Engadiner Handwerk für jedermann

Heidi Laurent - Domenig und Lidia Domenig-Etter

Titelbild Story Laurent-Domenig
Im einzigartigen Laden «Butia Schlerin» in Sent taucht man ein in eine Vielzahl von handgefertigten Produkten aus Keramik und Stoff. Was alle gemeinsam haben, ist die Verzierung mit den sogenannten «Sgraffiti». Die Dekorationstechnik gelangte im 16. Jahrhundert in die Schweiz und verziert seitdem viele Häuser im Engadin und im restlichen Graubünden. Daher stellt sich die Frage nicht, dass Heidi Laurent-Domenig eine grosse Faszination für diese empfindet: «Es ist ein wichtiges Engadiner und Schweizer Kulturgut, der lange vergessen wurde! Denn jedes Symbol hat seine Bedeutung und gemäss Historiker sind diese von der ganzen Welt zu uns eingereist und haben sich hier gefestigt «.  
Schlerin Tisch

Vom Bastelladen zum Sentner Keramikesel

Ursprünglich war der heutige Kunsthandwerks- und Verkaufsladen mit Café ein Bastelladen. Dieser hatte mit der Zeit ausgedient, der Tag für einen Neuanfang rückte näher. Bereits seit 1995 drehts sich schon vieles um Keramik und das Fachwissen von 40 Jahren von Lidia steuerte den Rest bei. Im Jahr 2016 haben Sie dann ihre exklusive Marke SGRAFITS ENGIADINAIS ins Leben gerufen. Diese besteht aus edler Keramik und hochwertig gewobenem Jacquard Baumwollstoff.

Es sollten jedoch nicht nur Produkte für den Verkauf erstellt werden, Heidi und Lidia wollten mehr – es sollten Kurse für jedermann/frau/* angeboten werden, damit jeder in die Faszination «Sgraffitos» eintauchen kann. Sie wollten ein Erlebnis anbieten, rund um die Keramik - und die Sgraffittokunst, zudem war es komplett neu, das Sgrafitti plötzlich auf Keramik zu finden waren und so mit nach Hause genommen werden konnten.

Als erstes Produkt der Butia Schlerin entstand der Esel aus Sent und das vor mehr als 10 Jahren. Dieser Sentner Esel hat auch einen geschichtlichen Hintergrund. Jede Unterengadiner Gemeinde wird ein Tier zugeordnet, und bei den Sentnern ist es eben der Esel.  

Sentner Esel

Sgrafitti treffen auf Keramik

Für die Kombination aus Keramik und «Sgraffiti» war es aber ein langer Weg:  «Wie bekommen wir diese wunderschönen Symbole auf unserer Keramik?» Die Kriterien wurden definiert und in ein paar schlaflosen Nächten ist dabei die Stempeltechnik entstanden. Dabei werden Sgrafitti gesammelt, ausgewertet und vorgezeichnet, um somit Stempel herzustellen. Doch nun standen Heidi und Lidia vor der nächsten zu lösender Aufgabe: Wie entsteht ein brauchbarer Stempel der sich dem Material und der Gegebenheit anpasst? Daran haben die zwei Damen zwei Jahre lang getüftelt, bis sie ein zufriedenstellendes Ergebnis vor sich hatten. Seitdem sind viele neue Stempel dazu gekommen, welche für die Verkaufsprodukte aber auch für die Kurse gebraucht werden.

In dieser Zeit wurde auch die Firma Tisca Tischhauser auf die zwei Damen aufmerksam. Mit grossem Interesse entstand dann die exklusive Stoffline mit Sgraffiti, diese wird in der Jacquard Technik gewobene und bestehet aus 100 % Baumwolle. Der Stoff wird exklusiv für die Butia Schlerin hergestellt und die Produktplatte wächst stetig weiter. So sind mittlerweile über 40 Produkte endstanden von Servietten, Tischläufer, Tischtücher und sogar Vorhänge bis hin zur Hygienemaske.

produktion

Inspiration durch Heimat und Familie

Inspiration für neue Designs und Produkte holt sich Heidi nicht an einem bestimmten Ort oder zu einer gewissen Zeit. Viel wichtiger ist ihr, dass man mit offenen Augen durch die Welt und den Alltag geht. Teilweise kommen in alltäglichen Situationen neue Ideen oder ihre beiden Kinder kommen mit spannenden Fragen aus dem Kindergarten und der Schule auf sie zu. So wurde zum Beispiel vor drei Jahren der ganze Ausschank im Café und die Verpackung Plastik frei. Auch aus Gesprächen mit Kunden und Freuden werden Ideen, welche anschliessend ausprobiert werden. Die meisten Ansätze wurden erfolgreich umgesetzt, weil das Bauchgefühl mitentscheiden durfte.

Tracht
«Wie war Euer Marketingplan?» – «Wir haben klein angefangen und haben mit einem Standardsortiment begonnen. Nun bauen wir immer weiter aus und hören auf unsere Kundenwüsche und auf unser Bauchgefühl. Bis jetzt wurden wir nicht enttäuscht!»

Echte Handarbeit aus Sent

Bis ein Produkt fertig im Laden steht, wird es zwischen 20 und 30 Mal in die Hand genommen und das von einen 4 Köpfigen Team. Die Keramikprodukte werden in Sent hergestellt. Die Rohlinge werden nach der Erstellung für 24 Stunden bei 980 Grad gebrannt. Anschliessend können die Produkte von den 4 Frauen bearbeitet werden – dabei ist kein Produkt wie das andere. Das «Wirken» erfordert ein hohes Mass an Konzentration und macht noch immer sehr grosse Freude, schliesslich arbeiten sie an einem wertvollen Produkt der lange Nachhaltig ist. Die fertigen Rohlinge werden dann glasiert und für weitere 36 Stunden gebrannt. Mittlerweile stehen im Laden in Sent eine Vielzahl von verschiedene Produkte aus Keramik, welche alle auf ihre spezielle Art und Weise einzigartig sind.

Der grosse Erfolg und auch die Anerkennung kam dann, als Heidi Laurent-Domenig im 2019 den preis zur Bündner Jungunternehmerin gewann. Dies macht die Frauen noch heute besonders stolz!

schlerin

Halstuch Uorsin wurde zu Hygienemaske Burtel

Im 2020 war ein Engadiner Halstuch namens Corsin in Planung. Ein grosser Kunden wollte für den Asiatischen Markt einen Engadiner  Halstuch mit Sgraffiti. Die Frauen hatten das Design und auch den Stoff bereits in Auftrag gegeben und die Produktion lief. Doch wie es im Leben ist, manches kommt anderes als gedacht. Der Auftrag wurde stornier, dass Lager voll. Wenige Wochen später kam die Idee den Stoff für eine Hygienemaske zu verwenden. Nach einigen Abklärungen wurde so Burtel geboren. Nachdem das Angebot Online ging, war er in wenigen Tagen ausverkauft. Sie wurden völlig überrascht über die Nachfrage.  Heute ist jedoch Uorsin in 2 grössenen im Sortiment und sogar mit QR Code zum Romanische lernen.

Viva la Grischa – und bis bald in Sent!

Corona-Maske

Text: Chantal Mayor

Bilder: Chantal Mayor, Dominik Täuber und Mayk Wend

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