Alpkäse von der Alp Prà San Flurin
Es ist eine Art Aussteigen. Ein Zurückkommen zum Ursprünglichen. Kontakt zur Natur und Tieren. Man merkt, wie wenig man braucht, um zufrieden und glücklich zu sein.
Christian Kofler Senn auf der Alp Prà San Flurin
Die Arbeit auf der Alp beginnt gegen 3 Uhr in der Nacht. Das Team, bestehend aus dem Senn Christian, seiner Tochter Ayuna, ihrer Freundin Jana und der Hilfskraft Felice sind ein eingespieltes Team.
Noch während der Dunkelheit werden die Kühe von Ayuna und Jana mit Hilfe der Melkmaschine gemolken. Die Rohmilch wird anschliessend in einem Kupferkessel erwärmt und durch Christian mit dem Lab, einem Enzym aus dem Kälbermagen, angereichert. Dadurch gerinnt die Milch, indem sich das Käseeiweiss (Casein) vom wässrigen Teil, der Molke, trennt und mit dem Fett der Milch den Käse bildet.
Mit einer Käseharfe rühren die beiden Freundinnen die Gallerte, eine dickflüssige Masse, in Stücke, den Käsebruch. Diese Masse wird danach mit einem Tuch aus dem Kupferkessel gehoben und in runde Gefässe gegeben, bevor sie später im Käsekeller zur Reifung gelagert werden.
Gegen Mittag ist schliesslich Zeit für eine Pause, bevor es am frühen Nachmittag wieder zum Einholen und Melken der Tiere geht. Der Arbeitstag neigt sich zwischen 20 und 21 Uhr dem Ende entgegen.
«Die Müdigkeit kommt erst, wenn man sich hinsetzt», meint Ayuna.
Während der Alpsaison geben die über 70 Kühe zwischen 55’000 bis 60’000 Liter Milch. Rund 5 bis 7 Tonnen Käse werden produziert. Ein Laib Alpkäse hat einen Durchmesser von circa 28 Zentimeter, erzählt Christian.
Seine Tochter Ayuna und ihre Freundin Jana mögen das abgeschiedene Leben auf der Alp sehr. Ayuna gefällt es besonders zu sehen, wie aus der Milch der Käse entsteht. Auf die Frage, was die schönsten Momente gewesen sind, antwortet sie lächelnd:
Als ein Bauer zu uns kam und uns gelobt hat, weil der Käse gut ist und wir einen guten Job gemacht haben. Das macht mich glücklich.
Ayuna
Ihre Freundin Jana erinnert sich gerne an eine Wanderung mit Picknick an einem heissen Tag im Juli sowie die Sternschnuppen, die zu sehen sind, zurück.
Christian, der bei der 26. kantonalen Alpkäseprämierung am Plantahof in Landquart die Silberauszeichnung für den produzierten Käse entgegennehmen konnte, betont die Freude an der Arbeit sowie die Zufriedenheit, die die Tiere ausstrahlen. «Sie sind recht feinfühlig und spiegeln die eigene Stimmung wieder.»
Als Herausforderung schildert er das Aufkommen des Wolfs. Schafe wurden bereits in der Nähe der Alp gerissen und aufgrund dessen wurde eine Person aufgeboten, die die Herde, auch unter dem Einsatz eines Nachtsichgerätes, überwacht. Christian hat Bedenken, dass die Hunde der Alp den Wölfen nachgehen und angegriffen werden könnten.
Problematisch ist auch der Klimawandel mit zunehmenden Wetterereignissen wie Starkregen und länger anhaltenden, trockenen Perioden, wie Fadri Stricker, Präsident der Alp- und Sennereigenossenschaft Sent, schildert. Vor ein paar Jahren gab es einen sehr milden Winter. Im darauffolgenden Sommer wurde das Wasser für die Strom- und Wasserversorgung sehr knapp.
Die Genossenschaft in Sent setzt sich aus den milchproduzierenden Landwirten des Dorfes zusammen. Der Zusammenhalt in dieser macht Fadri stolz, da jeder in allen Belangen mithilft.
Der Alpkäse und weitere Produkte, die aus der Milch der Kühe der Sentiner Landwirte produziert werden, können in der Lataria Sent, einem Verkaufsladen, erworben werden.
Im September werden die Kühe von der Alp Prà San Flurin im Val Laver zurück nach Sent geführt. Christian, Ayuna, Jana und Felice haben sich hierfür mit traditioneller Bekleidung zurecht gemacht. Die Kühe werden über den Dorfplatz in Sent bis zum Hof von Fadri Stricker geführt, wo sich eine Festwirtschaft befindet.
Der Alpabzug ist für mich wie ein innerlicher Abschied. Man ist mit den Tieren zusammengewachsen.
Christian Kofler
Wie es jetzt nach dem Alpsommer weitergeht, ist für Christian noch offen. Seine Tochter und ihre Freundin Jana würden jedoch sehr gerne wieder einen Sommer auf der Alp verbringen.
Bilder und Text: Dominik Täuber