue Büros im Coop-Gebäde. Unser Provisorium am Bahnhof ist heute Ochsner Hockey Pro Shop und Garderobe auf Gurlaina; ideale Ergänzung zur einigen (!) Eishalle im Engadin.

                          Zwei Jahr Provisorium. Wobei die Arbeit natürlich nicht provisorisch war, sondern inhaltlich genau gleich wie an den langjährigen Standorten. Und trotzdem: Die veränderte Perspektive tat in vielerlei Hinsicht gut: Wir lernten den Standort Bahnhof schätzen. Mit dem Zug abreisen wurde sehr praktisch und unser Sitzungsort wurde es für Zuganreisende ebenso. Wir lernten, auf kleinem Raum effizient zu sein, einander nicht zu stören und knappe Installationen wie Küche und Toilette gemeinsam zu nutzen. Die Schneeräumung mussten wir selber besorgen, da kam nicht bequem der Pflug der Gemeinde bis vor unsere Eingänge. Die Hoteliers und Ferienwohnungsvermieter am Bahnhof hatten uns plötzlich ganz nahe, für die Gastgeber am Stradun und im unteren Ortsteil waren wir plötzlich weit weg. Die Gäste suchten uns manchmal oder hatten während dem Umsteigen kaum Zeit für einen Besuch bei uns. Wir erlebten den Knoten des Öffentlichen Verkehrs live; das Zusammenspiel von Rhätischer Bahn, PostAuto, Bergbahn, Taxi und privatem Verkehr ist eindrücklich; an Spitzentagen gar pulsierend mit städtischen Ausmassen.

                          Seit zwei Jahren sind wir zurück im Zentrum. Mit dem PostAuto immer noch praktisch verbunden mit dem Bahnhof. Aber doch weiter weg und zurück im Dorf. Was bleibt? – Die Einsicht und Bestätigung, dass der Wechsel der Perspektive gut tut und die Augen öffnet. Je nach Blickwinkel sieht etwas ganz anders aus. Und das regt zum Nachdenken an und führt zum Verstehen anderer Standpunkte und Überlegungen. – Man kann die Perspektive auch ohne Büro-Umzug wechseln. Nur muss man es dann wirklich wollen und bewusst tun. Hat man plötzlich kein Büro mehr, muss man es einfach tun!

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                                Rechnung aufgegangen - die Region profitiert

                                Schlüsselwörter: Saisonverlängerung, regionale Vielfalt, Partnerschaft, Herbst
                                Tag 63, 30. Oktober 2016

                                Die Bergkastelseilbahn in Nauders beendete die Sommersaison am 16. Oktober, die Doppelsesselbahn Mutzkopf am 2. Oktober, in Serfaus war am 15. Oktober Schluss, teils am 22. Oktober, in Schöneben am 16. Oktober, auf Muottas Muragl und Languard am 22. Oktober,  etc. Andere schliessen noch früher. Die Gondelbahn Scuol-Motta Naluns ist erfreulicherweise bis am Dienstag, 1. November in Betrieb; bis und mit Allerheiligen.

                                Dieses Jahr geht die Rechnung voll auf: Perfektes Herbstwetter, ideale Temperaturen, kaum Schnee in der Höhe. Schöner könnte es nicht sein und die Wetterprognosen sind auch bereits seit Tagen vielversprechend. So lassen sich Ferientage bei uns planen, die in jeder Beziehung unschlagbar sein können. Diese Farben, dieses Licht, diese Wärme! Ausspannen, auftanken, die Seele baumeln lassen, oder nochmals ohne Skier in die Höhe. „Alle Wanderwege sind offen. In Lagen oberhalb von 2500 m wenig Schnee.“, meldet der Schweizerische Nationalpark. Oder eben mit der Gondelbahn auf die Motta. Geniessen, spazieren, wandern, Trottinett fahren, biken, das volle Programm.

                                Nun, einfach so halten die Bergbahnen den Betrieb ja nicht aufrecht. Rein ökonomisch gesehen könnten sie den Betrieb auch einstellen, die Anlagen revidieren und den Winter vorbereiten. Sie halten den Betrieb aufrecht, weil in der Ferienregion Engadin Scuol lange Saisonzeiten auf- und ausgebaut wurden. Das Engadin Bad Scuol ist das nicht austauschbare Ganzjahresangebot; parallel dazu leisten die Bergbahnen im Interesse der langen regionalen Angebotsvielfalt ihren Beitrag, wir von der Tourismusorganisation bieten zusammen mit unseren Partnern ein Gästeprogramm, welches das ganze Jahr über Vorträge, Führungen und Exkursionen anbietet. Die Gastgeber der Hotellerie und der Parahotellerie können davon profitieren und das verfügbare Angebot zu jenem ihrer Gäste machen. Wenn sie auch noch offen haben. Und nachgelagert profitiert die ganze Regionl

                                So bekommen die Spitzenzeiten der Sommer- und Wintersaison mit der Zeit „breite Schultern“, die Zwischensaison wird kürzer und die Beschäftigungsmöglichkeit in touristischen Arbeitsstellen länger. - Nach dem 1. November startet die „Wellness-Saison“, bis wir am 24. November in Samnaun bereits den Winter lancieren; mit den Nikolaus Weltmeisterschaften und 77 Bombay Street am 26. November. Scuol zieht am Wochenende des 3./4. Dezember nach. - Doch jetzt geniessen wir noch den genialen Herbst. Einen schönen Sonntag!

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                                    Rumantsch: I mancan adüna pleds

                                    Pleds clav: interess, sfida, pazienza, consequenza, stimul
                                    Di 64, 29 october 2016

                                    Hoz a lö la radunanza da delegadas e  delegads da la Lia Rumantscha a Lavin. Ura pel prüm blog in rumantsch. O che es il pled rumantsch per «blog»? Tenor dicziunari rumantsch nu daja üna tradacziun…

                                    Id es ün da meis success persunals dals ultims bod dudesch ons: Eu n’ha imprais üna nouva lingua. Na be üna nouva lingua, ma rumantsch! Ed eu sa natüralmaing: Chi chi sa rumantsch, sa propcha daplü! A Coira n’haja cumanza cun ün pêr cuors in rumantsch grischun pro duonna Gabriela. Be our da motivs d’interess. Chi che lavura in Grischun dess savair alch davart quista lingua, n’haja pensa. Almain ün pêr pleds e robas fundamentalas. Ingün problem d’imprender rumantsch illa versiun "grischun artificiala". Per mai d’eira quai üna fich buna basa. Là nu savev’eu amo nüglia da meis nouv ingaschamaint in Engiadina Bassa. Pervi da quai n’haja cumanza cun rumantsch grischun.

                                    Eu m’algord amo fich bain: Pro Grischun Vacanzas n’haja lavura insembel cun Manuela Michel (hoz Ruinatscha) e Ladina Zanetti (hoz Schena). Lur "hai, hai" e "schi schi" eui d’eira be üna «crabottạda» (quist pled n’haja our dal udg.ch) e total malinclegiantạivel. Confuorm a quista experienza n’haja gnü ter grond respet da la müdada in Engiadina Bassa.

                                    Arrivà a Scuol n’haja visità divers cuors pro duonna Rut e duonna Madlaina per imprender a fuond la grammatica e per pudair cumanzar a discuorrer inandret; uossa in vallader, per consequenza. Ma quai d’eira amo ün lung viadi. I d’eira minchatant dischillusond (?), da stuvair realisar, ch’i da grondas differenzas tanter ün pa discuors pitschen (smalltalk) ed ün discuors inandret. E i douvra curaschi da restar i’l rumantsch, listess chi nu vegnan adimmaint ils prossems pleds o cur ch’ils indigens han fingià müda illa lingua tudais-cha, impè dad’avair ün pa pazienza e da güdar sur "üna foura da savair".

                                    Meis team m’ha güda fich bler. Eu n’ha bleras pussibiltàs per discuorrer e scriver rumantsch e da metter insembel la cumbinella, toc per toc. Hoz suna capabel da dir bod tuot in rumantsch, suvent cun pleds indirects e stortas. - Eu vegn a la persvasiun, ch’eu rest uossa sü ün nivel da plü o main 80 percient dal pussibel; ils ultims 20 percient fin il savair perfet resta resalva als indigens. Quai es bun uschè ed al listess temp ün stimul permanent.

                                    Dapü da quist tema:

                                      Ausgejammert: Die Wegmarken sich die Gleichen

                                      Schlüsselwörter: Vision, Vernetzung, Themen, Branding, Schulung, Digitalisierung
                                      Tag 65, 28. Oktober 2016

                                      Von meinem früheren Chef und Mentor Olivier Federspiel, der leider viel zu früh verstarb, habe ich viel gelernt. Auch, was es braucht, damit eine Destination unserer Art erfolgreich sein kann. Unter dem Titel „Wegmarken“ hat er vor 15 Jahren notiert, es brauche „eine Vision pro Talschaft“. Das haben wir heute mehr oder weniger. Mehr, wo die Verantwortlichen im Austausch mit den Anspruchsgruppen einen kontinuierlichen und konsequenten Dialog pflegen; weniger, wo ein Jekami zu wilden Fantasien und immer wieder neuen Ideen führt. Eine „branchenübergreifende Vernetzung“ war auch ein Muss-Kriterium auf der Liste. Es gibt heute x ausgezeichnete Beispiele für tragfähige Kooperationen, in jeder Destination. Und trotzdem scheitern Kooperationen immer wieder in stürmischen Phasen, weil sie oft unverbindlich und auf „Schönwetter-Verhältnisse“ ausgerichtet sind. Wenn’s gut läuft lässt sich einfach kooperieren! Vernetzung bleibt Pionierarbeit und die Sicherung von Netzen bleibt sehr aufwändig! „Themenführerschaft“ und „Klares Branding“ stand auch auf dem Erfolgsrezept von damals. Diese Forderungen behielten ihre Gültigkeit ebenfalls. Vielfalt lässt sich heute genau so wenig erfolgreich kommunizieren wie damals; sie lässt sich nur erleben. Die Konzentration auf unverwechselbare Botschaften und Themen muss immer noch Credo sein; und die Marke graubünden hat ihren Erfolg mittlerweile bewiesen. „Schulung“ war eine weitere Wegmarke; in der Grundausbildung ist das Angebot heute ebenso gut aufgestellt wie in der Weiterbildung. Der letzte Punkt „Informationstechnologien“ war damals schon wichtig, wandelt sich aber immer noch extrem. Schneller, jederzeit und überall, ein Vielfaches an Möglichkeiten und Datenmengen; Informationsüberflutung total ist heute auch digital Fakt wie früher im Printbereich.

                                      Fazit: Die Wegmarken sind immer noch die Gleichen und sie werden es auch bleiben. Entscheidend ist, war und wird sein, was die Menschen vor Ort aus dem Bekannten machen. Ohne Experimente.

                                      Dieser Blog erscheint heute auch als Kolumne in der Südostschweiz.

                                        „Schieber lüpfe!“ oder : Von den Besten lernen

                                        Schlüsselwörter: Innovation, Benchmark, Lernen

                                        Tag 66, 27. Oktober 2016

                                        Die Publikation ist nicht ganz neu, und darum schon längst von Aktualitäten zugedeckt und in Vergessenheit geraten. Dabei ist das Thema immer noch top aktuell. Die HTW schrieb zur Broschüre vor drei Jahren: „Die HTW Chur fasst in einer neu erschienenen Publikation die Ergebnisse einer länderübergreifenden Best-Practice-Studie zusammen und gibt Einblicke, wie die erfolgreichsten Destinationen in Graubünden, Vorarlberg, Tirol und Südtirol und die dort ansässigen Leistungsträger Innovationen realisieren.“

                                        Pflichtlektüre, finde ich. Auch heute noch. Denn „beim Zuschauen kann man lernen“. Das habe ich schon damals erfahren müssen, als ich während eines Ferienjobs im Tiefbau arbeitete und mir der Vorarbeiter den Auftrag gab: „Schieber lüpfe!“. Meint, einen Schieber so weit anheben und fixieren, damit geteert werden kann und der Deckel „oberflächenbündig“ ist. Gesagt, zugeschaut, getan, gelernt…

                                        Die Broschüre beginnt mit der richtigen Definition, was Innovation ist und mit deren Bedeutung für den Tourismus. Eine Innovation ist nicht einfach eine Idee, sondern beinhaltet auch den Erfolg im Markt! Dann kommen die Besten-Beispiele: Zwei Hotels in Schenna, ein Hotel in Gröden, ein Hotel in Kitzbühel, die Pioniertaten von Serfaus-Fiss-Ladis, die Vernetzung von Dolomiti Superski, ein Hotel in Achenkirch… Aber auch – und zum Glück nach all dem Ausländischen! – die Belvédère-Hotelgruppe in Scuol und das Bogn Engiadina Scuol als zentralem Kristallisationspunkt für Scuol und die ganze Region. Und, besonders erfreulich: Das Projekt Gesundheitsregion des Gesundheitszentrums Unterengadin und der DMO TESSVM werden ebenso als Benchmark empfohlen wie auch der Destinationsprozess Scuol Samnaun Val Müstair.

                                        Sicher Genugtuung für alle Partner des Gesundheitsnetzwerkes und für die Aktionäre der Destinationsmanagement-Organisation. Aber natürlich auch Ansporn und Verpflichtung, konsequent und kontinuierlich dran und auf dem Weg zu bleiben. Immer mit einem Auge über den Zaun hinaus zu Lehrmeistern, von denen man selbstkritisch profitieren kann. Denn Meister/innen fallen nicht vom Himmel. Weder im Tiefbau noch im Tourismus.

                                        Mehr zum Thema:

                                        Strukturen: Angebotsentwicklung neu aufstellen (3/3)

                                        Schlüsselwörter: Früher und heute, Bedeutung der Vor-Ort-Aufgaben, Koordination
                                        Tag 67, 26. Oktober 2016

                                        Früher war es so: Jede Gemeinde hatte ein Kurtaxengesetz. Und je Gemeinde gab es auch einen Verkehrsverein. Der Verkehrsverein hatte Aufgaben im Zusammenhang mit dem Kurtaxengesetz zu erfüllen. Die Vereine hatten Mitglieder und Passivmitglieder und kassierten deren Jahresbeiträge. Die Verkehrsvereine agierten mehr oder weniger autonom. Sie „verschönerten“ den Ort und das Angebot, organisierten Veranstaltungen, machten Werbung.

                                        Heute hat immer noch jede Gemeinde ein Kurtaxengesetz. Oder sogar sechs, wie die Gemeinde Scuol. Weil die sechs Fraktionen zur Gemeinde Scuol fusionierten und die Gesetze noch nicht harmonisiert sind. Diese Arbeit läuft im Moment. Jede Fraktion hat auch noch einen Verkehrsverein, teilweise unter anderem Namen. In der Gemeinde Valsot gibt es mittlerweile eine Tourismuskommission, in Lavin auch noch einen Verkehrsverein, in Susch eine Kulturorganisation. In Samnaun ist es einfacher, weil die Gemeinde eigenständig ist. Im Val Müstair ist Turissem Val Müstair inaktiv. Dafür gibt es eine Biosphäre.

                                        Die Gemeinden haben also fusioniert und noch vorher wurde für die ganze Region eine Destinationsmanagement-Organisation (DMO) gegründet, welche Produktentwicklung, Kommunikation und Gäste-Information für alle macht. Bis 2015 hat die Destination auch noch Angebotsentwicklung gemacht, diese musste dann aber leider aus finanziellen Gründen abgeschafft werden. Heute arbeitet die DMO nur noch am Angebot, wenn die entsprechende Arbeit zusätzlich finanziert ist.

                                        Im Blog 100 habe ich schon geschrieben, dass die Arbeit vor Ort nicht delegierbar ist. Davon bin ich immer noch überzeugt. Vor Ort muss durch die Einheimischen das gemacht werden, was sie am besten können: Die Traditionen und Brauchtümer und Geschichten pflegen, das Angebot weiter entwickeln, Veranstaltungen organisieren, sich gegenseitig informieren und sensibilisieren für das Geschäft mit den Gästen; für den Tourismus. Aber unbedingt in der ganzen Gemeinde und in der Region abgesprochen! Sonst gibt es viele kleine Angebote anstatt ein Grosses. Viele kleine Veranstaltungen als eine grosse. Und diese Vielfalt lässt sich nicht verkaufen und zudem haben wir auch nicht (mehr) genügend Nachfrage für alles. Lieber gross und gut und erfolgreich als klein und amateurhaft und erfolglos.

                                        Fazit: Die Angebotsentwicklung vor Ort muss nun in jeder Gemeinde neu organisiert und mit den bestehenden Gremien koordiniert werden. Entweder durch die Gemeinde selbst oder durch die DMO im Mandat. Immer mit dem Anspruch, die Ziele der regionalen Strategie bestmöglich und kostengünstig zu erfüllen, damit unser Angebot weit ausstrahlt und marktfähig bleibt.

                                        Mehr zum Thema:

                                        • Blog 100 vom 23. September 2016
                                        • Modell "Aufgabenteilung", siehe PDF

                                          Strukturen: Es gibt Handlungsspielraum (2/3)

                                          Schlüsselwörter: Vergangenheit, Zukunft, Markt, lokale Aufgaben, regionale Aufgaben
                                          Tag 68, 25. Oktober 2016

                                          Ich wage einen Blick in die Zukunft, kündigte ich gestern an. Nun, zunächst habe ich ein paar Vorbemerkungen:

                                          • Ich meine, alle Gremien in unserer Region nehmen ihr Aufgaben erst, erfüllen sie höchst pflichtbewusst und nutzen ihren individuellen Handlungsspielraum nach bestem Wissen und Gewissen. Das ist keine diplomatisch codierte Aussage; ich meine das so.
                                          • Weiter stelle ich fest, dass in den letzten 25 Jahren grosse Schritte gemacht wurden. Ausgehend von den zahlreichen lokalen Tourismusorganisationen via Scuol Tourismus AG (STAG) zur Engadin Scuol Tourismus AG (ESTAG), Gründung der IG Engadin/Scuol und deren Ausbau, Fusion der lokalen Verkehrsvereine im Val Müstair zu Turissem Val Müstair, bis hin zu Lancierung der Destinationsmanagement-Organisation TESSVM und zur Fusion der dreizehn Gemeinden zu fünf, etc.
                                          • Was war, war den Rahmenbedingungen entsprechend gut und muss nicht kritisiert werden.
                                          • Relativ neu ist: Der Markt und die touristische Nachfrage (und nachgelagert alle weiteren Prozesse und Effekte) haben sich seit 2007 massiv verändert. Der Euro als zentral verantwortlicher Einflussfaktor für die Nachfrageentwicklung unseres Tourismus hat in den letzten neun Jahren von 1.68 auf 1.09 rund 35 Prozent an Wert verloren. Die heutigen Strukturen müssen deshalb weiterentwickelt werden. Und war möglichst rasch, weil sich der Markt auf absehbare Zeit nicht mehr ändern wird. - Kaum vorstellbar, was heute wäre, wenn wir als Kanton Graubünden zwischen 2006 und 2013 nicht ein sehr weit gehendes Aufgaben- und Strukturreform-Projekt für den Tourismus durchgezogen hätten!

                                          Ich sehe den folgenden Handlungsspielraum:

                                          • Regional haben wir die AGENDA 2030, eine strategisch sehr gute Grundlage. Die zuständigen Gremien haben die Umsetzungsarbeit aufgenommen. Erfolge brauchen nun Konsequenz und noch etwas Zeit.
                                          • Die lokalen Tourismusorganisationen brauchen neue Aufgaben. Das ist ein Thema für sich. Deshalb mehr dazu im Blog von morgen.
                                          • Die IG Engadin-Scuol kann weiterentwickelt werden. Die lokale Entwicklung muss aber regional abgestimmt bleiben. Diesem Thema ist Blog 100 gewidmet.
                                          • Ist die Erfüllung der lokalen Aufgaben abgestimmt und sichergestellt, kann das Aktionariat der DMO angepasst werden. Seit der Gründung sind es sinnvollerweise die regionalen Akteure, welche den DMO-Aufbau überhaupt ermöglichten und auch stabilisierten. Künftig könnten es kleinere und grössere Akteure und Leistungsträger sein, welche ihre Erwartungen partnerschaftlich und mit eigenem Engagement einbringen. 
                                          • Schliesslich im Val Müstair: Entsprechend der Markenstrategie für die Destination Scuol Samnaun Val Müstair müssen die Strukturen im Val Müstair angepasst werden: Es braucht mit der DMO und der Biosfera nicht zwei Standort-Organisationen für das Tal, sondern eine, welche die regionale Strategie lokal umsetzt. Wie man das macht, ist aufgrund einer einfachen Analyse rasch festzustellen.

                                          Alles Weitere müssen die Leistungsträger selber machen: Grössenvorteile nutzen, gemeinsames Wissen nutzen und Synergien ausschöpfen, Angebot und Leistungen marktfähig(er) machen. Dazu später mehr.

                                          Mehr zum Thema:

                                          Strukturen/Gremien: Wer macht eigentlich was? (1/3)

                                          Schlüsselwörter: Viele Gremien, viele Aufgaben, Aufgabenteilung, Interessenvertreter
                                          Tag 69, 24. Oktober 2016

                                          Wer macht eigentlich was, fragte mich kürzlich Christian Fanzun, Präsident der grössten Gemeinde unserer Region. Stimmt, dachte ich. Es ist wirklich schwierig, den Überblick zu behalten. Also machte ich mich an die Arbeit und stellte zusammen, was an Unterlagen verfügbar ist und der Übersicht dienen kann. Heute stelle ich die Gremien kurz vor, morgen wage ich einen Blick in die Zukunft, verbunden mit Weiterentwicklungsvorschlägen und übermorgen beschäftige ich mich mit den Aufgaben, die heute und auch weiterhin in allen Ferienorten erfüllt werden müssen.

                                          Die Akteure und ihre Hauptaufgaben:

                                          Alle Gemeinden/ganze Destination:

                                          • Gemeinderäte/Gemeindevorstände der fünf Gemeinden Scuol, Samnaun, Val Müstair, Valsot, Zernez: Führen die Geschäfte der Gemeinden; auch im Bereich Infrastruktur sowie im Bereich Tourismus und Sport.
                                          • Regionalentwicklung Engiadina Bassa/Val Müstair: Unterstützt im Rahmen der Neuen Regionalpolitik des Bundes und des Kantons Graubünden den ländlichen Raum sowie die Grenzregionen beim Strukturwandel.
                                          • Destinationsmanagement-Organisation (DMO) Tourismus Engadin Scuol Samnaun Val Müstair AG (TESSVM): Betreibt Produktmanagement, Kommunikation, Gäste-Information und organisiert Events im Auftrag der Aktionäre. Leistet punktuell Beratung.

                                          Ferienregion Engadin Scuol:

                                          • Tourismuskommission Scuol: Hat im letzten Jahr die touristische Infrastruktur sowie die lokalen Veranstaltungen und die diesbezüglichen lokalen Bedürfnisse inventarisiert.
                                          • Kommission Trü: Hat sich nach der gescheiterten Zonenplan-Abstimmung mit den Voraussetzungen für die Ausschreibung für das Areal Trü beschäftigt.
                                          • Engadin Scuol Tourismus AG (ESTAG): Gründungsorganisation der DMO TESSVM. Hält 49% der Aktien der DMO. Vertritt die Interessen der Aktionäre der ESTAG in der DMO. Anteil der Aktien der Gemeinde/BES/Bergbahnen/Gesundheitszentrum an der ESTAG: 40%.
                                          • IG Engadin/Scuol: Stellt den Austausch zwischen den Tourismusvertretern zwischen den Gemeinden sicher. 
                                          • Lokale Tourismusorganisationen/Tourismuskommissionen: Engagieren sich für das lokale Angebot, insbesondere im Bereich Infrastruktur und Veranstaltungen.

                                          Ferienregion Engadin Samnaun:

                                          • Tourismuskommission Samnaun: Beschäftigt sich mit der Weiterentwicklung des touristischen Angebotes und ist „vorberatende Kommission“ für Geschäfte des Gemeinderates/Gemeindevorstandes und des Vorstandes von Samnaun Tourismus
                                          • Vorstand Samnaun Tourismus: Zusammen mit Gemeinde und Bergbahnen Gründungsorganisation der DMO TESSVM. Hält 41% der Aktien der DMO. Vertritt die Interessen der Mitglieder von Samnaun Tourismus in der DMO. Behandelt aktuelle Fragen des Tourismusangebotes und der Veranstaltungen.

                                          Ferienregion Engadin Val Müstair:

                                          • Strategiekommission Biosfera: Vorgesetztes Gremium der Biosfera.
                                          • Kommission UNESCO Biosfera Engiadina Val Müstair: Arbeitet im Interesse der Gemeinden im Biosfera-Perimeter.

                                          Mehr zum Thema:

                                          • Übersicht über die touristischen Gremien der Destination, siehe PDF
                                          • Gemeinden Engiadina Bassa/Val Müstair, siehe Internet
                                          • Regionalentwicklung Engiadina Bassa/Val Müstair, siehe Internet
                                          • DMO TESSVM, siehe Inside
                                          • Siehe auch meinen Blog 100 vom 23. September 2016 zur IG Engadin Scuol

                                              Kristallwelt Alpen – Potenzial natürlicher Attraktionen (2/2)

                                              Schlüsselwörter: Ressourcen-basierte Werte, Exklusivität, Management, Systematik
                                              Tag 70, 23. Oktober 2016

                                              Der Aufgabe entsprechend machten wir uns an die Arbeit (siehe Blog 71). Für uns stand die Frage im Zentrum: „Wie ungeschliffene Kristalle zu Edelsteinen werden“. Dabei gingen wir von der Annahme aus, dass das Potenzial an guter Inszenierung von natürlichen Attraktionen sehr gross und bei weitem nicht ausgeschöpft ist. Wir wollten nicht das Gleiche machen wie „alle Anderen“: Dem Bau und der Inszenierung von künstlichen Erlebniswelten standen wir kritisch gegenüber. Die Berge sahen schon damals genug Hängebrücken, Aussichtsplattformen, Themenwege, Sauglattes, Austauschbares. Installationen dieser Art sind meist Kopien und teuer. Sie können im Katalog angekreuzt und bestellt werden, ziehen Massen an, machen aber nicht wirklich den Unterschied aus und die Bevölkerung ist oft zurückhaltend gegenüber Künstlichem. Interessanter, aber viel anspruchsvoller ist es, die wahren Werte zu inszenieren, Umsätze zu erzielen und Ressourcen-basiert zu arbeiten. Die Schwierigkeiten und die Komplexität dieser Zusammenhänge interessierten uns.

                                              Einleitend erforschten wir die Herausforderungen, das Potenzial, die Marktverhältnisse, mögliche Vermarktungsplattformen und beschäftigten uns mit Modellen und Theorien. Weiter arbeiteten wir die Grundlagen auf, was denn Attraktionen überhaupt sind, kategorisierten diese und lieferten Definitionen. Zu den natürlichen Attraktionen zählten wir einzigartige Landschaften, Wege, Naturpunkte, Bauten und Verkehrsmittel. Als Hilfestellung entwickelten wir eine eigene Management-Pyramide und äusserten uns dazu, was wir unter Vision, Mission und Zielen verstehen und mit welchen Massnahmen Ergebnisse erreicht werden können.

                                              In der Folge entwickelten wir strategische Ansätze in Bezug auf „Grössenvorteile erreichen“, „Bewusstsein schaffen und fördern“, „Kommunikation professionalisieren“, „Zentrale Dienstleistungen anbieten“, „Mehrwert schaffen“. Um nicht nur Strategisches zu predigen, nahmen wir uns die Mühe, zu den Strategie-Ansätzen konkrete Handlungsempfehlungen abzugeben. Wir kamen als Ergebnis zu einem Modell „Natural Attraction Governance“, welches für „Fach- und Umsetzungskompetenz für natürliche Attraktionen“ steht.

                                              Ich stelle fest, dass die Überlegungen von damals nicht überholt sind. Die Programme in unseren Ferienregionen mit Vorträgen, Führungen, Exkursionen und Pauschalen machen beispielsweise ressourcen-basierte Werte persönlich geführt und handverlesen zu Attraktionspunkten. Tausende von Gästen beschäftigen sich jedes Jahr damit und tauchen ein in die weniger austauschbare Welt von mehr oder weniger geschliffenen Diamanten. Dies macht den Unterschied aus in der Flut von vielen Angeboten, die es anderswo auch gibt; oft aber billiger, auf Massen ausgerichtet und halt austauschbar. Und überall, wo wir austauschbar und teurer sind, haben wir schlechte Karten.

                                              Mehr zum Thema und zur Seminararbeit:

                                              • Buch: Attraktions-Management : Führung und Steuerung von Attraktionspunkten, Verlag Linde, Wien, 2006, ISBN 3-7073-0998-3
                                              • Bei den Autoren: Denise Dillier, Katleen Johne-Klingseis, Michael Caflisch, Urs Wohler

                                                  Weiterbildungsthema "Management von Attraktionen" (1/2)

                                                  Schlüsselwörter: Attraktionen, Management, Wettbewerb, Destinationen, Internationalität, Weiterbildung
                                                  Tag 71, 22. Oktober 2016

                                                  In den Jahren 2002 bis 2004 haben Denise Dillier, amtsälteste Tourismusdirektorin Graubündens in der Ferienregion Viamala, Michael Caflisch, Leiter Tourismusentwicklung und stellvertretender Amtsleiter im Amt für Wirtschaft und Tourismus Graubünden und ich eine Weiterbildung absolviert. Nachdem wir 1999 die Ausbildung als eidg. dipl. Tourismusexperten erfolgreich abgeschlossen haben, waren wir auf der Suche „nach einer frischen Portion Know-how“. Nach einer längeren Evaluation entschieden wir uns für den „Internationalen Kompaktkurs für das Management von Attraktionen“.

                                                  Die rund 25 Teilnehmenden kamen aus den Ländern der Tourismusinstitute, welche den Kurs in einer sehr interessanten Kooperation anboten: Europäische Akademie Bozen/IT (EURAC), Europäisches Tourismus Institut (ETI) in Trier/DE, Zentrum für Tourismus und Dienstleistungswirtschaft der Universität Innsbruck/AT, Academia Engiadina Samedan/CH und Institut für Öffentliche Dienstleistungen und Tourismus der Uni St. Gallen/CH (heute: Institut für Systemisches Management und Public Governance).

                                                  Im Kurs befassten wir uns mit Attraktionen, Erlebniswelten und in diesem Zusammenhang mit dem Wettbewerb zwischen den Destinationen, den Gästen die besten und wertvollsten Erlebnisse zu bieten. Der Konkurrenzkampf zwischen den alpinen Destinationen ist sehr hart und deshalb kommt dem Aufbau und der Weiterentwicklung von Attraktionen eine sehr hohe Bedeutung zu. Von zentraler Wichtigkeit ist auch die Steuerung von zielgerichteten Prozessen sowie die Finanzierung von Infrastrukturen und Angeboten, welche schliesslich zum Ergebnis führen. In einer Destination mit hunderten von Akteuren und „Spezialisten“ ein „Meisterwerk“.

                                                  Zum Abschluss der Weiterbildung war eine Seminararbeit zu schreiben. Vorgabe war eine länderübergreifende Zusammenarbeit zu einem Thema aus dem Kontext. Wir schlossen uns mit Katleen Johne-Klingseis von der Tirol Werbung zusammen, um die Vorgabe zu erfüllen. Weiter wurde bei Aufgabenstellung angekündigt, dass die beste Seminararbeit in einem Buch veröffentlicht würde. Damit war für uns vier Ehrgeizige klar: Wir schreiben gerne eine Seminararbeit und zudem die Beste, sonst lohnt sich der Aufwand ja nicht, wenn sie unbeachtet in der Schublade verschwindet. Wir erreichten das Ziel und die Seminararbeit wurde publiziert. Wir haben zwar damit das Ziel „einmal im Leben ein Buch schreiben“ noch nicht erreicht, aber immerhin sind wir Ko-Autoren eines wissenschaftlichen Werks...

                                                  Mehr zu der ausgezeichneten Seminararbeit:

                                                  • Im Blog von morgen Sonntag, 23. Oktober 2017

                                                      Roter Faden Team-Sitzungen

                                                      Schlüsselwörter: Team-Spirit, Info-Austausch, Reflexion, Wir-Geführ, Ergebnisse, Herausforderungen
                                                      Tag 72, 21. Oktober 2016

                                                      Seit meinem ersten Arbeitstag am 18. Juli 2005 sind 587 Wochen vergangen. Jede Woche haben wir in Scuol am Freitag um 07.30 Uhr eine Team-Sitzung. In Samnaun findet sie am Donnerstag vor Mittag statt, und ca. 1 Mal monatlich trifft sich das Team der Ferienregion Engadin Val Müstair.  – Die Team-Sitzungen sind ein roter Faden im Tourismusjahr.

                                                      Geführt werden die Sitzungen durch die Teamleiter der drei Ferienregionen: Jeanine Züst in Scuol, Bernhard Aeschbacher in Samnaun und Annelise Albertin im Val Müstair. Ich selber führe die monatlichen Kadersitzungen und die Jour fixe-Einzelgespräche mit meinen Kaderleuten. An den Team-Sitzungen in Scuol bin ich regelmässig dabei, in Samnaun und Tschierv wenn es sich terminlich einrichten lässt. Ferien und Abwesenheiten abgezogen waren es für mich rund 500 Team-Sitzungen.

                                                      Die Teams treffen sich regelmässig, um sich über erreichte Resultate, organisatorisch-personelle Themen, Gäste-Rückmeldungen, laufende Projekte, Leistungspartner, etc. auszutauschen. Die Protokolle werden durch alle online vorbereitet, so dass sich die Runde auf das beschränken kann, was vorbereitet ist. Was nicht vorbereitet ist, wird auch nicht thematisiert.

                                                      Je hektischer die Zeit, je höher die Anforderungen, je zahlreicher die Aufträge, je anspruchsvoller die Erwartungen der Partner, je häufiger die Fehler, je kritischer die Partner, je zahlreicher die „Ratschläge“, je lauter die „Berater“, je grösser der Druck, umso wichtiger sind die gemeinsamen kurzen Zeiten des Austauschs, der Reflexion und der Konzentration auf das Wesentliche.

                                                      Mehr zum Thema:

                                                        Aufgearbeitetes Wissen konsequent nutzen

                                                        Schlüsselwörter: Know-how, Rezepte, Vorschläge, Relexion, Interpretation, Profit, Konsequenz

                                                        Tag 73, 20. Oktober 2016

                                                        Es gibt Unmengen an Ideen und Vorschlägen zur Weiterentwicklung des Alpinen (Bündner) Tourismus. Zum Beispiel vom Wirtschaftsforum Graubünden zu den Themen

                                                        • Langfristige Entwicklung des Bündner Tourismus
                                                        • Aussichten für das Geschäft mit den alpinen Schneesportlern
                                                        • Entwicklung der Vermietung von Ferienwohnungen
                                                        • Arealsynergien für Hotelinvestitionen nutzen
                                                        • Sommergeschäft durch Touring-Gäste aus Asien beleben
                                                        • Sommerattraktionen für europäische Gäste
                                                        • Alternatives Geschäftsmodell für Bündner Tourismusorte
                                                        • etc.

                                                        Zum Beispiel – aktuell – vom Schweizer Tourismusverband unter dem Titel "Positionspapier Alpiner Tourismus" nach dem Treffen von Touristikern mit dem Bundespräsidenten.

                                                        Ich frage mich: Was geschieht damit? Wer weiss das? Wer alles nimmt den Faden auf, entwickelt die Themen weiter, zieht für sich und seine Situation mögliche Schlüsse, sucht in Gremien den Dialog dazu, lässt Teilaspekte oder ganze Pakete in Strategien und Umsetzungsplanungen einfliessen und bleibt dann an den Themen dran?

                                                        Die Produktion von neuem Wissen ist zwar spezifisch interessant und auch gerechtfertigt, vor allem, wenn sich Einflussfaktoren und Rahmenbedingungen ändern. Zudem ist Wissensproduktion für Berater wohl auch lukrativ und Dauer-Aufgabe. Trotzdem denke ich, dass Wissen umfassend vorhanden ist für die Weiterentwicklung des Alpinen Tourismus in Graubünden. Bestehendes konsequent nutzen macht wohl mehr Sinn als das Heil in der steten Veränderung der Formulierungen und Publikationen zu suchen und dann trotzdem mehrheitlich wenig daraus zu machen.

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                                                        Schlüsselwörter: Strategie, Weiterentwicklung, Auszeichnung, Potenzial

                                                        Tag 74, 19. Oktober 2016

                                                        Was in der Ferienregion Engadin Scuol vor bald neun Jahren begann, ist heute ein zentraler Baustein in der Strategie unserer Destination. Unser Augenmerk gilt Inhalten in Form von Texten und (bewegten) Bildern sowie der ganzen Kommunikation. Für die Gestaltung gibt es dank der Marke etablierte Vorgaben. Zudem sind wir als „Produkt graubündens“ ein wichtiger Teil der „Markenfamilie graubünden“, was uns gemeinsam zu viel mehr Aufmerksamkeit im Markt verhilft.

                                                        In der Destination verbreitete sich die Marke unter „Aushängeschildern“ rasch weiter. Die ersten Markenpartner waren die Bergbahnen Scuol und die Produktemarke „ein Stück Engadin Scuol“. Heute treten alle drei Ferienregionen, die Gesundheitsregion, das Engadin Bad Scuol, der Nationalpark Bike-Marathon, die Formations-Europameisterschaften, die Tour de Ski, die Kulturveranstaltung Mans e vuschs, das Piz Amalia Music Festival, die Aua forta-Wassertage Engadin Scuol und – nebst weiteren – sogar ein Hotel, das Hotel Helvetia in Müstair, gemeinsam auf. Samnaun setzt mit der Besucherlenkung und im Skigebiet mittlerweile besonders markante Zeichen und die Biosfera ist im Netzwerk der Bündner Pärke ein wichtiger Partner. Nach den ersten drei DMO-Jahren wurde die Markenstrategie überprüft und der Destinationsname auf „Scuol Samnaun Val Müstair“ geändert.

                                                        Wir sind das erste Wegstück gemeinsam gegangen, nun folgt die Weiterentwicklung. Da stehen interessante Schritte an wie zum Beispiel:

                                                        • Auf den Winter 2016/17 wird im Skigebiet Samnaun die einheitliche Beschriftung der Talstationen im Layout der Marke graubünden lanciert. Ein Lehrstück für Nachahmer. 
                                                        • Am 18. November findet im Val Müstair ein Markenworkshop statt mit dem Ziel, das Verhältnis des Val Müstair zur Destination in Bezug auf Markenfragen zu klären. Das Nebeneinander von „Engadin Val Müstair“ und „Biosfera“ ist noch ungelöst. Zudem sind im Val Müstair weitere „Märkli“ entstanden, welche zum gemeinsamen Vorgehen wenig beitragen, aber auch berücksichtigt werden müssen.
                                                        • Es gibt „handverlesene Attraktionen“, welche im Markenhaus willkommen wären und das Potenzial hätten, um als Teil der Marke graubünden ausgezeichnet zu werden, so zum Beispiel Sur En mit seinem Kultur-Engagement und seinen Sportangeboten, Events wie der Sommerlauf und der Passlung, Engadin Adventure als Sportanbieter oder auch weiterhin alle Hotels.

                                                        Daueraufgabe einer konsequenten Markenstrategie ist die inhaltliche und bildliche Schärfung, die Weiterentwicklung der Positionierung und der Botschaften, sowie die Intensivierung der Kommunikation für die ganze Destination, für die drei Ferienregionen sowie für die einzelnen Produkte.

                                                        Ausgewählte Markenpartner:


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                                                        Schlüsselwörter: Prozess, Synergien, Identität, Geschwindigkeit, Zwischenziel
                                                        Tag 75, 18. Oktober 2016

                                                        Die ganze Destination unter einen Markenhut zu bringen war ein Kraftakt. In einer Unternehmung kann eine Markenstrategie „von oben“ verordnet und eingeführt und auch wieder geändert werden. In einer Ferienregion ist dies nicht möglich. Es braucht den partizipativen Prozess, die Auseinandersetzung mit dem Thema, die Emotionen, das Ernstnehmen der Vorbehalte und Ängste. In einer Ferienregion braucht ein komplexer Prozess Zeit.

                                                        Im Aufbau der Destination Scuol Samnaun Val Müstair und der Destinationsmanagement-Organisation (DMO) Tourismus Engadin Scuol Samnaun Val Müstair AG (TESSVM) war die Markenfrage ein zentraler Punkt. Er nahm viel Zeit in Anspruch. Insbesondere in Samnaun, welches in der grenznahen Lage mit dem Top-Skigebiet und dem Zollfrei-Geschäft über zwei äusserst starke Produkte verfügt, waren die Vorbehalte verständlicherweise gross. Warum eine gute Marke aufgeben? Warum die eigene Identität zu Gunsten einer anderen wechseln?

                                                        Die Partner einigten sich in der Folge darauf, ein Expertengremium um eine Empfehlung anzufragen. Die drei Experten waren Dr. Daniel Fischer, Strategie- und Managementberater aus Niederwangen b. Bern, Prof. Dr. Hansruedi Müller, Professor für Freizeit und Tourismus an der Universität Bern und Mag. Christian Schölnhammer, Unternehmensberater des Institute of Brand Logic, Innsbruck. Sie wurden mit dem Auftrag betraut, eine einstimmige Empfehlung zum Markenauftritt der DMO anzugeben. Zu diesem Zweck arbeiteten sie nicht still für sich im Kämmerlein, sondern nahmen den Input und die Vorbehalte der Partner in einem aufwändigen Prozess auf. Es resultierte der verbindliche Vorschlag „Engadin Scuol Samnaun“. Am 4. Februar 2010 wurde der positive Entscheid zum Expertenvorschlag gefällt. Der operative Start der DMO erfolgte ab dem 1. November 2010.

                                                        Emotionale Nachteile wie „eine verloren gegangene Individualität“ oder die Herausforderung der „Positionierung unter einem Dach“ sind zwar schon noch hie und da zu hören. Aber die Markenstrategie ist trotzdem etabliert und die Vorteile offensichtlich: Das gemeinsame Vorgehen, die koordinierte Kraft gegenüber den Mitbewerbern, die Konzentration auf unverwechselbare Inhalte und weitere Verbundvorteile wie geringere Kosten, sind einleuchtend oder mindestens nicht mehr von der Hand zu weisen. – Gute Lösungen brauchen Zeit.

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                                                        • Medienmitteilung vom 5.2.10, Einstimmiger Entscheid der drei Partner zur DMO Engadin Scuol Samnaun, siehe PDF

                                                            Marke graubünden, der Weg zum Entscheid (1/3)

                                                            Schlüsselwörter: Vielfalt, Überforderung des Marktes, Bündnerland, Einfachheit, gemeinsames Ziel
                                                            Tag 76, 17. Oktober 2016

                                                            Während meiner Zeit in Graubünden habe ich die Entwicklung der Marke graubünden von Anfang an miterlebt und beim Projekt mitarbeiten dürfen. In drei Beiträgen ein Rückblick auf fast 20 Jahre lange und komplexe Markengeschichte und eine Standortbestimmung.

                                                            Im Wirtschaftsleitbild Graubünden 1997 wurde der Aufbau einer branchenübergreifenden Regionenmarke zur nachhaltigen Stärkung des Standortes Graubünden vorgeschlagen. Im Jahr 2000 startete ein Projektteam mit der Arbeit, 2002 wurde die Marke graubünden (nach einem Umweg über den Vorschlag „Bündnerland“) mit dem Zusatz „The Heimatfeeling“ präsentiert. 2007 wurde die erste Steinbock-Kampagne lanciert.

                                                            Zu diesem Zeitpunkt arbeitete in unserer Destination noch niemand mit der neuen Marke graubünden. Es herrschte eine sehr bunte Vielfalt und man überlegte sich die Vor- und Nachteile eines Anschlusses an die Marke graubünden.

                                                            Am 16.1.2008 fand in Scuol eine Info-Veranstaltung zur Weiterentwicklung der Destination statt. In der Folge sprachen sich alle jene Teilnehmenden, welche den Fragebogen beantwortet haben (22 von 60), einstimmig für den Wechsel zur Marke graubünden aus. Einzig unklar war noch der Absender (Nationalpark-Region oder Engadin….). Auch alle Gremien stimmten dem Wechsel zu: Die IG Engadin/Scuol, der Verwaltungsrat der Engadin Scuol Tourismus AG, die Direktion der Gemeinde Scuol sowie der Vorstand von Turissem Val Müstair. Am 26. Februar 2008 beschloss der Verwaltungsrat der Engadin Scuol Tourismus AG (Zitat) „die künftige Kommunikation mit der Marke graubünden unter bestmöglicher Nutzung der bestehenden Markennamen Scuol, Engadin, Nationalparkregion, den Ersatz des bestehenden Logos sowie die Übernahme des CD’s der Marke graubünden“ (Ende Zitat). Im Mai 2008 wurde die Zusammenarbeit von Engadin Scuol und Engadin Val Müstair mit dem Zusatz Nationalparkregion lanciert. Samnaun fehlte zu diesem Zeitpunkt noch.

                                                            Man erhoffte sich eine massive Einsparung an Ressourcen, weil nicht selber eine Markenstrategie entwickelt werden musste. Lenzerheide, Chur, Viamala und Prättigau hatten den Schritt damals bereits gemacht; man wollte nun auch profitieren. Auch vom positiven Image-Transfer von der Marke graubünden waren die Entscheidungsträger bei uns überzeugt; „ohne gleiches Aussehen“ wäre dies nicht möglich gewesen. „Pioniere“ in der Nationalparkregion waren die Events Nationalpark-Bike-Marathon und die Eisstock- Schweizermeisterschaften sowie das Chastè da Tarasp, welche bereits über Event-, resp. über Attraktionsmarken verfügten.

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                                                            • Die Markenvielfalt von damals wäre heute unvorstellbar, siehe PDF
                                                            • Bündner Tagblatt, Front, 05.02.2002, siehe PDF
                                                            • Bündner Tagblatt, Bericht, 05.02.2002, siehe PDF
                                                            • Bündner Tagblatt, Kommentar, 05.02.2002, siehe PDF
                                                            • Südostschweiz, "Umweg" Bündnerland, 240401, siehe PDF
                                                            • Südostschweiz, Lancierung Marke graubünden, 050202, siehe PDF
                                                            • Bündner Tagblatt, Medienberichterstattung 9.6.2008, siehe PDF

                                                                Gebrauchsanweisung für einen prächtigen Herbstsonntag

                                                                Schlüsselwörter: Engadin, Romanisch, Poesie, Hommage, Entdeckung
                                                                Tag 77, 16. Oktober 2016

                                                                Der heutige Sonntag ist ein prächtiger Herbsttag. Mein Tipp: Ein gutes Buch nehmen, auf ein sonniges Bänkli oder auf einen ebensolchen Stein sitzen, lesen und sich ablenken lassen von allem, was dann ab Montag früh genug wieder aktuell ist.

                                                                Für einen solchen Sonntag – oder andere Momente der Musse – könnte die „Gebrauchsanweisung für das Engadin“ von Angelika Overath ein lohnenswerter Tipp sein. Am letzten Donnerstag las sie daraus vor, in der Chasa Misoch in Sent, vor vollem Saal und bunt gemischtem Publikum, dazwischen unterbrochen durch sehr wohltuende romanische Lieder. Nina Mayer (Gesang) und Sidonia Caviezel (Akkordeon/Piano) schufen einen würdigen Rahmen, die Damen der Società d'Ütil public organisierten perfekt und sehr sympatisch, der Apéro war grosszügig und die Nusstorte von Leta Mosca verführerisch. - Verpasst? Schade. Im ALLEGRA sind alle Veranstaltungen aufgeführt und auch online sind sie zu finden ;-)

                                                                „Gebrauchsanweisungen“ gibt es unzählige: Für Bayern, Rügen, Sizilien, Andalusien, Irland, Moskau, Tibet, Kuba, Boxen, Skifahren. Und nun auch für das Engadin. Bestimmt einmalig sind die Geschichten unter den Titeln Allegra, Guarda, Inn, La Naiv, Mineralquellen, Rätoromanisch, Uors, etc. Von A bis Z durch und über das Engadin. Zum Verschenken oder zum Selberlesen an einem schönen Sonntag oder wenn’s passt. Nur die Nusstorte von Leta Mosca, die gab’s nur bei der Première in Sent.


                                                                Mehr zum Thema:

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                                                                • Veranstaltungskalender: www.engadin.com/veranstaltungen
                                                                • Zum Thema Veranstaltungen: Mein Blog zum Tag 86, 7. Oktober 2016

                                                                    Lehrlingsausbildung: Stolz und Pflicht

                                                                    Schlüsselwörter: Lehrlinge, Nachwuchsförderung, Verantwortung, Botschafter
                                                                    Tag 78, 15. Oktober 2016

                                                                    In meiner Zeit hier waren/sind wir für die berufliche Grundausbildung von neun Lernenden verantwortlich. Die Lehre erfolgreich abgeschlossen haben Amira Kleinlercher, 2006 – 2009, Tanja Fanzun, 2009 – 2012, Marina da Silva, 2011 – 2014, Flurina Zala, 2012 – 2015, Lucia Janett und Nino Soldano, 2013 – 2016. Noch in der Lehre sind Duri à Porta, 2014 – 2017, Ladina Clavadetscher, 2015 – 2018 und Marcia Ramos, 2016 – 2019.

                                                                    Duri, Ladina und Marcia haben gestern die traditionelle Projektwoche 2016 abgeschlossen. Es war ihr Auftrag, den Journalisten Nicolo Bass zwei Tage lang zu begleiten, über ihn ein Porträt zu schreiben für das Informations- und Veranstaltungsmagazin ALLEGRA, eine Medienkonferenz vorzubereiten und Journalisten dazu einzuladen, vor den Mitarbeitenden und den Journalisten die Ergebnisse zu präsentieren und für den gemeinsamen Abschluss einen Apéro vorzubereiten.

                                                                    Keine Frage: Sie haben die Aufgabe hervorragend erfüllt. Die Präsentation vor Journalisten, dem Verwaltungsratspräsidenten und über dreissig Mitarbeitenden ist gut gelungen; die Fragen und Feedbacks der Mitarbeitenden waren differenziert und motivierend. Der Apéro war ein Genuss und würdige Überleitung zum verdienten Wochenabschluss. - Bravo!

                                                                    Meine Mitarbeitenden und ich sind sehr stolz auf unsere Lernenden. Die Ausbildung ist vielseitig und streng, der berufliche Alltag anfangs ungewohnt, die Verantwortung zunehmend gross, die Schule fordernd und die Lehrer manchmal anstrengend (oder umgekehrt), das Umsteigen von der schön geregelten Schule zum Selbständigkeit verlangenden Berufs- und Berufsschule-Alltag gewöhnungsbedürftig.

                                                                    Nachwuchsförderung ist Aufgabe und Pflicht jeder Unternehmung. Im Interesse der Firma, welche selber für die nächste Generation der Berufsleute sorgen muss, in dem sie Know-how und Erfahrung weitergibt, aber auch im Interesse des Tourismus und der Region. Denn gut ausgebildete Berufsleute sind die Basis der einheimischen (Tourismus-)Wirtschaft. Und wenn die Jungen wegziehen, um sich anderswo berufliche Erfahrungen anzueignen und Neues zu lernen, sind sie bestens ausgebildete Botschafter/-innen unserer Firma und unserer Destination.

                                                                    Mehr zum Thema:

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                                                                        Schlüsselwörter: Wettbewerb, Berg, Tal, Solidarität, Partnerschaft, Tauschgut
                                                                        Tag 79, 14. Oktober 2016

                                                                        Als fünfte und letzte Herausforderung, welche uns weit mehr beeinflusst, als dass es uns lieb ist, sehe ich den Wettbewerb zwischen Stadt und Land, resp. zwischen Tal und Berg. Dieser Wettbewerb hat auch direkt Auswirkungen auf den Tourismus. Zum Abschluss der Minie-Serie ein sehr komplexes Thema, aber ich versuche es auf den Punkt zu bringen.


                                                                        Graubünden erhält aus dem nationalen Finanzausgleich eine Ausgleichszahlung für das Jahr 2016 in der Höhe von 258 Mio. Franken. Das sind 8 Prozent von total 3,2 Mrd. Franken, welche verteilt werden. Der Regelung über den Finanz- und Lastenausgleich gehen immer intensive Diskussionen im National- und Ständerat und in den Medien voraus. Die nationale Solidarität zwischen den wenigen Geberkantonen und den vielen Nehmerkantonen steht dann immer auf dem Prüfstein. Gleich verhält es sich beim Kantonalen Finanzausgleich. In unserer Destination sind Samnaun und Zernez Gebergemeinden, Scuol, Valsot und Val Müstair Nehmergemeinden.

                                                                        Das Wirtschaftsforum Graubünden geht davon aus, dass sich die Abhängigkeit Graubündens von der Schweiz verstärkt (Beilage 1, Zusammenfassung). Das ist beunruhigend. Andererseits muss laut Wirtschaftsforum auch gesagt werden, dass ausserhalb des Finanzausgleichs in anderen Bereichen insgesamt insgesamt bedeutend mehr finanzielle Mittel fliessen; diese sind allerdings viel weniger ein öffentliches Thema.

                                                                        Wer sich rechtfertigen muss, steht unter Druck. Das ist für unseren Ferienkanton nicht gut. Und auch nicht gut für die kleine Schweiz inmitten Europas. Mich inspiriert die Haltung von René L. Frey, welcher in seinem Buch „Starke Zentren – starke Alpen“ eine interessante Vision skizziert. Er plädiert beispielsweise für mehr Partnerschaft zwischen den ungleichen Regionen als für Solidarität. Das heisst, wir Bergebiete verfügen über sehr wertvolle "Tauschgüter" für die Städter, welche als Alternative zu Lärm, Verkehr, "Dichtestress" zunehmend interessant werden. Als Destination sind wir sehr kompetent:

                                                                        Wir verfügen über eine vielfältige Kulturlandschaft und einmalige Schutzgebiete. Wir schonen die natürlichen Ressourcen, leisten viel zur Erhaltung der Artenvielfalt, erhalten und schützen wichtige Verkehrswege, produzieren nicht austauschbare Lebensmittel, bieten lukullische Genüsse an einmaligen Orten. Unsere Tourismusstrategie richten wir so aus, dass die Angebote auch den vielfältigen Bedürfnissen urbaner Menschen entsprechen und für Sie Aufenthalte und Ferien in den Bergen wertvolle Erlebnisse sind.

                                                                        Wenn wir unsere Chancen selbstbewusst nutzen, indem wir unsere Leistungen als echte Gegenleistungen positionieren und sie den wohlhabenderen Kantone "verkaufen", so respektieren wir gegenseitig, was wir in unseren Räumen gut machen können und etablieren ein partnerschaftliches Verhältnis auf Augenhöhe; inklusive Diskussion über den Finanzausgleich.

                                                                        Mehr zum Thema:

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                                                                          Schlüsselwörter: Verkehr, Strassen, Taktfahrplan, Randzeiten, shared Mobility, Investitionen
                                                                          Tag 80, 13. Oktober 2016

                                                                          Die Erreichbarkeit einer Ferienregion ist das A und O. Sowohl auf der Strasse wie mit dem öffentlichen Verkehr  (ÖV). Wer mit dem ÖV zu uns reist, reist entspannt und sauber und ohne Vereina-Kosten. Inklusive Gepäcktransport bis ins Feriendomizil; ohne Aufpreis; exklusiv nur bei uns. Vor der Vereina-Eröffnung reisten 7% der Gäste mit dem Zug an, heute sind es 23%. Das ist auch teilweise ein Effekt des Pilotprojektes „Ferien ohne Auto“ 2008 – 2010. Im Projekt wurde nebst dem Klimaschutz auch mit der Steigerung der Erholungsqualität im Ferienort argumentiert.

                                                                          Wir wissen, dass immer weniger junge und urbane Menschen im eigenen Auto herum fahren (Beilage 1, Studie GDI, Seite 19). 20% der Zürcher Bevölkerung hat kein Auto (mehr). Wir wissen auch, dass sich (Zitat) „Car-Sharing, Bike-Sharing oder Stationen für Elektroautos in der Regel zuerst in urbanen Zentren etablieren mit einer wachsenden Bevölkerung ohne eigenes Auto. Doch nach wie vor müssen Staus, überfüllte Züge, Abgase und Lärm bewältigt werden“ (Beilage 1, Studie GDI, Seite 31). - Ich denke, wir sollten uns in den Modellen der künftigen „shared mobility“ sehr engagiert einbringen.

                                                                          Mit der Vereina-Eröffnung im Jahr 1999 und in der Folge mit dem Ausbau der ÖV-Angebote hat unsere Region bereits einen Riesensprung gemacht. Es gab auch Auszeichnungen wie das VCS-Rating oder den FLUX - Goldener Verkehrsknoten für die beste ÖV-Vernetzung in einem Bergferienort. So weit so gut. Im Vergleich zum Schweizer Mittelland bleibt die Erreichbarkeit Graubündens aber schlecht und (Zitat) „wirkt sich beispielsweise negativ auf die Ansiedlung von Hauptsitzaktivitäten aus“, schreibt das Wirtschaftsforum Graubünden (siehe Beilage 2, Abb. 28, Seite 53). Während sich die Erreichbarkeit negativ auf die Geschäftstätigkeit auswirkt, können die Freizeitattraktionen (z. B. die Bergbahnen) auch nicht von Tagesausflugsfrequenzen profitieren. Umso wichtiger sind also die Einheimischen und Gäste vor Ort, resp. die Auslastung der verfügbaren Betten.

                                                                          Einmal hier, muss der ÖV perfekt funktionieren. Und zwar von früh bis spät, auf allen Strecken. Im Rahmen des aktuellen Angebotes sind wir auf gutem Weg. Aber weit entfernt von den Standards im Herkunftsgebiet unserer Gäste. In den Agglomerationen fährt alle 7 - 10 Minuten ein Tram oder Bus und der Halbstundentakt ist üblich.

                                                                          Wir sind stolz auf unsere 133 Haltestellen auf 296 km ÖV-Strecken in unserer Destination. Ein beeindruckendes Angebot, sogar grenzüberschreitend! Aber: Der erste Zug nach Landquart ohne Umsteigen verlässt Scuol erst um 07.36 Uhr; der letzte Zug ohne Umsteigen aus Landquart fährt um 19.41 Uhr, aus den peripheren Orten wie Vnà oder Tschlin oder Samnaun oder Müstair gibt es ab spätestens 19.30 Uhr keine ÖV-Verbindung mehr; aus weiteren Orten noch eine auf Vor-Reservation. Für Gäste, die mit dem ÖV anreisen, ist das Abendprogramm in den Nachbarorten kaum erreichbar, wenn man sich nicht privat organisiert. Schade. – Mir ist deshalb ein perfekt funktionierender Stundentakt über die ganze Destination von 05.00 – 24.00 Uhr lieber als ein Halbstundentakt auf der Anreise-Achse mit einem ungenügenden Randzeiten-Angebot. Und für die Jugend wäre ein Nachtbus „lessig“; in der Agglomeration ist das selbstverständlich.

                                                                          In Strasse und ÖV wird vor allem in den Agglomerationen investiert. Wir kämpfen zusammen mit der regionalen Fahrplankommission für die Schliessung einzelner Lücken, z. B. tagsüber im Fahrplan ab Guarda Cumün, ab Vnà nach Scuol, ab Tschlin nach Scuol, für einen schlanken Übergang aus dem Oberengadin ins Val Müstair (30 Min. warten in Zernez!), für weniger umsteigen am Morgen und Abend in Sagliains und Klosters, für einen späteren Zug ab Landquart unter der Woche (letzter Zug 21.47 mit 2 Mal umsteigen), etc. Bescheidene Wünsche im Vergleich mit dem zeitgemässen Angebot. Aber für ein lückenloses und marktfähiges Angebot wichtig. Auch für die Einheimischen.

                                                                          Mehr zum Thema:

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                                                                            Schlüsselwörter: Bildung, Jugend, Abwanderung, Konzentration, Netzwerk, Partizipation
                                                                            Tag 81, 12. Oktober 2016

                                                                            Die Konzentration des Bildungswesens „im Unterland“ ist die dritte zentrale Herausforderung, welche uns überdurchschnittlich und schleichend beeinflusst und welcher sehr anspruchsvoll zu begegnen ist. Trotzdem müssen wir uns intensiv damit beschäftigen, denn mit dem Bildungswesen ist sehr vieles verknüpft; respektive davon ist auch bei uns in der Destination vieles abhängig.

                                                                            Fakt ist, dass in unserer Region zwar viele Lehrstellen angeboten werden, gleichzeitig aber „die überwiegende Mehrheit der Fachhoch- und Hochschulen bzw. der Anzahl Studierenden im Mittelland auf der Achse Genf-St. Gallen angesiedelt sind“ (siehe Beilage 1). Das heisst: Hier kann man eine Lehre machen, studieren muss man im Unterland. Entsprechend kann „man“ zur Grundausbildung noch hier bleiben, für ein Studium oder eine Weiterbildung muss „man“ aber weg. Wenn die Jugendlichen einmal weg sind, bauen sie dort ihr primäres Beziehungsnetz auf und kommen bestenfalls am Freitagabend für das Wochenende und in den Ferien wieder nach Hause. – Dort werden die Bildungsbedürfnisse befriedigt; hier die Freizeitbedürfnisse. Siehe auch Beilage 2, Kapitel 2.2.4, S. 16/17).

                                                                            Dazu kommt, dass die Anzahl der Jugendlichen im Berggebiet abnimmt. Gemäss der Botschaft der Bündner Regierung zum Mittelschulgesetz reduziert sich die Anzahl der Mittelschüler in Graubünden im Zeitraum 2003/04 bis zum Schuljahr 2022/23 um insgesamt ca. 900 Schülerinnen und Schüler, resp. um minus 31% (siehe Beilage 3, S. 171/172).

                                                                            Fatal für die regionale Entwicklung. Und damit auch für den Tourismus, weil eine ausgewogene gesellschaftliche Entwicklung zentral wichtig ist. - Darum auch hier die Frage: „Was ist zu tun?“.

                                                                            Obligatorische Schule
                                                                            : Die Gemeinden investieren in den Hauptpfeiler der regionalen Grundausbildung. Hier ist nicht Wettbewerb zwischen den Schulhäusern wichtig, sondern die bestmögliche Ausbildung der Kinder. Die Gemeinden investieren auch in unsere Mittelschule. Das Hochalpine Institut in Ftan ist ebenfalls von zentraler regionaler Bedeutung. Zwar sind die nächsten Mittelschulen in Pendeldistanz erreichbar. Für Zuzüger kann der Standort hier aber sehr wohl entscheidend sein.

                                                                            Jugendförderung und -betreuung
                                                                            : Sehr wertvoll ist beispielsweise das Engagement der Jungmannschaften in den Dörfern, der „Giuventetgna Rumantscha“, der Jugendarbeit Graubünden, der Musikschule, der Sportclubs und Talentförderer, der Battasendas (Pfadfinder), der Anbieter von Jugendtreffs, Discos und weiteren Treffpunkten.

                                                                            Politisches Engagement
                                                                            : Im Moment findet in der Alpenarena die 83. Session des Europäischen Jugendparlamentes statt. Die Jugendlichen beschäftigen sind mit unterschiedlichen Problemstellungen. Die Erwartungen an die Jungen sind gross: „Wir verlassen uns auf eure Kreativität, eure Energie und eure Intelligenz», ermutigt Bundesrat Didier Burkhalter“.

                                                                            Jugendprojekt
                                                                            : Interessant ist auch das Projekt der SAB, welches Gemeinden als „Jugendfreundliche Bergdörfer“ auszeichnet. Träger des Labels sind bisher Flühli-Sörenberg (LU), Gampel-Bratsch (VS), Lumnezia (GR), Safiental (GR). Da gibt es noch viel Potenzial für das Leben in den Dörfern nebst der Schönheit.

                                                                            Nachwuchsförderung
                                                                            : Nebst anderen Tourismusbetrieben leisten auch wir als DMO unseren Beitrag, indem wir zu Gunsten des Tourismusgeschäfts rund 40 Mitarbeitenden eine interessante Beschäftigung in Ganz- oder Teilzeit bieten. Darunter sind drei Lernende und drei Praktikanten. Wir machen auch bei der Nachwuchskampagne „Leben in Graubünden“ von Gastro Graubünden mit. Leider haben nur zwei Schulklassen (!) im Jahr 2016 vom Angebot Gebrauch gemacht. Dabei ist es auch gemäss SAB sehr wichtig, „dass den Jugendlichen beispielsweise bereits in der Schule die Bedeutung des Tourismus für ihre Region deutlich gemacht wird, um sie auf diese Weise eventuell für eine Tätigkeit in dieser Branche zu begeistern“ (Beilage 1).

                                                                            Bildungskonzept
                                                                            : Mit kalkulierbarer Abweichung ist heute bekannt, wie viele Kinder und Jugendliche in den nächsten 20 Jahren in unserer Region leben. Diese konkreten Zahlen würde ich erheben und in einem ausgeklügelten partizipativen Prozess mit allen Spezialisten (Eltern, Lehrer, Geldgeber) zu einem „Bildungskonzept“ entwickeln, welches aufzeigt, wie das Bildungswesen zwischen Spielgruppe und Gymnasium hier in der Region gestaltet wird. Immer mit dem Ziel, für Kinder und Jugendliche (und damit für Familien) bis und mit Lehre/Gymnasium/Fachmittelschule bestmöglich attraktiv zu sein. Ansonsten erhöht sich auch in diesem Bereich der Druck auf den Tourismus weiter, weil der Konzentrationsprozess im Unterland sicher nicht abnehmen wird.

                                                                            Mehr zum Thema:

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                                                                            Schlüsselwörter: Bevölkerung, Perspektiven, Digitalisierung, Ganzjahresarbeitsplätze
                                                                            Tag 82, 11. Oktober 2016

                                                                            Zweite zentrale Herausforderung ist die Bevölkerungsentwicklung. Das Problem ist bekannt und gut erforscht: Im Siedlungsbericht Graubünden aus dem Jahr 2007 (Beilage 1) steht zu lesen, dass die ländlichen Gebiete einen relativ hohen Anteil an älterer Bevölkerung haben, dass in den Tourismusräumen häufig Fremdarbeiter ohne Familien sowie Singles wohnen und dass die Bevölkerung in vielen Gemeinden stagniert oder abnimmt. Im Bundesbericht über die Bevölkerungsentwicklung ist es so formuliert: „Die ländliche Peripherie ist auf einzelne Problemregionen, vor allem im zentralen und östlichen Alpenraum, zusammengeschrumpft“ (Beilage 2).

                                                                            Ob wir es wollen oder nicht: Diese Herausforderung beeinflusst uns überdurchschnittlich stark und sie ist von der Art her – wie die anderen vier Herausforderungen – ein schleichender Prozess, welchem im Gegensatz zu einem plötzlichen Ereignis nicht die gleiche Aufmerksamkeit geschenkt wird. Wir wollen aber eine erfolgreiche Ferienregion bleiben und keine Bevölkerungs-Problemzone! Auch keine Region, die diesbezüglich schleichend schwächer wird.

                                                                            Also müssen wir alles daran setzen, um die negativen Einflussfaktoren möglichst klein zu halten. Die Nachfrage muss Arbeit ermöglichen und die Betriebe des Tourismus und der weiteren Wirtschaft müssen ihre attraktiven Arbeitsplätze erhalten können. Daraus resultieren die notwendigen Effekte. Wettbewerbsfähige Betriebsgrössen, konkurrenzfähiges Know-how, marktfähige Angebote sind die Stichworte dazu. Treiber der Entwicklung ist die touristische Nachfrage, wenn das Angebot stimmt. Weiterer wichtiger Faktor ist die Digitalisierung, welche zeitgemässes Arbeiten möglich macht und welche bei uns durch Mia Engiadina kräftig vorangetrieben wird.

                                                                            Nukleus für eine ausgewogene Bevölkerungsentwicklung ist immer der attraktive Ganzjahresarbeitsplatz. Dieses Kriterium ist nicht mit Telearbeit zu erfüllen; seit 30 Jahren ist diese bereits ein kontroverses Thema und ihren Erfolg schuldig geblieben. Dieses Kriterium wird auch nicht durch 1000 bis 1500 tägliche Obervinschger Zupendler erfüllt. Denn „temporäre“ Arbeitnehmende sind für die Wirtschaft wichtig bis entscheidend, im sozialen Leben sind sie aber immer nur „temporär“ integriert.

                                                                            Auch die Herausforderung Bevölkerungsentwicklung schaffen wir nur gemeinsam. – Grundlage ist die Standortentwicklungsstrategie AGENDA2030, darin die „2.4 Strategie C – Standortattraktivität erhalten“ sowie die Umsetzung „3.1.4 Wohnstandortqualität verbessern“.

                                                                            Mehr zum Thema:

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                                                                            Schlüsselwörter: Wirtschaftskraft, Strategie, Prioriäten
                                                                            Tag 83, 10. Oktober 2016

                                                                            Die Karte „Verzerrtes Schweizer Wirtschaftsland“ aus dem Jahr 2011 von Avenir Suisse zeigt ein ernüchterndes Bild: Unsere Region ist im Vergleich mit den urbanen Räumen der Schweiz sehr schwach. Daran hat sich in den letzten fünf Jahren kaum etwas geändert.

                                                                            Umso wichtiger ist es zu wissen, dass in unserer Destination die touristische Wertschöpfung im Jahr 2008 rund 285 Mio. Franken betrug. 255 Mio. Franken im Unterengadin und Samnaun, rund 30 Mio. Franken im Val Müstair (für das Val Müstair habe ich einen Fünftel der Südtäler angenommen, weil die Studie die Wertschöpfung für das Val Müstair nicht effektiv ausweist). Das heisst: Bei uns werden 59% der Wertschöpfung im Tourismus erwirtschaftet.

                                                                            Für ganz Graubünden sieht es 2008 so aus: Fast jeder dritte Franken der Bündner Volkswirtschaft wird durch den Tourismus erwirtschaftet (BIP 10,8 Mrd. – Tourismus 3,3 Mrd.). Der Anteil des Tourismus am gesamten Exportanteil der Bündner Volkswirtschaft beträgt rund 55 Prozent.

                                                                            Die Zahlen stammen aus einer Studie der HTW, welche 2008 gemacht wurde. Heute mögen die Zahlen zweistellig tiefer liegen; die Verhältnisse sind vermutlich immer noch vergleichbar.

                                                                            Von den gemäss Studie total 285 Mio. Franken touristischer Wertschöpfung stehen uns als DMO 4,5 Mio. Franken, resp. 1.5% für Marketing und Gäste-Information zur Verfügung; gemessen an den 3,3 Mrd. Franken in ganz Graubünden sind es 0,14%.

                                                                            Für die Region bedeutet die geringe Wirtschaftskraft:
                                                                            Die wenigen frei verfügbaren Millionen müssen dort investiert werden, wo die regionalen Effekte am Grössten sind. Das heisst, jeder Franken muss mehrmals umgedreht werden, bevor er ausgegeben wird.

                                                                            Für die Gastgeber der Hotels und Ferienwohnungen (inkl. „Zweitwohnungen“) heisst das:
                                                                            Jede Logiernacht ist von zentraler wirtschaftlicher Bedeutung, weil übernachtende Gäste den Grossteil der Umsätze in die Destination bringen. Entsprechend ist der Gästebetreuung höchste Beachtung zu schenken mit dem Ziel, dass die Gäste zu Hause von ihren Erlebnissen und Erfahrungen schwärmen und bestenfalls selber wieder kommen und gleich auch noch Bekannte und Freunde zu Besuchen bei uns animieren.

                                                                            Für uns als DMO heisst das:
                                                                            1) Wir müssen uns auf die Erfüllung der Hauptaufgaben im Marketing konzentrieren, das heisst auf Werbung, Gäste-Information und Events.

                                                                            2) Am Wertvollsten sind Investitionen in die Mitarbeiter/-innen, weil diese mit teilweise sehr bescheidenem Geldmittel-Einsatz sehr erfolgreiche Effekte erzielen. So benötigt beispielweise der Betrieb des Vertriebssystems viel Know-how, welches nicht so einfach eingekauft werden kann; in der Medienarbeit sind Reportagen oft das Ergebnis von persönlicher Netzwerkarbeit; Volumengeschäfte können oft nur dank persönlichen Beziehungen erfolgreich akquiriert werden; Erfolge in Projekten – wie z. B. der Gesundheitsregion – sind nur dank Kontinuität und Konsequenz in der Entwicklung und Umsetzung zu erreichen.

                                                                            Mehr zum Thema:

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                                                                            • AWT, Botschaft zum Gesetz über Tourismusabgaben, 8.6.11, siehe PDF
                                                                            • Wertschöpfung des Tourismus in den Regionen Graubündens – Stand und Entwicklung, HTW Chur, August 2008, siehe PDF

                                                                            Zentrale Herausforderungen sind andere (Einleitung)

                                                                            Schlüsselwörter: Wirtschaftskraft, Bevölkerungsentwicklung, Bildungswesen, Verkehrsträger, Finanzausgleich
                                                                            Tag 84, 9. Oktober 2016

                                                                            Uns beschäftigen die drei „W’s“ sehr: Wetter, Währung und Wirtschaft. Natürlich ist Schneemangel extrem geschäftsschädigend. Natürlich ist der Absturz des Euro für unsere Tourismuswirtschaft ruinös. Natürlich ist die aktuelle Wirtschaftslage nicht nachfragefördernd. Natürlich haben diese drei Einflussfaktoren noch weitere negative Effekte; z. B. auf die Nachwuchsförderung, auf die Investitionsentwicklung, auf das Image, auf das Vertrauen in die Institutionen und Organisationen, etc.

                                                                            Das sind Fakten, es ist kein Gejammer. Und trotzdem: Noch mehr Sorgen machen mir fünf andere zentrale Herausforderungen: Die Wirtschaftskraft in der urbanen Schweiz, die Bevölkerungsentwicklung, die Konzentration des Bildungswesens, die Investitionen in Strassen und Bahn in den Agglomerationen, sowie der Wettbewerb Stadt-Land durch den Finanzausgleich. Es sind Herausforderungen, welche für uns kaum beeinflussbare Faktoren sind. Es sind exogene Entwicklungen, die indirekt, von aussen her, schleichend und stark auf unser regionales System wirken, respektive ausserhalb von unserer Region eine ganz andere Dynamik haben. Darum sind wir hier chancenlos, um uns trotzdem erfolgreich entwickeln können.

                                                                            Nun, „chancenlos“ würde ja einer Kapitulation gleich kommen. Darum will ich auch nicht mehr „chancenlos“ schreiben, sondern ganz optimistisch und motivierend formulieren: Unter bestimmten Voraussetzungen sind wir durchaus in der Lage, uns trotz kaum beeinflussbaren negativen Faktoren erfolgreich zu entwickeln. Diesen „bestimmten Voraussetzungen“ sind die nächsten fünf Beiträge gewidmet.


                                                                            Mehr zum Thema:

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                                                                            Wintererfolg: Nicht nur Sache der Bergbahnen

                                                                            Schlüsselwörter: Bergbahnen, Wintersport, Skier-Days, Multiplikatoren, Verantwortung
                                                                            Tag 85, 8. Oktober 2016

                                                                            Kohl und Partner schreibt unter dem Titel „Destinationen der Zukunft“: „Eine Wintersportdestination benötigt Skipisten in attraktiver Landschaft und ausreichend Schnee. (…) Die Natur (…) ist die Grundlage für den nachhaltigen touristischen Erfolg“.

                                                                            Wenn die Natur nicht mitspielt, kommt es so, wie die Bergbahnen Scuol AG (neuer Name seit der GV vom 8.10.16) in ihrem aktuellen Geschäftsbericht schreiben: „Auch der letztjährige Wintersaisonstart bereitete uns grosse Mühe.“ Nicht nur die Natur bereitet dem Bergbahnengeschäft Mühe, sondern auch die Entwicklung der Nachfrage. Das Wirtschaftsforum Graubünden schreibt dazu: „Während die Zahl der Skier-Days im Alpenraum in den letzten 12 Jahren insgesamt um 13% zunahm, nahm sie in der Schweiz um 18% ab“ (siehe Bericht 1). Als Gründe werden angeführt: Wechselkurse und Konjunktur, Verhalten der Bevölkerung, Wetter und Klima, Nachwuchsprobleme, Angebotsstrukturen/Parahotellerie.

                                                                            Ich denke, dass sich die Anforderungen an die Bergbahnen in den letzten Jahren nicht verändert haben. Das Angebot ist die Grundlage, die perfekte Leistung entlang der ganzen Dienstleistungskette im Kerngeschäft am Berg ist ein Muss, die Kommunikation muss fokussiert, vereinfacht und verstärkt sein, das Engagement der wesentlichen Akteure in der Destination muss sinnvoll aufgeteilt und auf gemeinsame und realistische Ziele ausgerichtet sein. - Diesbezüglich sind wir insgesamt auf gutem Weg.

                                                                            Ebenso wichtig ist aber, dass die einheimische Bevölkerung das auch so sieht. Denn ohne einheimische Bevölkerung ist der Erfolg unmöglich. Es braucht Alle:

                                                                            • Die Kinder, die in den Familien und mit der Schule skifahren und snowboarden lernen.
                                                                            • die Nachwuchsförderung, welche allen Kindern eine Chance gibt, ihr Talent zu erkennen und welche die Willigen und Begabten konsequent fördert.
                                                                            • Die Eltern, welche im Winter in unserer Destination das machen, was man am Besten kann: Skifahren, snowboaren, langlaufen, schlitteln, winterwandern, etc.
                                                                            • Die Gastgeber der Hotels und Ferienwohnungen, die ihren Gästen das Angebot zugänglich machen und damit (entscheidend) helfen, die Nachfrage zu fördern. Denn 1‘000 Gastgeber haben eine x-fach höhere Kommunikationskraft als eine Bergbahn und eine DMO. Und durch die persönliche Kommunikation auch noch höchste Glaubwürdigkeit.
                                                                            • Die Ski- und Snowboardclubs, welche durch den gemeinsamen Sport die Gemeinschaft und das Gefühl fördern, das Richtige zu tun.
                                                                            • Die Skischulen, welche für neuestes Know-how und moderne Methodik und Technik sorgen.
                                                                            • Die Senioren, welche in ihrer wertvollen Zeit immer noch das machen, was sie sehr gut können und sehr gerne machen.
                                                                            • Die DMO, welche ebenfalls kommuniziert und mit Events und Volumengeschäften für Aufmerksamkeit und zusätzliche Frequenzen sorgt.
                                                                            • Diese Aufzählung lässt sich individuell fortsetzen.

                                                                            Das Engagement der Bergbahnen und der Gemeinden verdient grossen Respekt und die Botschaft an sie lautet: Ihr seid nicht allein, für ein erfolgreiches und wertschöpfungsintensives Wintergeschäft in anspruchsvollen Rahmenbedingungen stehen Alle in der Verantwortung.

                                                                            Mehr zum Thema:

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                                                                            Schlüsselwörter: Veranstaltungen, Internet-Datenbank, ALLEGRA, Angebote nutzen
                                                                            Tag 86, 7. Oktober 2016

                                                                            Diese Woche war Redaktionsschluss für das ALLEGRA Nummer 7. Das Info- und Veranstaltungsmagazin wird Ende Oktober in alle Haushaltungen der Destination verteilt und es wird vom 28. Oktober bis am 9. Dezember 2016 gültig sein (6 Wochen). Wie immer bereiten wir als letzten Inhalt die Agenda vor. Duri à Porta ist unser Spezialist für diese anspruchsvolle Aufgabe. Mir obliegt die Abschlusskontrolle. Dieses Mal schaue ich etwas genauer hin und stelle fest:

                                                                            Im Zeitraum von 44 Tagen gibt es 95 Veranstaltungen, auf welche wir in der ALLEGRA-Agenda aufmerksam machen. In der Online-Datenbank sind es einige mehr, weil dort auch noch alle kulinarischen, alternativmedizinischen und weiteren kommerziellen Angebote enthalten sind, welche die Kriterien „einer klassischen Veranstaltung“ nicht erfüllen und deshalb nicht in der ALLEGRA-Agenda erscheinen. Zu den 95 Veranstaltungen zählen 24 konkrete Ferientipps, 14 Ausstellungshinweise, 12 exklusive Führungen, 9 Konzerte, 6 Filmvorführungen, 5 Vorträge, 4 Musikabende, 3 neue Kulturveranstaltungen, 3 Märkte, 3 Theater, 2 Saisoneröffnungen (der Skigebiete Samnaun und Scuol), 1 Ball, 1 Jubiläumsfest , 1 Preisjassen, 1 Saisonabschlussfest, 1 Sportanlass, 1 Tanznachmittag, 1 Vernissage, 1 Wanderung, 1 Weiterbildung sowie der Event ClauWau – Weltmeisterschaft der Nikoläuse mit dem Konzert von 77 Bombay Street.

                                                                            Eine grosse Auswahl in der „Zwischensaison“ und viel Engagement von zahlreichen Veranstaltern. Je mehr Veranstaltungen, desto mehr verteilt sich die Nachfrage. Entsprechend ist nicht jede Veranstaltung auch gut besucht. Deshalb raten wir den Veranstaltern: Planen Sie Ihre Veranstaltung rechtzeitig und für ein „günstiges“ Datum. Tragen Sie ihre Veranstaltung frühzeitig in der Internet-Datenbank ein und nicht erst zum Redaktionsschluss des ALLEGRA. Beachten Sie die Zusammenstellung „Leistungen für Veranstalter“.

                                                                            Mehr zum Thema:

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                                                                            Schlüsselwörter: Statistik, Logiernächte, Strategie, Hotellerie, Entwicklung, Abhängigkeiten
                                                                            Tag 87, 6. Oktober 2016

                                                                            Heute hat das Bundesamt für Statistik (BfS) die Hotel-Logiernächtezahlen für den Monat August 2016 veröffentlicht. Das Amt für Wirtschaft und Tourismus Graubünden (AWT) hat auf dieser Basis die Statistik für Graubünden zusammengestellt. Wir haben aufgrund von den Erhebungen bei den Gemeinden die Statistik für die Hotellerie unserer Destination zusammengestellt. Diese Arbeiten wiederholen sich jeden Monat.

                                                                            Im August 2016 hat die Hotellerie unserer Destination gemäss Bundesstatistik ein Minus von 7.6% produziert, was 4‘202 Logiernächten weniger als im Vorjahr entspricht. In unserer eigenen Statistik weisen wir für die Hotellerie im August ebenfalls ein Minus von 7% aus; allerdings zählen wir 2‘606 Logiernächte mehr als das Bundesamt. Im Vergleich mit den anderen grossen Bündner Destinationen schliessen wir damit schlechter ab als der Durchschnitt. – Ich habe nicht gerne negative Zahlen.

                                                                            Ein Blick „hinter die Kulissen“ zeigt folgendes:

                                                                            Die Hotellerie unserer Destination wird bis im nächsten April vermutlich immer negative Zahlen schreiben wegen des geschlossenen Schweizerhofs in Vulpera und wegen der zwischenzeitlichen Schliessung des Schweizerhofs in Sta. Maria. Allein im Juli/August 2015 produzierte der Robinson Club 15'000 Logiernächte. Wir haben deshalb die aktuelle August-Statistik mit den August 2015-Zahlen der Schweizerhöfe ergänzt. Da sieht man, dass wir im August ein Plus von 8% hätten, wenn diese Betriebe auf dem Vorjahres-Niveau produziert hätten. – „Wenn“ und „hätte“, alles Konjunktiv.

                                                                            Dieses Beispiel zeigt, dass das Minus von 7% durch unsere Arbeit nicht beeinflussbar war. Wir haben ja auf die Strategie der erwähnten Betriebe keinen direkten Einfluss. Weiter lässt sich sagen, dass die Logiernächtezahlen nicht die Zahlen der Tourismusorganisation sind, sondern jene der Hotellerie. Wir haben als DMO ja kaum Einfluss auf die Strategie und auf das Marketing der Hoteliers. Folglich können wir für die Resultate auch nicht verantwortlich sein. Unser Marketing ist immer ergänzend zum Marketing der Leistungspartner; und nicht umgekehrt! Dies stellt auch das SECO fest (siehe unten). Sollte die DMO auch für die Zahlen der Hotellerie verantwortlich sein, müsste auch die Strategie gemeinsam entwickelt werden. Da sind wir weit davon entfernt.

                                                                            Ich gehe noch einen Schritt weiter und meine, dass die Logiernächtezahlen weder die „Note“ für die Arbeit der DMO, noch die „Note“ für die Arbeit der Hotellerie sind, sondern eine der „Noten“ für die Leistung der ganzen Destination. Die Logiernächtezahlen wiederspiegeln die Leistungsfähigkeit der Hotellerie der Destination unter den aktuellen Rahmenbedingungen. Entsprechend ist es Aufgabe der Hotellerie, die regionale Strategie zur Weiterentwicklung der Hotellerie zusammen mit den Verantwortlichen der Region festzulegen. Das Planungs-Instrument dazu ist die AGENDA 2030.

                                                                            So lange dies (noch) nicht so ist, werden wir als DMO die Ergebnisse indirekt zu beeinflussen versuchen. Zum Beispiel mit neuen Schellen-Ursli-Erlebnissen, mit zahlreichen Events wie dem 1. August in Samnaun, den Junioren-OL-Weltmeisterschaften, dem Nationalpark Bike-Marathon, mit der erfreulichen Entwicklung der buchbaren Pauschalen und des Gästeprogramms mit handverlesenen und persönlich geführten Exkursionen. Durch diese Aktivitäten entstehen wertvolle Beziehungen zwischen Gästen und unserer Region und durch die Mundpropaganda die Chance für wiederkehrende Gäste. Und Stammgäste „produzieren“ die wertvollsten Logiernächte.

                                                                            Mehr zum Thema:

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                                                                            • Amt für Wirtschaft und Tourismus (AWT) Graubünden, Statistik > siehe PDF
                                                                            • Weitere Statistiken > TESSVM Inside, siehe Internet > www.tessvm.ch/inside > Statistik
                                                                            • Regionale Strategie AGENDA 2030 > siehe Internet
                                                                            • Staatssekretariat für Wirtschaft SECO: Wachstumsstrategie für den Tourismusstandort Schweiz 2016, S. 74, Kapitel 3.5.1 Überblick: "Das Destinationsmarketing ist subsidiär zum Marketing der Unternehmen, denn auch im Tourismus sind die Verkaufsanstrengungen für die angebotenen Dienstleistungen in erster Linie Aufgabe der Wirtschaft." > siehe Internet

                                                                            Besuch in Südtirol (2): Feststellungen und Erkenntnisse für uns

                                                                            Schlüsselwörter: Südtirol, Graubünden, Vorteile, Nachteile, Unterschiede, Konsequenzen
                                                                            Tag 88, 5. Oktober 2016

                                                                            Gemäss den gestern veröffentlichten „Südtirol in Zahlen 2016“ verzeichnete Südtirol im Jahr 2015 29,475 Mio. Logiernächte; davon 23‘148 Mio. in gewerblichen Betriebsstätten. 10‘041 Betriebe hatten 219‘248 Betten (im Durchschnitt je Betrieb 21.8 Betten), der Ausländeranteil der Gäste betrug 65%, die Aufenthaltsdauer lag im Schnitt bei 4,5 Tagen. In Südtirol leben 504‘643 Menschen.

                                                                            Gemäss der Statistik „Graubünden in Zahlen“ verzeichnete Graubünden im Jahr 2015 5,052 Mio. Logiernächte in Hotels und Kurbetrieben. 638 Betriebe hatten 38‘649 Betten (im Durchschnitt je Betrieb 61 Betten), der Ausländeranteil der Gäste betrug 43%, die Aufenthaltsdauer lag im Schnitt bei 2,9 Tagen. In Graubünden leben 165‘927 Menschen.

                                                                            Das heisst: Südtirol hat drei Mal mehr Einwohner als Graubünden, 4 ½ Mal mehr Logiernächte und die Aufenthaltsdauer ist 1,6 Tage länger als bei uns. Unsere Destination ist mit 8‘500 Einwohnern, 1,1 Mio. Logiernächten und 4‘790 Hotelbetten in 118 Betrieben (41 Betten je Betrieb) im Vergleich sehr klein.

                                                                            Die Gemeinsamkeiten zwischen Südtirol und unserer Destination sind die kulturlandschaftliche Vielfalt, die Eindrücklichkeit und Schönheit der Landschaft, die Abwechslung der Jahreszeiten, die Sorgfalt im Umgang mit dem kulturellen Erbe, die hochstehende Kulinarik, die Offenheit der Menschen, der hohe Anteil der ausländischen Mitarbeitenden in der Gastronomie, etc. Es liesse sich noch mehr Vergleichbares finden.

                                                                            Vorteile hat Südtirol im Unterkunftsangebot, weil die Betriebe im Durchschnitt jünger und grösser sind. Ein weiteres Plus sind die Dolomiten; seit 2009 UNESCO-Welterbe und ein internationaler, einmaliger und sehr kräftiger Magnet. Schliesslich hat die autonome Provinz Südtirol eine Grösse, die mehr Schlagkraft gibt auf den Märkten. – Graubündens Vorteile sind die unschlagbare Vielfalt auf kleinem Raum, die Kleinräumigkeit mit kurzen Distanzen, das ÖV-System und die touristische sowie politische Einheit, welche die Tourismuswirtschaft „relativ einfach“ organisierbar macht.

                                                                            Nachteile von Südtirol sind der Strassenverkehr, die massentouristischen Tendenzen an touristischen Hotspots, die relativ grossen Distanzen zwischen den touristischen Attraktionen, der nicht einwandfrei vernetzte öffentliche Verkehr, die touristischen Quellmärkte, die kaum eine Anreise per ÖV möglich machen sowie schliesslich die internationalen Gäste, welche die Wertschöpfung, die Aufenthaltsdauer und die Stammgäste-Entwicklung negativ beeinflussen und es anspruchsvoll machen, ihnen das authentische Angebot zugänglich und erlebbar zu machen. – Graubündens Nachteile sind im Vergleich zum Euro-Ausland die sehr hohen Produktionskosten (Personal, Nahrungsmittel, Bau- und Betriebskosten), welche gemäss SECO und hotelleriesuisse zwischen 20 und 50% höher sind als in Südtirol/Tirol. Dazu kommt die kleinstrukturierte und teils veraltete Hotellerie, welche aufgrund der fehlenden Nachfrage in der Investitionsfalle sitzt. Als Konsequenz ergeben sich weitere Nachteile bei den nachgelagerten Betrieben; von den Bergbahnen zur Gastronomie zu Handel und Gewerbe und zum Bau-Haupt- und –nebengewerbe.

                                                                            Kein Unterschied zwischen Südtirol und Graubünden ist aber so markant wie die Preisdifferenzen. Diese sind offensichtlich (mit Ausnahme des Zollfrei-Angebotes in Samnaun). Primär in den Geschäften beim Einkaufen sowie in der Gastronomie. Teilweise bei den Unterkünften, wobei die Preise und Leistungen in derselben Hotelkategorie nicht eins zu eins verglichen werden können. Eher nicht bei den Bergbahnen, denn deren Preise sind durchaus vergleichbar mit unseren Tarifen. So kommt es denn auch, dass viele Schweizer nach Südtirol springen, weil es eben insgesamt günstiger ist bei sehr vergleichbarem Angebot. Die Reisekosten werden beim Preisvergleich oft nicht berücksichtigt.

                                                                            Nun, was heisst das für uns?

                                                                            1. Zunächst müssen wir aus den nicht beeinflussbaren Rahmenbedingungen die richtigen Schlüsse ziehen. Dies kann nur gemeinsam geschehen.

                                                                            2. Die Region muss sich in der Folge auf Investitionen konzentrieren, welche zu neuen strategischen Vorteilen im Angebot und im Marketing führen. Die Abstimmung unter den Gemeinden ist zwingend.

                                                                            3. Die Hotellerie muss durch Zusammenschlüsse zu Grössen- und Know-how-vorteilen kommen, um das Kostenproblem zu reduzieren. Marketing und Marketing-Kooperationen allein genügen nicht (mehr).

                                                                            4. Die Tourismusorganisationen müssen sich auf Kommunikation, Events und Angebote konzentrieren, welche die Nachfrage, die Positionierung und das Image fördern. Ressourcen-„Verbrenner“ müssen eruiert und reduziert werden. Die Zusammenarbeit mit „graubünden“ ist die Basis.

                                                                            5. Bergbahnen und Freizeitangebote müssen in das Kerngeschäft und in die Service-Qualität investieren. Denn das tut die Konkurrenz auch. Aber teilweise günstiger.

                                                                            Mehr zum Thema:

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                                                                            Schlüsselwörter: Nutzen und schützen, Welterbe, Qualitätstourismus, Interessenkonflikte
                                                                            Tag 89, 4. Oktober 2016

                                                                            Gestern war ich nach Sexten in die Südtiroler Dolomiten eingeladen, um auf dem Kreuzbergpass an der Veranstaltung von „Sextenkultur“ einen Beitrag zu leisten in der Diskussion zur Frage: „Wohin entwickelt sich der Dolomiten-Tourismus mit der Aufnahme in das UNESCO Welterbe?“ Dies vor dem Hintergrund der Chancen, aber auch der massentouristischen Erscheinungen, welche der UNESCO-Tourismus in Südtirol und in den benachbarten Provinzen mit sich bringt. Insbesondere wurden mir im Briefing der Organisatoren die folgenden Fragen gestellt:

                                                                            • Welche Erfahrungen gibt es diesbezüglich mit dem Schweizer Nationalpark und ähnlichen Schutzgebieten, sofern es dazu Erfahrungen gibt?
                                                                            • Wie gelingt die Integration des Schutzgedankens in ein wettbewerbsfähiges touristisches Produkt?
                                                                            • Was kann man unter (gesellschaftlicher) Tragfähigkeit verstehen? Welcher Zusammenhang besteht da zwischen ökologischer und gesellschaftlicher Tragfähigkeit?
                                                                            • Wo wirkt der Schutzgedanken als Hindernis für die touristische Entwicklung?
                                                                            • Welche Erfahrungen bestehen rund um das Thema Verkehr und Mobilität, insbesondere wenn er vom Tourismus verursacht wird?

                                                                            Über 100 Interessierte aus ganz Südtirol interessierten sich für die Thematik. Von Landesrat Richard Theiner und Thomas Aichner, Präsident IDM (Innovation, Development, Marketing) bis zu Touristikern, Hoteliers, Politikern, Kulturschaffenden, Umweltfachleuten. Fachlich begleitet durch Prof. Dr. Harald Pechlaner, perfekt organisiert durch Judith Rainer und Christoph Rainer von Sextenkultur und vom Rainer Family Resort Sexten.

                                                                            Zusammenfassend notierte ich in der sehr wertvollen Veranstaltung die folgenden Erkenntnisse und geflügelten Wörter:

                                                                            • Logos interessieren keine Gäste, die Dolomiten sind für die Gäste primär Berge.
                                                                            • Güte, Fleiss und Sensität sind wichtiger als Logos.
                                                                            • Mit einem Erbe muss man verantwortungsvoll umgehen. 
                                                                            • Wir verwenden das UNESCO-LOGO, haben uns aber nicht mit den Werten auseinandergesetzt.
                                                                            • Es gibt immer mehrere Wege, um ein Ziel zu erreichen.
                                                                            • Moderne Pioniere sind die Pioniere der Vernetzung.
                                                                            • Resultat/Erfolg ist, wenn man ein Ergebnis dauerhaft erreichen kann.
                                                                            • Es gibt nicht nur Südtirol, sondern auch Belluno und Friaul mit anderen Realiäten.
                                                                            • Es gilt, den Megatrend Dolomiten mit dem Megatrend Öffentlicher Verkehr zu verbinden.

                                                                            Ich stelle fest und nehme mit nach Hause:

                                                                            1. Auch in Südtirol sucht man auf komplexe Fragen nach Antworten,

                                                                            2. auch in Südtirol ist die saisonale Ausdehnung der Hochsaisonzeiten eine Herausforderung,

                                                                            3. auch in Südtirol möchte man, dass gewisse Entwicklungen schneller gehen,

                                                                            4. auch in Südtirol wird die Entwicklung durch Interessenkonflikte gebremst und teilweise verunmöglicht.

                                                                            5. Südtirol hat aber vor allem ein „Luxusproblem“: Es fehlt dem Land nicht an Nachfrage, sondern an der idealen Verteilung der Nachfrage.

                                                                            6. Massentourismus in Qualitätstourismus umzuwandeln ist eine Herausforderung, vor allem mit zunehmend internationalen Gästen.

                                                                            Mehr zum Thema

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                                                                            Schlüsselwörter: Fest, Gemeinschaft, Dankbarkeit, Fragen, höchste Zeit
                                                                            Tag 90, 3. Oktober 2016

                                                                            Gestern war ich an der Festa da racolta in Valchava. Es hatte viele Leute. An der Festa da racolta hat es immer viele Leute. Unabhängig vom Wetter. Einheimische, Gäste aus dem Engadin, aus Samnaun, aus Anderswo. Kinder, Jugendliche, Erwachsene. Schöne Begegnungen, Wiedersehen, Lachen, Freude, Sprüche. – Warum ist die Festa da racolta immer ein grosser Erfolg, frage ich mich?

                                                                            • Weil sie um 10.30 Uhr mit einem ökumenischen Gottesdienst beginnt,
                                                                            • weil der Umzug direkt nach diesem offiziellen Auftakt durch das Dorf zieht,
                                                                            • weil der Mix aus Gottesdienst, Umzug, Mittagessen, Tieren, Markt, Unterhaltung, Begegnung und Gemeinschaft erleben das Erfolgsrezept ist,
                                                                            • weil man etwas verpasst, wenn man nicht (rechtzeitig) in Valchava ist,
                                                                            • weil man Freunde und Bekannte und Unbekannte trifft,
                                                                            • weil die Festa im Dorf auf überschaubarem Raum stattfindet,
                                                                            • weil die Herausforderungen des Tals für ein paar Stunden der schönen Festa Platz machen,
                                                                            • weil es eine gute Gelegenheit ist, um dankbar zu sein für die reiche Ernte, in jeder Beziehung,
                                                                            • weil es am ersten Sonntag im Oktober (fast) keine anderen Veranstaltungen gibt, die sie konkurrenzieren,
                                                                            • weil sie gut organisiert ist und alle am gleichen Strick ziehen,
                                                                            • weil die Jagd vorbei ist und alle Zeit haben.

                                                                            So einfach ist das. Und weil die Festa da racolta so erfolgreich und schön und einfach zu erklären ist, gehen mir viele weitere Fragen durch den Kopf zum Val Müstair:

                                                                            • Warum sind die Tourismusorganisation und die Biosfera nicht schon längst unter einem Dach und eine Organisation?
                                                                            • Warum kann die Biosfera nicht das exklusive Kompetenzzentrum für Forschung und Entwicklung in der DMO sein für die ganze Destination (das wäre pionierhaft)?
                                                                            • Warum braucht es im Val Müstair zwei Marketingorganisationen und die Wirtschaftsförderung?
                                                                            • Warum gibt es für das Val Müstair nicht schon längst gemeinsame Ziele, eine gemeinsame Strategie, eine gemeinsame Kommunikation?
                                                                            • Warum gibt es nicht ein einziges legitimiertes Gremium, das für die ganze Entwicklung des Val Müstair unmissverständlich verantwortlich ist?
                                                                            • Warum diskutiert man im Val Müstair über den Namen der Biosfera anstatt über die Inhalte?
                                                                            • Warum ist die Gäste-Information im Val Müstair noch nicht „state of the art“ organisiert mit einem Biosfera-Zentrum beim Kloster?
                                                                            • Warum gibt es keinen partizipativen Prozess, der die Mitsprache der Bevölkerung nach aktuellen und modernen Grundsätzen ermöglicht?
                                                                            • Warum werden wir nach drei sehr erfolgreichen Tour de Ski-Veranstaltungen 3 Mio. Franken ausgegeben aber noch kein Tour de Ski-Zentrum haben, das im Winter für Langlauf, Nachwuchsförderung, etc. und im Sommer für Bike, E-Bike, Golf oder was auch immer genutzt werden kann?
                                                                            • Warum sind wir unsicher, ob eine x Millionen-Investition in Beschneiung, Sesselbahn, Resort für das Val Müstair in Tschierv mit aktuell 31‘000 Winterlogiernächten und schrumpfendem Skimarkt richtig ist?


                                                                            Seit sechs Jahren sind wir nun die Destinationsmanagement-Organisation (DMO) Tourismus Engadin Scuol Samnaun Val Müstair AG (TESSVM) für die Destination Scuol Samnaun Val Müstair. Es wird Zeit für die definitive Klärung der wichtigen Fragen. Wenn nicht, gibt es auch nächstes Jahr am ersten Sonntag im Oktober immerhin eine Festa da racolta im Val Müstair. Sie wird bestimmt ein Erfolg!

                                                                            Mehr zum Thema:

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                                                                            Schlüsselwörter: Erwartungen, Vier-Kreise-Modell, Handlungsspielraum, Leistungspartner, Kooperationen
                                                                            Tag 91, 2. Oktober 2016

                                                                            In Bezug auf „Leistungen erbringen“ und „Wirkung erzielen“ haben unsere Leitungspartner im Netzwerk unserer Destination die unterschiedlichsten Erwartungen und Wünsche an uns. Die Wichtigsten zusammengefasst:

                                                                            • Mit einem komplexen Marketing für viele Gäste und Kunden sorgen
                                                                            • Veranstaltungen organisatorisch und finanziell unterstützen
                                                                            • Gruppenreisen und Gästeprogramm organisieren
                                                                            • Persönliche Präsenz bei Anlässen markieren
                                                                            • Beratung in Fachfragen
                                                                            • Etc.

                                                                            Andererseits sind unsere Möglichkeiten (personell und finanziell) beschränkt und wir müssen sie realistisch einschätzen. Am Einfachsten lassen sie sich mit dem Vier-Kreise-Modell erklären (siehe Beilage).

                                                                            Kreis 1: „Im Griff“, respektive „unter Kontrolle“ haben wir das, was wir in unserer Firma selber und autonom machen können. Beispielsweise unsere Nachwuchsförderung, unsere Klimaneutralität, unser Beschaffungswesen.

                                                                            Kreis 2: Teilweise beeinflussbar ist das, was wir mit unseren Leistungspartnern zusammen machen. Das ist primär die Organisation und Abwicklung von Leistungen, Angeboten und Prozessen. Beispielsweise unser Vertriebssystem, unser Marketing, die Gäste-Information, die buchbaren Pauschalen, das Gästeprogramm, die partnerschaftlich organisierten Events, etc. Der Erfolg fällt dabei mehrheitlich nicht bei uns, sondern bei den Leistungspartnern an. Auf deren Strategie und Umsetzung haben wir aber kaum Einfluss, so dass wir auch nicht die Verantwortung übernehmen können für deren Ergebnisse. Idealerweise erzielt man gemeinsam schöne Resultate, indem man gegenseitig voneinander profitiert und so zu besseren Lösungen kommt.

                                                                            Kreis 3: Keinen Einfluss haben wir auf das, was unsere Partner selber machen. Damit meine ich ihre eigenen Abläufe und Prozesse.

                                                                            Kreis 4: Auch keinen Einfluss haben wir auf die Rahmenbedingungen, welche uns aber überdurchschnittlich beeinflussen.

                                                                            Diese Realität begleitet uns durch den geschäftlichen Alltag. Immer im Bewusstsein um den abnehmenden Handlungsspielraum „gegen aussen“ und im Bestreben, im zweiten Kreis gemeinsam zu Lösungen besserer Qualität zu kommen.

                                                                            Mehr zum Thema:

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                                                                            Schlüsselwörter: Öffentlicher Verkehr, Partnerschaften, Regionalentwicklung, Positionierung, Image, Gepäcktransport, buchbare Angebote
                                                                            Tag 92, 1. Oktober 2016

                                                                            Gestern haben Gian Janett von der PostAuto Betriebsstelle Scuol und ich eine hochkarätige Delegation von Politikern und Bahnfunktionären aus dem Territoire de Belfort und Besançon empfangen. Sie kamen nach einem Besuch im Südtirol zu uns, um unser System des öffentlichen Verkehrs im Dreiländereck kennen zu lernen. Eingeladen waren sie von Hans-Peter Leu, dem Leiter internationale Beziehungen SBB. Der Besuch soll einen Beitrag an die Beziehungen „im TGV-Grenzgebiet“ im schweizerisch-französischen Jura leisten.

                                                                            Wir zeigten den Funktionären das Zusammenspiel zwischen Rhätischer Bahn, PostAuto Graubünden, Bergbahnen Scuol, Gemeinde Scuol, Region Unterengadin/Val Müstair und Tourismusorganisation. Dabei standen unsere fünf Stossrichtungen im Zentrum, mit denen wir uns als Tourismusorganisation in den anspruchsvollen Rahmenbedingungen einer grenznahen Bergferienregion für den ÖV engagieren:

                                                                            1. Optimierung und Weiterentwicklung der An- und Abreise (weniger umsteigen in Randzeiten, Taktfahrplan von früh bis spät, Halt an den Bahnhöfen zwischen Scuol und Zernez (mindestens auf Verlangen), kurze Wartezeiten an den Umsteigepunkten aus allen Richtungen)
                                                                            2. Verdichtung und Weiterentwicklung der ÖV-Angebote zwischen den Bahnhöfen, Haltestellen und allen Ferienorten (lokaler Taktfahrplan von früh bis spät, damit auch zu später Stunde ein Heimkommen von einem Ort zum Anderen möglich ist)
                                                                            3. Weiterentwicklung der touristischen Angebote (Pauschalen wie Alles inklusive in Samnaun, die Mobil-Angebote in Engadin Scuol und Engadin Val Müstair, Wander- und Bikepauschalen mit Gepäcktransport, Gepäcktransport domicil da vacanzas, etc.)
                                                                            4. Weiterentwicklung des grenzüberschreitenden „Kreisverkehrs“ rund um die Nationalparkregion (mit einheitlichem Tarifsystem und online-Fahrplänen)
                                                                            5. Unterstützung der visionären ÖV-Projekte der Zukunft in Richtung Landeck und Mals. Vor 19 Jahren wurde Scuol-Landeck wieder thematisiert.

                                                                            Diese Arbeit machen wir zusammen mit den Partnern des öffentlichen Verkehrs sowie mit der regionalen Fahrplankommission unter dem Präsidium von Emil Müller, Gemeindepräsident von Zernez.

                                                                            Unsere finanziell grössten Herausforderungen sind:
                                                                            1. Die Erhaltung des in der Schweiz exklusiven Gepäcktransports bis ins Feriendomizil (Hotel oder Ferienwohnung) und wieder zurück. Notabene ohne Aufpreis für die Gäste und kostenlos für die Gastgeber. Die Mehrkosten trägt die TESSVM.
                                                                            2. Die Herausgabe des regionalen und saisonalen Fahrplans mit allen Verbindungen des öffentlichen Verkehrs sowie ausgewählten Angeboten.

                                                                            Mit 133 ÖV-Haltestellen, 296 km ÖV-Kilometern und 23% aller Gäste, die mit dem ÖV anreisen (vor Eröffnung des Vereinatunnels waren es 7%), sind wir DIE Bergferienregion schlechthin, welche auch dank dem ÖV-Angebot gross auftrumpfen kann. Dies ist auch von hohem Wert für die einheimische Bevölkerung. Dank dem professionellen Zusammenspiel der ÖV-Partner vor Ort, aber auch dank Unterstützung durch den Kanton mit dem Amt für Verkehr und Energie und dank Hans-Peter Leu, der unermüdlich für die Sache kämpft und uns hochkarätige Plattformen gibt; inklusive einem 3-stündigen Französisch-Intensivkurs. Grazcha fich, Jean-Pierre, resp. Jon-Peder!

                                                                            Mehr zum Thema:

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                                                                            Schlüsselwörter: Milestone, Innovation, Hotelförderung, Kommission, Wucher
                                                                            Tag 93, 30. September 2016

                                                                            Nochmals zum Thema MILESTONE. Man stelle sich vor: Der Milestone wird auch von hotelleriesuisse getragen, dem „Unternehmerverband und Kompetenzzentrum für die Schweizer Hotellerie“, der sich „mit viel Engagement für die Innovationsförderung engagiert“. Dann kommt das Geschäftsmodell „Hotelcard“, welches die Hotelübernachtung in vielen Hotels „für 50% des Listenpreises“ an die Kunden verscherbelt, und bewirbt sich um einen MILESTONE. Die bei der Hotelcard mitmachenden Hotels werden damit gekördert, dass für sie „weder Kosten noch Kommissionen anfallen.“ Und weiter wird behauptet, dass die Hotels ihren Umsatz steigern und ihre Auslastung optimieren und dass die Hotelgäste zu „Frequent Travellers“ werden.

                                                                            Ich mag den Machern der Hotelcard ihr Geschäftsmodell gönnen und funktionieren mag es auch für gewisse Hotels; in unserer Destination machen auch ein paar Hotels mit. Ich finde es aber schon sehr speziell, wenn auf der Plattform des bedeutendsten Tourismuspreises der Schweiz ein ruinöses 50%-Rabatt-System als Innovation präsentiert wird und nicht die ganze Hotellerie aufschreit! Gegen die horrenden Kommissionsabgaben von Booking und Co laufen die Hoteliers (berechtigterweise) Sturm, im Wettbewerb um die Branchenbesten akzeptiert man aber gleichzeitig einen Partner, der aktiv an der negativen Preisspirale kurbelt.

                                                                            Zum Glück hat die Jury Weitsicht bewiesen, indem sie die Hotelcard nicht für einen MILESTONE nominiert hat. Es wäre unglaubwürdig und ein Signal in die völlig falsche Richtung gewesen, wenn dies unter der Trägerschaft von STV, SECO, hotelleriesuisse, htr und Supporting Partner "Ecole hôtelière de Lausanne" passiert wäre. Weiter wäre es eine Ohrfeige an alle Tourismusorganisationen gewesen, die alles daran setzen, um die Auslastung in den Unterkünften steigern zu helfen, die Aufenthaltsdauer auszudehnen und die Begehrlichkeit nach den jeweiligen Angeboten und Leistungen zu stimulieren. Zu möglichst guten Preisen, was sehr anspruchsvoll ist. Mit einem 50%-Köder ist es relativ einfach, auf die Pirsch zu gehen. Aber sicher nicht nachhaltig erfolgreich.

                                                                            Die Hotelcard wird keinen MILESTONE nach Hause nehmen und damit noch mehr Schwung in ihr Geschäft bringen. Das ist gut so. Aber es gibt sie natürlich weiterhin. Deshalb ist die Branche gut beraten, das Engagement in den eigenen Reihen selbstkritisch zu hinterfragen.

                                                                            Mehr zum Thema:

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                                                                            • Über die aktuellen Hotel-Offensiven und Förderprogramme, die ich zur Nachahmung empfehlen würde, schreibe ich später.

                                                                            (Noch) kein Milestone für Schellen-Ursli

                                                                            Schlüsselwörter: Schellen-Ursli, Innovation, Milestone, Chasa Guarda
                                                                            Tag 94, 29. September 2016

                                                                            Heute hat die Jury des bedeutendsten Schweizer Tourismuspreises MILESTONE die Nominationen bekannt gegeben. Unsere Bewerbungen sind nicht bei den Auserwählten. Wir haben uns mit dem Schellen-Ursli-Projekt beworben, nebst dem 10 Jahre-Jubiläum der Via Engiadina.

                                                                            Schade, aber mit der Aussage von Jury-Präsidentin und Alt-Bundesrätin Ruth Metzler auch nachvollziehbar: „Ich erhielt den Eindruck, dass im Tourismus teilweise als innovativ gilt, was in anderen Branchen schon längst Courant normal ist.“ Und schiebt dann noch nach, dass es bestimmt sinnvoll sei, vermehrt über den Gartenzaun zu blicken.

                                                                            In Bezug auf unser Schellen-Ursli-Projekt hat sie natürlich schon Recht: „In anderen Branchen“ wäre der Schellen-Ursli schon längst umgesetzt worden. Denn es gibt wohl kaum einen vielversprechenderen nicht fertig geschliffenen Diamanten in unserer Region als den Schellen-Ursli! Mit der 70-jährigen Erfolgsgeschichte, einem der erfolgreichsten Schweizer Filme überhaupt (eine halbe Million Menschen hat den Film gesehen!), zahlreichen Netzwerk-Erfolgen bis hinaus zum Europapark, einer sehr glaubwürdigen Verankerung der Geschichte hier vor Ort, einer höchst authentischen Umgebung, etc., bestehen allerbeste Voraussetzungen für eine nicht kopierbare Ganzjahres-Inszenierung.

                                                                            Wir Touristiker wissen, dass wir nichts erfolgreich umsetzen können, was nicht auf einer tiefen Akzeptanz in der Bevölkerung vor Ort gründet. Künstliche Marketingkonstrukte haben keine Chance. Umso erstaunlicher, dass wir den Durchbruch mit dem Schellen-Ursli (noch) nicht geschafft haben. Denn er ist sicher kein Marketingkonstrukt.

                                                                            Die Chasa Guarda kann mittel- bis langfristig das zentrale Teilprojekt zur Erlebbarmachung des Schellen-Ursli und der lokalen und regionalen Kultur sein. Die Chasa Guarda hat das Potenzial, zu einem regionalen Attraktionspunkt für die Destination Scuol Samnaun Val Müstair, das Engadin und für Graubünden zu werden; mit Ausstrahlung weit in die Schweiz hinaus. In der Gäste-Akquisition kann die Chasa Guarda zu einem wichtigen Zugpferd werden, mit den für die Ferienregion Engadin Scuol richtigen, unverwechselbaren und positionierungswirksamen Botschaften.

                                                                            Darum muss die Projektgruppe am Thema dran bleiben. Vorläufig noch ohne MILESTONE. Denn Ruth Metzler hat im Interview auch noch gesagt: „Gute Ideen zu haben genügt nicht. Innovation gibt es erst, wenn diese Ideen auch umgesetzt werden.“ - Dies ist Motivation und Ansporn zugleich.

                                                                            Mehr zum Thema:

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                                                                            Schlüsselwörter: Dreidimensionale Nachhaltigkeit, regionale Strategie, Zukunft
                                                                            Tag 95, 28. September 2016


                                                                            37 Prozent der Stimmberechtigten der Region Engiadina Bassa/Val Müstair haben am 25. September 2016 mit durchschnittlich 56,5% deutlich nein gesagt zur Initiative „Grüne Wirtschaft“. Die Rangliste: Valsot : 53%, Scuol: 55%, Zernez: 58%, Val Müstair: 68%, Samnaun: 78%. Was die stummen 63 Prozent denken, wissen wir leider nicht.

                                                                            Trotz unschlagbarer Kulturlandschaft als Basis für das nicht wegdenkbare Tourismusgeschäft, einzigem Nationalpark, Biosfera, romanischer Kultur, 78% Bio-Anteil an der landwirtschaftlichen Nutzfläche, Wasserkrafthochburg, etc. hat das Volk nein gesagt. Das Volk hat ja bekanntlich immer Recht und es wird nein gesagt haben, weil die Initiative zu extrem und zu kurzfristig war und die Leute Angst haben vor noch schlechteren Wettbewerbsbedingungen.

                                                                            Von mir aus muss man gar nicht von grüner Wirtschaft reden, sondern von der dreidimensionalen Nachhaltigkeit. Wenn wir das, was wir privat und beruflich tun, auf dieses gleichmässige Modell ausrichten, sind wir bestimmt auf dem richtigen Weg. Das heisst: Wir müssen gleichzeitig ökonomisch erfolgreich, ressourcenmässig verträglich und sozial ausgewogen arbeiten. Wenn uns dies gelingt, dann haben wir das goldene Dreieck der dreidimensionalen Nachhaltigkeit getroffen; gleichsam des Jägers Blattschuss.

                                                                            Das ist hoch anspruchsvoll, denn die Rahmenbedingungen sind sehr einschränkend, die Umwelt hoch empfindlich, die Bevölkerung immer älter und abnehmend. Diese „Zutaten“ sind die Voraussetzungen für die Strategen und Macher unserer Destination.

                                                                            Zur grünen Wirtschaft hat „man/frau“ nein gesagt. „Alle“ in der Destination Scuol Samnaun Val Müstair sind hingegen gut beraten, ihre Vorhaben und Projekte darauf zu prüfen, ob ihr Engagement die Anforderungen des goldenen Dreiecks erfüllt.

                                                                            Mehr zum Thema:

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                                                                            Schlüsselwörter: Neue Projekte, Erfolgsfaktoren, Lead, Zeit, Bevölkerung, Akzeptanz
                                                                            Tag 96, 27. September 2016

                                                                            Was haben Projekte wie „Nairs“, „Büvetta Tarasp“ und „Chasa Guarda“ gemeinsam? Sie brauchen von den Beteiligten ungeheuer viel Schnauf und die Rückschläge und Enttäuschungen sind zahlreicher als die Erfolge. Das Zentrum für Gegenwartskunst Nairs hat es geschafft: Nach vielen Jahren ist es renoviert, weiterentwickelt, geheizt und bereit für den Ganzjahresbetrieb. Die Büvetta Tarasp ist am Zerfallen und der Fels droht, das historisch bedeutende Gebäude zu zerstören. Die Chasa Guarda wartet darauf, dass sie die einheimische Bevölkerung als ungeschliffenen Diamant erkennt und sie zum Attraktionspunkt macht, der dank Schellen-Ursli möglich ist und der Region neue Impulse verleihen kann.

                                                                            Was sind die Erfolgsfaktoren für solche Vorhaben?

                                                                            1. Lead : Es braucht jemanden, der das Vorhaben zu seinem Thema macht und beharrlich, konsequent, visionär, engagiert und professionell dran bleibt. Mit Christof Rösch verfügt(e) Nairs über diese treibende Kraft. Viele Persönlichkeiten unterstützen ihn dabei und zusammen war das Netzwerk erfolgreich. Für die Büvetta kämpft Werner Reichle, zusammen mit ein paar Mitstreitern. Sie wissen, dass sie auf dem richtigen Weg sind, aber der Fels drückt und das Vorhaben bleibt eine Herkulesaufgabe. Für die Chasa Guarda engagiert sich eine breit abgestützte Projektgruppe sowie die Stiftung Pro Guarda.

                                                                            2. Zeit: Solche Projekte brauchen Zeit. Viel Zeit. Und Geduld.

                                                                            3. Breite Basis: Ohne breite Abstützung können solche Projekte nicht gelingen. Es braucht Fördervereine, Gönner, Sponsoren, Partner und viele mehr, die diesen Projekten zum Durchbruch verhelfen. Nehmen wir die Chasa Guarda: Ohne aktive Unterstützung der Bevölkerung wird das Vorhaben nicht gelingen. Da braucht es jetzt einen zünftigen Schub von „innen“, dann macht „aussen“ auch mit!

                                                                            Wollen Sie sich auch engagieren? Es gibt jede Menge Projekte und Vorhaben, fast in allen Gemeinden und Fraktionen, die auf das Engagement der Bevölkerung warten, resp. angewiesen sind. Oft braucht es nicht nur Geld, sondern persönliche Bereitschaft, mitreden, mitarbeit, kämpfen für eine gemeinsame Idee. So entsteht Neues, Innovatives und schliesslich konkrete Angebote und Leistungen, die ortstypisch sind, nicht billig kopiert werden können und Menschen für unsere tolle Destination begeistern.

                                                                            Mehr Informationen gibt es hier:

                                                                            Heute: Lancierung des Weltklasse-Winters

                                                                            Schlüsselwörter: Winter, Gastgeber, Veranstaltungen, Events, Angebote, Exklusivität
                                                                            Tag 97, 26. September 2016

                                                                            „Wo, wenn nicht hier, kommen Winterfans auf Ihre Kosten? Im östlichsten Zipfel der Schweiz ist der Winter um das gewisse Etwas vielfältiger, als Vielen bewusst ist. Die Ferienregion Scuol Samnaun Val Müstair bietet drei charakterstarke Skigebiete mit insgesamt 333 Pistenkilometern, internationalen Grossevents und einer fünf Monate langen Saison im Herzen der Alpen. (...)“

                                                                            So die ersten Zeilen unserer Winterwerbung, die heute startet. Wir sind eine der Ferienregionen der Winterkampagne Graubünden. Im Zentrum stehen exklusive Gastgeber, die Lust auf Ferien in unserer Destination machen. Mario Riatsch und seine Familie stehen ab heute bis am 4. Dezember im Zentrum der Kampagne, zusammen mit Gastgebern aus weiteren GR-Regionen. Das Auftakt-Video wurde bei uns gedreht, wie schon 2012 der Werbespot von Schweiz Tourismus.

                                                                            Weltklasse-Events:
                                                                            Auftakt am 26. November mit «77 Bombay Street» an der Nikolaus-WM «Clau Wau», 31.12.16/1.1.17 FIS Tour de Ski im Val Müstair, 16. – 22.3.17 «Aua Forta – Wassertage Engadin Scuol», in Samnaun von April bis Mai: Formations-Europameisterschaften, ISIA Skilehrer WM, Silvretta Schüler Cup, vierteilige Konzertreihe mit dem 29. Frühlingsschneefest.

                                                                            Unschlagbare Angebote (das heisst, diese gibt’s nicht besser oder billiger bei der Euro-Konkurrenz!):
                                                                            Zwei- oder dreitägige Skipauschale «Wintersonne» in Samnaun, Engadin Scuol: Skipass inklusive, Engadin Scuol Mobil (NEU), Val Müstair: «Langlaufhit» und Langlauftage mit Gianluca Cologna, dutzende von Ferientipps in den drei Ferienregionen, etc.

                                                                            Ja, im Moment brauchen wir etwas Wetter- und Schneeglück, um im Winter gut geschäften zu können. Wir haben in der Vorbereitung gemacht, was wir können und sind entsprechend optimistisch.

                                                                            Linkservice für Gastgeber und Gäste zum Versenden, Liken, Teilen. Machen Sie unsere Angebote und Botschaften zu Ihren!

                                                                            Unsere Probleme wären vieler anderer Luxus

                                                                            Schlüsselwörter: Krieg, Ohnmacht, Unvermögen, Tourismuskrise, Verhältnismässigkeit, Chancen
                                                                            Tag 98, 25. September 2016

                                                                            Über 65 Millionen Menschen sind weltweit wegen Krieg, politischer Verfolgung oder wirtschaftlicher Not auf der Flucht. Im Durchschnitt werden weltweit jede Minute 24 Menschen zur Flucht gezwungen. Die Anzahl der Flüchtlingskinder hat sich in zehn Jahren verdoppelt. Jedes 200ste Kind weltweit ist ein Flüchtling. 10‘000 Kinder waren ohne Begleitung unterwegs; die Zahl ist im Vergleich zum Vorjahr doppelt so hoch. Sagt das UNO-Hochkommissionariat für Flüchtlinge (UNHCR). Und die Newssendungen berichten täglich von neuen Greueltaten und davon, wie die Diplomatie gegen jene Mächtigen, welche die Probleme mit Waffengewalt lösen wollen, keine Chance hat.

                                                                            Die Probleme der letzten 20 Jahre für unseren Tourismus: Finanz- und Wirtschftskrise, Euro-Absturz, fehlender Schnee, zu viel Regen, Annahme der Zweitwohnungsinitiative, Medienkampagnen gegen unsere Gastfreundschaft, Hotelschliessungen, etc. Entsprechend haben in der Fraktion Scuol die Logiernächte der Hotellerie zwischen 1992 und 2015 um 20‘020 Logiernächte (10%) und jene der Parahotellerie um 58‘160 Logiernächte (20%) abgenommen. In der ganzen Destination gingen die Gesamtlogiernächte zwischen 2011 und 2015 um 63‘753 Logiernächte (5.7%) auf 1,05 Mio. Logiernächte zurück.

                                                                            Die globale Flüchtlingskrise ist dramatisch. Die alpenweite Tourismuskrise ist auch dramatisch. - Jetzt weiss ich plötzlich nicht mehr so recht: Ist unsere Situation jetzt wirklich eine Krise? Dramatisch? Überschaubar? Oder gar Luxus? Gemessen am weltweiten Elend  – mit allem Respekt vor den individuellen Herausforderungen und Auswirkungen – mindestens lösbar, wenn nicht Luxus. Wir haben beste natürliche Voraussetzungen und eine hoch entwickelte Infrastruktur, gut funktionierende Institutionen und Firmen, viel Know-how, gut ausgebildete Mitarbeitende, weitsichtige Chefs und jede Menge Handlungsspielraum.

                                                                            Einen schönen Sonntag und dann einen guten Start in die neue Woche.

                                                                            Im Überblick:

                                                                            Nationalpark: Exklusiv und nur bei uns

                                                                            Schlüsselwörter: Stärken, Nationalpark, Exklusivität, Ferientipps, Botschafter
                                                                            Tag 99, 24. September 2016

                                                                            Einmalig, unverwechselbar, Naturreservat mit höchstem Schutz, 170 km2 Fläche: Schweizerischer Nationalpark, Wildnisgebiet und touristisches Angebot der Sonderklasse.

                                                                            Ich bin nicht bekannt für einen verschwenderischen Umgang mit Superlativen. Beim Nationalpark mache ich aber hemmungslos eine Ausnahme, weil er unter allen anderen touristischen Stärken und Einzigartigkeiten unserer Destination eine absolute Sonderstellung einnimmt. Im Sommer als DAS Wandergebiet schlechthin, im Herbst zusätzlich mit einem gewaltigen Schauspiel der Tierwelt und dem goldenen Herbst als atemberaubendem Höhe- und Schlusspunkt, bevor sich die Winterruhe über den Park legt.

                                                                            Wer’s nicht glaubt, kann sich gerade in diesen Tagen auf einer Wanderung davon überzeugen, dass wir hier ein Juwel, respektive ein Angebot haben, das es in dieser Dichte und Qualität und Vielfalt  und Eindrücklichkeit anderswo nicht besser oder günstiger gibt; auch nicht im nahen Euro-Ausland. Auf einer geführten Exkursion (Hirschbrunft!) oder auf eigene Faust.

                                                                            Die Ferientipps und Wanderungen stehen perfekt aufbereitet zur Verfügung und warten nur darauf, in dutzenden von Internet-Auftritten der Hoteliers und Ferienwohnungsbesitzer beworben und immer wieder als unsere Trümpfe angepriesen zu werden. In Ergänzung und Kombinationen zu der ganzen weiteren Pracht, die unsere Destination zu bieten hat. Exklusiv wie der Schweizerische Nationalpark, oder mindestens oft über dem qualitativen Durchschnitt unserer Mitbewerber. 

                                                                            Weiterführende Links zum Bewerben und Buchen:

                                                                            Ohne IG geht es nicht

                                                                            Schlüsselwörter: Partizipation, Dialog, Basisarbeit, Kontinuität
                                                                            Tag 100, 23. September 2016

                                                                            In meiner Zeit hier seit Juli 2005 sind es 50 Sitzungen der Interessengemeinschat (IG) Engadin Scuol. Ich weiss noch, wie ich mich damals bei der Präsidentin Pia Campell vorgestellt habe. Ich spürte schon damals, dass der Kontakt zu den Ferienorten wichtig ist. Was will eine Tourismusorganisation ohne guten Draht zu den Gemeinden, oder heute (nach den Fusionen) zu den einzelnen Ferienorten? Es braucht das Gespräch, den Einbezug, die Information und Sensibilisierung. Zusammenarbeit ist nicht einfach „gut“, sie lässt sich nicht verordnen oder per Reglement organisieren; das ist nicht nur zwischen den Gemeinden und uns so. Aber mit den Gemeinden ist es besonders, darum ist mein erster Blog eben dieser IG gewidmet.

                                                                            Die zwei zentralen Punkte:

                                                                            1. Es kann uns nicht egal sein, woher unser Geld kommt.

                                                                            Die Destinationsmanagement-Organisation (DMO) Tourismus Engadin Scuol Samnaun Val Müstair AG (TESSVM) ist zu 65% öffentlich finanziert. Das heisst, 4,035 Mio. Franken kommen direkt oder indirekt von den Gemeinden, mehrheitlich über die Kurtaxen der Hotellerie und Ferienwohnungen; gekoppelt an Leistungsaufträge. Die DMO arbeitet primär im Auftrag der Gemeinden und im Interesse der Öffentlichkeit. 

                                                                            2. Die Arbeit vor Ort ist nicht delegierbar.

                                                                            Das Angebot (die Infrastruktur und die Veranstaltungen) muss vor Ort gelebt und gepflegt werden, das Wissen und die Geschichten müssen vor Ort aktuell gehalten und uns zugänglich gemacht werden (damit wir den Gästen in den Märkten draussen Interessantes erzählen können), die Information und Sensibilisierung der Einheimischen muss auch vor Ort geleistet werden und dort braucht es gleichzeitig ein offenes Ort für die zahlreichen Erwartungen und Wünsche.

                                                                            Um die Finanzierung zu sichern und den Austausch zu haben, braucht es den kontinuierlichen und pragmatischen Kontakt mit den Ferienorten. Nur die IG Engadin Scuol ermöglicht den regelmässigen Austausch und die Meinungsbildung in den offiziellen Gremien der Gemeinden. Ohne IG müsste die Zusammenarbeit auf eine ganz neue Basis gestellt werden. Denn etwas Bewährtes ersatzlos streichen ist immer riskant, das wäre auch bei der IG so.

                                                                            Das Val Müstair ist ebenfalls Mitglied in der IG Engadin Scuol; Samnaun verfügt über eine schlank organisierte Tourismuskommission, welche dort die Arbeit der IG vollwertig ersetzt.

                                                                            Aufgaben der IG gemäss Reglement

                                                                            • Die IG leistet einen wesentlichen Beitrag zur Zusammenarbeit, für die Gäste-Betreuung sowie für die Koordination der Aufgaben und Aktivitäten des lokalen Tourismus.
                                                                            • Mitsprache bei der strategischen Marketingausrichtung der IG, bei den von der TESSVM vorbereiteten Marketingmassnahmen und der damit verbundenen Budgetpositionen.
                                                                            • Beratung und Beschlussfassung über regionale, touristische Themen unter Einbezug der touristischen Leistungspartner.
                                                                            • Wahrnehmung der regionalen, touristischen Interessen gegenüber politischen Instanzen und gegenüber der Öffentlichkeit.
                                                                            • Die IG nimmt zu wichtigen Fragen von regionaler Bedeutung Stellung.

                                                                            Zusammensetzung der IG

                                                                            Seraina Bickel, Susch, Präsidentin IG, Gemeinderat Zernez, Tourismus; Marianne Werro, Sent, Vizepräsidentin IG, Simon Rohner, Lavin, Präsident Lavin Turissem, VR-Präsident ESTAG; Maria-Louise Meier, Guarda, Vorstand Guarda Turissem; Men-Duri Ellemunter, Scuol, Gemeinderat, Ressort Tourismus; Balser Derungs, Ftan, Präsident Pro Ftan; Irene Hochstrasser, Tarasp-Vulpera Turissem; Mario Molinaro, Valsot (Ramosch und Tschlin), Gemeinderat, Ressort Tourismus; Fabian Schorta, Zernez, Tourismuskoordinator; Roger Schorta, Ardez, Präsident Ardez Turissem; Aldo Pitsch, Val Müstair, Gemeinderat, Ressort Tourismus/Biosfera.

                                                                            Mehr zur IG Engadin Scuol

                                                                            Persönlicher Kontakt

                                                                            Urs Wohler
                                                                            urs.wohler@niesen.ch

                                                                            Urs Wohler
                                                                            Charnadüras, Lavin, 26. August 2011. Foto: Anne Gabriel-Jürgens

                                                                            Charnadüras, Lavin,
                                                                            26. August 2011.
                                                                            Foto: Anne Gabriel-Jürgens
                                                                            www.gabriel-juergens.net